Ausstellung im Zehentstadel
Redewendungen als Kunstwerke

Auch Karl Beer und Irene Ehemann vom Ausschuss Mittelalterlicher Markt kamen zur Ausstellungseröffnung im Stadtmuseum und gingen den Redewendungen auf die Spur. Bild: aub
Kultur
Nabburg
28.06.2016
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Wenn sich Nabburg am 16. und 17. Juli wieder "mit Haut und Haar" dem Mittelalter verschreibt, sollte man sich das nicht "durch die Lappen gehen" lassen: Wie ausdrucksreich diese Epoche bis heute in unserer Konversation weiterlebt, zeigt die aktuelle Ausstellung "Spricharten und Redenswörter" im Stadtmuseum.

Die Floskel "Alter Schwede" gehört zu jenen, die Bürgermeister-Stellvertreterin Heidi Eckl als Organisatorin des Jugendtreffs von den Teenies dort öfter zu hören bekommt. Dass jedoch wir alle völlig unbedarft in manch einer Redewendung das Mittelalter weiterleben lassen, weckte nicht nur ihr Interesse an der Ausstellungseröffnung.

60 Beispiele, die uns völlig unbewusst und - angesichts ihrer Wurzeln - mit teils erstaunlichem "Sinnes"-Wandel über die Lippen kommen, wurden dafür ausgewählt, knüpfte Kunsthistorikerin Christa Haubelt-Schlosser in ihrer Laudatio an. Dabei gehören Redensarten zu den fest stehenden sprachlichen Wendungen. Während "den Löffel abgeben", nur den Teil eines Satz darstellt, sind Redewendungen, wie etwa "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst", oft noch vollständig erhalten.

"Daneben ist es der bildhafte Ausdruck, der die sprichwörtliche Redens-Art von der bloßen Rede-Wendung differenziert", betonte Haubelt-Schlosser. Oft sind diese aus sprachhistorisch älteren "wortwörtlich gebrauchten" Wortfügungen entstanden. So verweist "Das geht auf keine Kuhhaut" aus den "Sermones vulgares" des Jacques de Vitry auf das frühe 13. Jahrhundert, als man noch auf Pergament, also Tierhaut, schrieb.

Wie sollte jedoch aus dieser gänzlich gegenstandslosen Materie eine Ausstellung entstehen? Weil die Aufgabe nur kreativ zu lösen war, kamen - ganz unkonventionell - spielerische wie museumspädagogische Installationen zustande: 30 Doppelköpfe, die das rein Verbale materialisieren, zum Denken anregen, Rätsel aufgeben, auf die falsche Fährte locken oder uns auf die Sprünge helfen, einen Teil unserer Sprache zu entschlüsseln und deren Ursprung richtig zu ergründen - Überraschungen nicht ausgeschlossen.

Die Begleitausstellung zum Mittelalterlichen Markt, zu dessen Preisrätsel-Lösung sie auch einen wertvollen Hinweis gibt, ist noch bis zum 21. August täglich außer Montags von 14 bis 17 Uhr zu besichtigen. Schulklassen erhalten unter Telefon 09433/204639 auch Sondertermine.
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