Erfrischendes und bitterböses Kabarett mit Thomas Schreckenberger im Nabburger Schmidt-Haus
Jedes Paradies hat seine Schlange

Augen zu und durch! In seinem Programm "Notausgang gesucht" ging Kabarettist Thomas Schreckenberger der Frage nach: Was ist normal, was Wahnsinn? Bild: prh
Kultur
Nabburg
01.12.2014
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In seinem aktuellen Programm "Notausgang gesucht" begibt sich Thomas Schreckenberger auf eine kabarettistische Flucht vor dem Wahnsinn unserer Zeit. Im Nabburger Schmidt-Haus flankierte er seinen Auftritt am Freitag mit treffsicheren Parodien. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Alptraum, in dem Sie in einem dunklen, langen Gang vom Werbezombi des Seitenbacher-Müslis und dem "Polit-Zombi" Ronald Pofalla verfolgt werden. Sie laufen weg, finden den Notausgang und stehen im Paradies - allerdings Auge in Auge mit Kanzlerin Angela Merkel, die Ihnen sagt: "Jedes Paradies hat seine Schlange."

Das Leben eine Flucht

Nach dem schweißgebadeten Erwachen und der krampfhaft witzigen Unterhaltung durch Gute-Laune-Terrorkommandos im Frühstücksradio würde man am liebsten davonlaufen, den Notausgang suchen. "Aber ist nicht das ganze Leben ein Fluchtversuch vor dem Wahnsinn?", fragte sich daher der Kabarettist in seinem Programm "Notausgang gesucht" auch in Nabburg.

Doch was ist normal, was ist Wahnsinn? Etwa die Tatsache, dass die Fifa eine eigene Ethik-Kommision einsetzt, die ihr bescheinigt, dass sie nicht korrupt sei? "Das ist genauso, wie wenn ein Metzger seine Wurstwaren prüft und erklärt: alles vegan." Oder dass ein Klaus Wowereit, "die Conchita Wurst der Politik", einen Hartmut Mehdorn zur Rettung des Berliner Flughafens holt? "Die Chance, dass es gelingt, ist so hoch, wie wenn Stevie Wonder die Dart-Weltmeisterschaft gewinnt."

Absurd? Bizarr? Nein! Das ist die ganz normale Welt des Kabaretts, und zwar des richtigen Kabaretts und nicht der seichten Blödel-Comedy. Thomas Schreckenberger erwies sich als Meister seines Fachs, ausgestattet mit einem Humor, der bisweilen so nah an der Realität war, dass er weh tat: bitterböse mit vielen überraschenden Momenten. Mit geschliffenen Texten, teils absurd witzigen Pointen und herrlich komischen Parodien nahm er das Publikum mit auf eine Reise durch den Wahnsinn der Politik und des Alltags.

Da werden im Privatfernsehen in Sendungen wie "Das Dschungelcamp" Tiere gegessen, die intelligenter sind als diejenigen, die sie essen. Eine Kanzlerin macht Politik, so wie sie Ski fährt: mit niedriger Geschwindigkeit. Und wenn der Russe vor den Toren der Oberpfalz steht, würde er von Ursula von der Leyen abgehalten werden mit dem Hinweis, er solle gefälligst zu den Kita-Öffnungszeiten wiederkommen. "Es fehlen einfach die großen Charakterköpfe der Politik wie Franz Josef Strauß, die immer wieder mal einen rausgehauen haben", meinte Schreckenberger. "Keine Papiertiger wie Horst Seehofer oder Edmund Stoiber, der Erfinder des 'rhetorischen Waterboardings'."

Seitenhieb auf die Kirche

Auch die Kirche ist kein Ort mehr, zu dem, sondern vor dem man fliehen sollte - zumindest, wenn man männlich und unter 15 Jahre alt ist, urteilte der Künstler. Und noch ein Seitenhieb in Richtung moderne Pädagogik: Waren wir früher dumm und faul, dann waren wir eben dumm und faul. Heute ist das hochbegabt. Also wo ist bitte der Notausgang? Eine Patentlösung hatten selbst die Navis für Männer nicht parat.

Thomas Schreckenberger hat mit seinem Programm zumindest einen Fluchtversuch unternommen. Mit seinen genialen parodistischen Fähigkeiten, in denen gar ein Klaus Kinski als Kindergartenpsychologe und Navi-Stimme Wiederauferstehung fand, unterhielt er sein Publikum ausgezeichnet. Mit meisterhafter Mimik und minimaler Gestik trieb er so manchem Zuhörer Lachtränen in die Augen.
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