Ballonauten des Deutschen Reichs
Zeitdokumente erster Güte

Kultur
Nabburg
26.09.2015
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Die ursprüngliche Geschichte beginnt in der Wirtschaftskrise der frühen 1930er Jahre, ein paar Monate vor der Machtergreifung der Nazis. Der Regensburger Jakob Schmid und sein Freund und Schicksalsgenosse Franz Perzl hatten sich einen zwei Meter hohen Holzfußball zimmern lassen, in dem man zur Not auch übernachten konnte.

Den Ball zogen die kräftigen Männer in der Folgezeit quer durchs damalige Deutsche Reich - eine Riesenstrapaze, mit der sie bekannt und wohlhabend werden wollten. Aber beides misslang, und am Ende gerieten die zwei mittellosen Ballonauten wieder in Vergessenheit. Ihr Vermächtnis war ein viele Kilo schweres Reisetagebuch mit zahlreichen Fotos und Einträgen, das ebenfalls lange unbeachtet blieb.

Die Ballonauten aus Regensburg veranstalteten mit ihrer Deutschlandreise vom Mai 1932 bis August 1933 wohl eine der ersten Werbetouren für den Fußballsport. Auf ihrer Reise besuchten sie über 300 Orte und Fußballvereine, die sie akribisch in ihrem Reisetagebuch mit Stempel und Unterschriften dokumentierten. Zusammen mit den Tagebucheinträgen entstand auf diese Weise ein beeindruckendes Zeitdokument, das die Zeit der Weltwirtschaftskrise und des Umbruchs kurz vor, während und nach der Machtergreifung Hitlers darstellt.

Fast 900 historische Fotos

Neben der umfangreichen Dokumentation ihrer Reise mit nahezu 900 privaten Fotos vollbrachten die insgesamt vier beteiligten Sportler eine herausragende körperliche Leistung, indem sie ihr kurioses, 600 Kilogramm schweres Fußgängerwohnmobil über 3500 Kilometer durch Deutschland rollten.

Vor vier Jahren fiel das Buch dem Regensburger Journalisten Hubertus Wiendl in die Hände. Er bereitet die Geschichte der Ballonauten nun neu auf: Über die faszinierende Begebenheit und das Kuriosum Ball sollen Jugendliche einen Zugang zur damaligen Zeit erhalten und sich damit beschäftigen. Sie sollen die Strukturen entdecken, die zur Radikalisierung der Gesellschaft geführt haben, und erkennen, dass Rechtsradikalismus heute noch nach denselben Prinzipien funktioniert. So sollen die Jugendlichen gegen rechtsradikales Gedankengut gestärkt werden.

Wiederholung der Reise

Der im vergangenen Jahr gegründete Verein "Die Ballonauten" veranstaltet mit dem Nachbau des Originalballes und einer kleinen Ausstellung ein Reenactment (eine Wiederholung der Reise). Nach Regensburg war die Ausstellung mit Projekttag Gymnasium in Burglengenfeld und für einige Wochen im Freilandmuseum Neusath-Perschen zu sehen.

Diese Woche fand eine "Finnisage" zur Ausstellung im Museum statt, die Hubertus Wiendl und Eginhart König bestritten. Nach einer kleinen Einführung ins Projekt durch seinen Kurator Hubertus Wiendl wurde aus dem Tagebuch der Ballonauten vorgelesen, das Wiendls Mutter aus der Sütterlin-Schrift transkribiert hatte. Zu sehen gab es fünf kurze Filme über das große Abenteuer der Ballonauten (Buch Joseph Berlinger, Erzählerin Anika Kühl, Zitator Sepp Fischer, Redaktion, Regie und Postproduktion Hubertus Wiendl).

Demnächst in Weiden

Nun wandert die Ausstellung auf der Route der Ballonauten von 1932/33 nach Weiden, Wunsiedel, Selb, Hof, um dann die Neuen Bundesländer zu durchreisen.
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