Glänzender Saisonauftakt im Schmidt-Haus mit Franziska Wanninger, der Kabarettentdeckung des ...
Gschert und mehr als bloß "guad gnua"

Abgründe aus dem Leben einer jungen Künstlerin taten sich bei Franziska Wanningers Programm "AHOIbe - Guad is guad gnua" auf. Bilder: Prem
Kultur
Nabburg
19.01.2015
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Über einen Start nach Maß freute sich am Freitagabend Reinhard Westiner, der Programmverantwortliche der Kleinkunstbühne im Schmidt-Haus. Gleich zum Auftakt in die Jubiläumssaison "15 Jahre Kleinkunstbühne" war das Gewölbe im Nabburger Bürgerhaus ausverkauft. Dafür sorgte Franziska Wanninger, Senkrechtstarterin und Kabarettentdeckung des vergangenen Jahres, mit ihrem brandneuen Programm "AHOIbe - Guad is guad gnua". Dabei gewährte sie skurrile Einblicke in die schier unglaublichen Abgründe eines jungen Künstlerlebens.

Alles auf einmal

Pointenreich mit einer wilden, facettenreichen Mischung aus verschiedensten Figuren, Charakteren und Dialekten ging sie der Frage nach, warum man heutzutage eigentlich alles auf einmal sein und können muss oder wann "guad" endlich einmal "guad gnua" ist. Dabei platzierte sie das "bezahlte" Publikum in die Vorpremiere ihres noch unfertigen Programms, das sie für ein Engagement auf dem Kreuzfahrtschiff "Aida" schreiben musste.

Als Buchhändlerin war sie nicht zuletzt durch den Beratungsdiebstahl von Amazon-Kunden arbeitslos geworden. Nun rächte sie sich an ihnen und suchte ihr Heil im Kabarett. Allein die zündende Idee, das letzte Lied, fehlte noch. Hin- und hergerissen zwischen ihrem humorlosen und dazu noch "zuagroasten" Manager, der ständig auf ihre Außenwirkung bedacht war ("Du kriegst den Trampel aus dem Land, aber das Land nicht aus dem Trampel") und den unerträglichen Weisheiten ihrer Tante Elfriede kam sie ins Plaudern.

Dabei servierte sie eine Fülle an persönlichen Anekdoten aus ihrem Alltag und schlüpfte unglaublich schnell und nahtlos in verschiedene Rollen. Vor allem die "gscherten", oberbayerischen und verschlagenen, wie die des Bürgermeisters von Schneckelreuth, der wegen eigener Bausünden - einer Tennishalle mit korinthischen Säulen - aus dem Kreistag flog, ließen unweigerlich Vergleiche mit einer Monika Gruber zu.

Ihre Figuren waren zum Schießen und sorgten beim einen oder anderen Zuhörer für einen gewissen Wiedererkennungswert. Dabei zeigte Wanninger ihr großes komödiantisches und schauspielerisches Talent, das ohne Zweifel in jeden Rosenmüller-Film passen würde. Ihr Handwerk hat sie unter anderem an der Lee-Strasberg-Schauspielschule in New York gelernt.

Das Leben hat es nicht immer gut gemeint mit der ehrlichen Haut. Im Krippenspiel war sie nur der 2. Ochse und zur Kommunion musste sie ein Second-Hand-Kleid tragen, in dem sie sich vorkam wie "die Vizevorsitzende vom Schweinezuchtverband Achselschwang bei der Oskarverleihung". Anfängliche Klatschblockaden des Publikums lösten sich schnell, als Franziska Wanninger, die ihr neues Programm erst zum dritten Mal spielte, immer mehr in Fahrt kam.

In tiefste Abgründe

Mit großer kabarettistischer Treffsicherheit und überzeugendem Schauspiel entlarvte sie Seilschaften, geheime Wünsche und tiefe Abgründe einer von Perfektion und Außenwirkung besessenen Gesellschaft, für die vegane Pausensnacks, der Rasenmäherbulldog mit Getränkehalter und der langersehnte Thermomix nur kleine Teilchen auf dem Weg zum perfekten Gesamtbild sind. Als Zugabe rappte sie auf dem Traumschiff mit Golfplatz und Friseur und genoss "a Hoibe" mit unbeschwertem Blick auf die Küste von Afrika, auf Ebola und Kindersoldaten.
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