Feiner Humor von Martina Schwarzmann vor nahezu 1000 Gästen in Nabburg
Gemüse auf dem Grab

Kultur
Nabburg
20.10.2014
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Das Grab von Martina Schwarzmann wird vielleicht mal schnell zu erkennen sein. Ihr Wunsch für die Bepflanzung: "I winsch mir Gmias." Um nach einer kurzen Pause hinzuzufügen: "Ist doch schön, wenn es dann bei mir noch was zu holen gibt." Pragmatisch ist sie, die Kabarettistin Schwarzmann, die am Samstagabend in der Nordgauhalle vor nahezu 1000 Gästen ein feines Programm mit allerfeinstem Humor präsentierte.

Vom Familiengeburtstag mit betrunkenen Cousins über Konzerte und Kneipenbesuche in Düsseldorf bis hin zum pfurzenden Huhn: Martina Schwarzmann hat ein trockenes Wort dafür. Sie mag keine Eisbegonien auf dem Grab, dafür lieber Gemüse. Und sie hat das Huhn in einem stillen Moment pfurzen hören. Wenn sie das in ihrer Mundart präsentiert, hat sie das Wohlwollen der Oberpfälzer.

"Kinder - nur mit Hühnern", hat sie ihrem "Mo" (Mann) angesagt. Der Resteverwertung wegen. Denn Verschwendung mag sie nicht, auch keine angesabberten Brezel-Kekse-Reste, die bekommen die Hühner. Und wenn das letzte Küken aus dem bebrüteten Ei kurz vor der eigentlich geplanten Beerdigung im Sandkasten doch noch zuckt, kommt es halt bei 35 Grad in den Ofen. "Brüten geht nur mit Wärme, nicht mit Druck", weiß die lebenskluge Oberbayerin zu berichten. Da hatte sich die Dame im Publikum kurz geschüttelt ob der Beschreibung. Aber so nicht mit der Schwarzmann.

Die schafft es schon ganz schön, mit ganz alltäglichen Momenten ihren Gästen einen Spiegel vorzuhalten. "Das Tuscheln geht gar nicht", schreibt sie allen ins Stammbuch. "Was ist denn schon dabei, einen dicken Mann zu fragen, ob man mal um ihn rumlaufen kann, um zu sehen, dass er eine Badehose anhat?" Die Schwarzmann macht das. Das nimmt man ihr ab.

Die Mutter zweier Kinder scheut sich nicht, den eigenen Alltag schonungslos offenzulegen. Und dass das mit dem Weltfrieden nur eine Sache des Timings ist, glaubt man ihr sofort, wenn sie das an der sonntäglichen Mittagessen-Zubereitungsfront erklärt. Nur noch zehn Minuten, und dann fängt "der Mo" an, an der falschen Stelle aufzuräumen. Dass er sie auch den Ofen nicht einheizen lässt, nimmt sie ihm sichtlich übel. Weil sie es besser kann. Und drüber reden darf sie auch. Das hat sie ihren "Mo" gefragt. "Wenn du dich auslachen lassen willst", war wohl seine Antwort. Ach je, Aufräumen wäre dann noch ein Thema, genauso wie Multitasking ("Dreckmist") und die "Popel-Fee". "Immerhin eine Fee, die etwas gibt", erklärt Schwarzmann. Das macht sie richtig gut, die feinen Töne, die schlagfertigen, die trocken daherkommen. Mit nur wenig Akkorden auf ihrer Gitarre, wie Fredl Fesl auch bemerkt hat, singt sie ein ums andere trefflich formulierte Liedchen. Und kaum bemerkt, sind im heiteren Gelächter zwei wunderbar unterhaltende Stunden vergangen. Gscheid gfreid.

Die Schwarzmann dankt. Und geht ab. Um dann noch zu signieren. Ganz trocken, ganz fein. Wäre schön, wenn sie ihr nächstes Programm wieder in der Oberpfalz präsentiert. Servus.
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