"Durst - Warten auf Merlot": Hinreißende Trinkshow mit dem Kabarettisten Philipp Weber im ...
Jetzt geht's um den Durst

"Trinken will gelernt sein", sagte Philipp Weber. Im ausverkauften Schmidt-Haus unterhielt der quirrlige Kabarettist mit seiner hinreißenden Show "Durst - Warten auf Merlot". Bild: prh
Kultur
Nabburg
05.05.2015
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Essen und trinken halten auch für Philipp Weber Leib und Seele zusammen. Hat der Kabarettist in seinem vorletzten Programm noch die politischen Dimensionen fester Nahrung aufgezeigt, so widmet er sich im ausverkauften Schmidt-Haus aktuell in "Durst - warten auf Merlot" den flüssigen Gaumengenüssen und beispiellosen Auswüchsen des Trinkens. Mit einer Flut an witzigen Pointen bringt der Kabarettist Klarheit in die trüben Gewässer der deutschen Trinkkultur. Für den Odenwälder gibt es keinen schöneren Landstrich als Bayern, das Land der Biere, um übers Trinken zu reden.

Radikaler Verbraucherschützer

Schon zu Beginn seines Lebens lernt der Mensch richtig zu trinken. "Die Muttermilch schmeckte zwar etwas fad, aber über die Verpackung gab es nichts zu mäkeln", klärt er auf. Selbst beim Sex sollte man aufs Trinken nicht verzichten. Stichwort Dehydrierung. "Es macht bums und wer liegt schon gerne auf einer Mumie?" Der studierte Chemiker und Biologe ernennt sich selbst zu Deutschlands radikalstem Verbraucherschützer und klärt schonungslos und brillant recherchiert über die kommerziellen Einflüsse der Getränkeindustrie und die Folgen der flüssigen Nahrungsaufnahme für die Umwelt auf. So sind die Deutschen Weltmeister in Sachen Plastik-Wasserflaschen für deren Herstellung rund eine Milliarde Liter Erdöl pro Jahr verbraucht werden. Oder wussten sie, dass jeder Deutsche am Tag 130 Liter Wasser verbraucht, virtuell dagegen 5000. So viel wird nämlich für die Herstellung seiner Bedarfsgüter benötigt. Er rät, mit Alkohol vernünftig umzugehen. Diesen Rat befolgte sein Onkel Rudi nicht. Der große Alkohologe lebte nach dem Motto: Ein Bier beinhaltet 0,3 Milligramm Vitamin B12, der menschliche Tagesbedarf liegt bei 1,2 Milligramm. Fazit: "Bei vier Halben musst du keinen Apfel mehr essen".

Ältere Problemfälle

Durststrecken gibt es in seinem mitreißend präsentierten Programm überhaupt nicht. Der virtuose Sprachkünstler wirbelt über die kleine Bühne, setzt Pointe an Pointe, gewoben aus scharfsinnigen Beobachtungen zu gesellschaftlich relevanten Themen wie zum Beispiel Alkohol, dem Balsam der Seele. "Ein Bier ohne Alkohol ist wie ein BH der auf einer Wäscheleine hängt", beliebte Onkel Rudi zu bemerken. Alljährlich werden 25 000 Jugendliche mit akuten Alkoholproblemen in die Notaufnahmen der Krankenhäuser eingeliefert, aber auch 27 000 Senioren. Das beweist: Alter schützt vor Vollheit nicht. Weber widmet sich dem Hype ums Wassertrinken, bei dem bulgarisches Leitungswasser oder Wasser von den Fidschi-Inseln für 26 Euro pro Flasche zum Edelgetränk werden.

Hier zitiert er wieder Onkel Rudi: "Wenn Gott gewollt hätte, dass der Mensch Wasser trinkt, dann hätte er es nicht so viel gesalzen." Der eigentliche Skandal aber ist, was dem Menschen im Lande des Reinheitsgebotes als trinkbar vorgesetzt wird: Red Bull. "Das Zeug schmeckt wie der Morgen-Urin eines zuckerkranken Gummibärchens". Ist da auch Stierhodenextrakt drin, wäre es kein Energydrink, sondern eine Ochsenschwanzsuppe. Am Ende geht Weber der Frage nach, wer mehr getankt hat, die Maschine oder der Pilot, und dass Milch ohne Fett keine Milch, sondern eigentlich Quatsch ist.

Seinem erklärten Ziel, in mehr lachende Gesichter sehen zu können, mehr glücklichere Menschen zu hinterlassen und eine bessere Welt zu schaffen, kommt Weber durch seinen furiosen Auftritt im Schmidt-Haus wieder ein Stück näher. Der hervorragende Kabarettist ist seinem Ruf einmal mehr gerecht geworden: Hingehen, anschauen, lachen, sich einfach gut unterhalten und gleichzeitig informiert fühlen.
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