Christoph & Lollo im Nabburger Schmidt-Haus
Musikkabarett pointiert und deftig serviert

Christoph (links) und Lollo demonstrierten im Schmidt-Haus Musikkabarett mit ganz viel "Schmäh". Bild: Stiegler
Kultur
Nabburg
04.04.2016
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"In der Menschheitsgeschichte waren die Reichen noch nie so verblödet wie heute." Von dieser Feststellung ist es am Samstagabend in Nabburg nicht weit, um auf den amerikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump zu sprechen zu kommen. Es ist insgesamt so, dass Christoph & Lollo auf ziemlich viel zu sprechen kommen, über ziemlich viel singen, reimen und schwadronieren.

Die Mühe, einen roten Faden zu finden, sollte sich der Zuhörer gar nicht erst machen - es gibt ihn nämlich nicht. Dennoch begeistert das Wiener Musikkabarett-Duo über zwei Stunden lang im voll besetzten Schmidt-Haus.

Nicht nur der "feine" Ton


Christoph Drexler und Lollo Pichler lassen sich aus über Fenchelsalat, Haushaltsführung und Lebensmittelhygiene. Sie widmen ein Lied der Hebamme, die bei der Geburt - "dem allerschwersten Schritt beim Kindermachen" - eine bewundernswerte Arbeit leistet, während die Ärzte ja doch nur im Weg stehen. Sie stimmen ein Lied über die Revolution von 1848 in Wien und die Ermordung des damaligen Kriegsministers Theodor von Latour an, das vor Blutrünstigkeit nur so strotzt. Überhaupt: Es ist nicht immer der "feine" Ton, den die beiden Künstler an diesem Abend suchen. Derbheiten und Deftigkeiten geben sich oft die Hand. Die verzeiht man den Österreichern aber allein schon wegen der pointierten Art und Weise, wie sie serviert werden, und wegen des "Schmähs".

Es ist ein ganz weiter Bogen, den Christoph & Lollo schlagen: Besuche in der Therme werden sarkastisch-ironisch aufgearbeitet, die angeblich hohe Kultur wird musikalisch gnadenlos bloßgestellt ("Kunstscheiße"). Ein Höhepunkt des Abends ist das Lied "Demokratie": Dem fiktiven demokratiekritischen Gesprächspartner mit einem Hang zur "gemäßigten Diktatur" wird entgegengeschmettert: "Warum wohnst du nicht in Nordkorea oder im Iran?" Auch die vermeintliche SPÖ-Hymne - sie wird im Stil eines Arbeiterliedes vorgetragen - dürfte den entsprechenden Politikern eher nicht gefallen, hält sie ihnen doch den Spiegel vor: "Wir marschieren für euch durch die Institutionen und dürfen dafür in Penthäusern wohnen. Die Sorgen der Menschen sind uns sehr viel wert, wir tun nichts dagegen, wir sind nur empört. Bei der Internationale haben wir nie auf den Text gehört."

Lied übers Elternsein


Es sind simple Botschaften, die die beiden Österreicher weitergeben, mit viel Ironie, etwas Larmoyanz und Bitterkeit und - im positiven Sinne - "saublöden" Grimassen. Ein besonderer Höhepunkt folgt am Ende des Auftritts: Mit ihrem Song "Seit ich ein Kind hab ..." bringen sie das Elternsein auf den Punkt. Sie singen allen Müttern und Vätern aus der Seele und sorgen für Lachsalven: "Seitdem ich ein Kind hab, verfluch ich Hello Kitty, und ich hasse Winnie Puuh."

Die Lachtränen des Publikums versiegen schließlich auch bei der letzten Zugabe, einem leidenschaftlichen "Torneró", nicht. Und es bewahrheitet sich so die Ankündigung Lollos zu Beginn des Konzertes: "Das ist kein Vergnügen. Das ist Rock 'n' Roll!"
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