Ausstellung im Oberpfälzer Freilandmuseum zum Wetter
Zwischen Hochs und Tiefs

Unwetter macht Angst. Daraus und aus dem Bedürfnis heraus, sich, Haus und Hof vor Naturphänomen zu schützen entstand ein Volksglaube mit religiösen und abergläubischen Elementen, so soll die Hauswurz genauso vor Blitzeinschlägen schützen wie etwa Gebete oder Bittprozessionen.
Kultur
Nabburg
19.05.2017
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Der Mensch im Schafspelz: Gegen Kälte half Wolle oder das Tragen mehrerer Kleidungsschichten übereinander (Zwiebelschalenprinzip). Einen wirksamen Schutz vor Wind und Nässe gab es nicht. Bilder: Schönberger (5)

Gäbe es das Wetter nicht, wäre manche Pause peinlich. Viele Unterhaltungen kämen gar nicht erst in Gang. Über das Wetter lässt sich trefflich reden. Dass es mehr als Gesprächsstoff ist und in alle Lebensbereiche eindringt, beweist eine Ausstellung im Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen. Und ein paar Bauernregeln gibt es obendrein.

Eigentlich kann dem Menschen heutzutage, außer dem Landwirt, das Wetter ziemlich schnurz sein. Gegen Wind und Nässe schützt die Funktionskleidung, gegen kalte Füße die Fußbodenheizung und gegen Hitze die Klimaanlage. Und dennoch, da ist die geplante Wanderung am Wochenende, für die es nicht zu heiß sein sollte, der Grillabend mit Freunden, der nach einer lauen Nacht verlangt, der Segeltörn, der nach Wind schreit, und bei alldem sollte es keinesfalls regnen.

Regen nur montags


Die Leiterin des Freilandmuseums Dr. Birgit Angerer wünscht sich Regen nur in der Nacht oder montags, wenn das Museum geschlossen ist, der Almbauer dagegen keine heißen, trockenen Sommer, sondern reichlich Niederschlag, damit auf den kargen Böden genug Futter für die Tiere wächst. Der Förster stellt andere Ansprüche ans Wetter als der Ackerbauer oder der Schulbub, wie ein Video gleich zu Beginn der Ausstellung zeigt. Gutes Wetter, schlechtes Wetter, es kommt auf den jeweiligen Standpunkt an - nicht nur. Der beste Standpunkt half früher nichts in Schlafkammern, in denen es so kalt war, dass der Atem auf der Bettdecke gefror. Die dicken Federbetten und Wärmflaschen anfangs aus Metall, oder im Ofen vorgewärmte Ziegelsteine sorgten für einen bescheidenen Komfort, Bettschemel oder Bettvorleger dafür, dass die Füße nicht mit dem eiskalten Boden in Berührung kamen. Die Tischbeine verbindende Fußleiste war nicht allein der Stabilität geschuldet.

Wer am Esstisch saß, musste seine Füße nicht auf den ungedämmten Boden stellen. Die Holz verkleidete Wand oder die Ofenbank - heute Ausdruck von Gemütlichkeit - schufen einst ein Wohlfühlklima in der Stube. Die Vorfahren wussten sich zu helfen, wenn es darum ging, das Haus einigermaßen wetterfest zu machen. Sie schützten sich, Haus und Hof. Die von den bayerischen Freilichtmuseen erarbeitete Schau geht der durchaus spannungsreichen Symbiose zwischen Mensch, Natur und Wetter nach. Sie zeigt, weshalb es im Allgäu Weidewirtschaft gibt und in Unterfranken Wein wächst. Beides ist wetterbedingt. Und mit der Bedeutung des Wetters einher, geht stets das Bemühen es vorherzusagen. Der Wetterhahn und die Wetterfahne zählen zu den ältesten meteorologische Messgeräten. Wetterhäuschen, Regenmesser und Thermometer kamen später dazu.

Die Ausstellung klammert aber auch Wetterextreme nicht aus, die die Menschen verunsicherten. Daraus entstanden sind nicht nur die Hagel- oder Sturmversicherung, sondern auch ein besonderer Volksglaube, eine Mischung aus Religion und Aberglaube, gespeist aus diffusen Ängsten. Überschwemmungen oder Sturm waren schwer einzuordnen. Gewitter zum Beispiel führten bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts hinaus auf dem Land noch zu festen Handlungsabläufen. Die schwarze "Wetterkerze" wird angezündet, die Sekunden zwischen Blitz und Donner werden gezählt, um zu wissen, wie weit das Gewitter entfernt ist, und es wird gebetet. Ein alter Spruch heißt "Wenn's donnert, wachen die Gebetbücher auf."

Bauernregeln


Eine Hauswurz auf dem Dach soll vor Blitzen schützen. Wohl dem, bei dem eine wächst. In Bittgängen oder Schauermessen wird für gutes Wetter gebetet. Aus den Wetterbeobachtungen heraus entstanden auch die Bauernregeln. "Kunigund bringt d' Wärm vo unt" oder Mattheis bricht's Eis". Eine ist allgemeingültig und stimmt immer: "Kräht der Gockel auf dem Mist, ändert se's Wetter oder es bleibt wie's ist."

ServiceAusstellung: "Gutes Wetter, schlechtes Wetter" bis 8. Oktober. Ort: Oberpfälzer Freilandmuseums in Neusath.

Öffnungszeiten : Dienstag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr.

Kontakt: Telefon 09433/2442-0. freilandmuseum@bezirk-oberpfalz.de

Zur Ausstellung ist ein Begleitband erschienen, der an der Museumskasse erhältlich ist.
Weitere Informationen:

www.freilandmuseum.org
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