Im Nabburger Schmidt-Haus überzeugt der "blonde Engel" trotz scheinbarer Konzeptlosigkeit auf ...
Intelligente Lieder mit österreichischem Schmäh

Ein blonder Engel, alias Felix Schobesberger, beschert den Schmidt-Haus besuchern ein himmlisches Kabarett- und Musikvergnügen. Mit nacktem Oberkörper, goldener Leggins, Engelsflügeln und einer Bassstimme, um die ihn jeder Hollywood-Bösewicht beneidet, und einer kuriosen Mimik begeistert er das Publikum. Bild: prh
Kultur
Nabburg
02.03.2015
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Ein himmlisches Kabarett- und Musikvergnügen bereitet ein blonder Engel am Freitag den Schmidt-Haus-Besuchern. Wer jedoch auf der Bühne eine hübsche weibliche Himmelsbotin erwartet hatte, sieht sich getäuscht. Der Engel ist zwar blond, jedoch männlich und aus Österreich. Dem Linzer Kabarettisten und Musiker Felix Schobesberger gelingt es jedoch mühelos, mit seinen intelligenten und raffinierten Texten, die er mit einer großen Portion Selbstironie und ausreichend österreichischem Schmäh würzt und seinem virtuosen Gitarrenspiel das Publikum auf seine Seite zu ziehen.

"Schlampertes Sprechen"

Da sie ihn bei seinem Auftritt am Vortag in Würzburg nicht verstanden hatten, wollte er eigentlich den Abend in englischer Sprache gestalten. Doch die Oberpfälzer hatten mit dem oberösterreichischen Dialekt, dem "schlamperten Sprechen" des jungen Kabarettisten, keinerlei Berührungsängste. So ist die Sprachbarriere schnell beseitigt und Schobesberger fühlt sich verstanden und auch sichtlich wohl in Nabburg. Der Schlacks mit der blonden Mähne versteht sich weder als reiner Kabarettist, noch als Musiker. Er bewegt sich irgendwo dazwischen, zwischen "Kabaree" und Musik und schreibt einfach Lieder mit Schmäh. Das beschreibt er in seinem ersten Stück, in dem er seine virtuose Gitarrenkunst aufblitzen lässt. Mit stets wechselnder Intonation und in den verschiedensten Stimmlagen widmet er sich Themen wie dem "Wie kommt der Fisch in die Kirche" oder wie Wien einem Nahtod-Erlebnis gleicht. Mit tiefer Bassstimme besingt er die Probleme eines Hypochonders und mit dem Befruchtungswalzer "Oid werd'n" beschreibt er die Schrullen, aber auch den Humor des Alters.

Meister der Improvisation

Wenn der Eindruck aufgekommen sein mag, sein Vortrag beinhalte eine gewisse Konzeptlosigkeit, so hat dies der Künstler durchaus beabsichtigt, denn das ist bei ihm Programm und auch eine seiner Stärken. Außerdem erweist er sich als Meister der Improvisation, dem es mühelos und sehr witzig gelingt, aus Zurufen des Publikums wie "Gleitsichtbrille", "Stille", "Zahnrad", "die Dritten", "weißer Spritzer" und "Lautsprecher" einen feinen Reggae zu formen.

Nach der Pause ist es dann so weit. Schobersberger tritt barfüßig, mit freiem Oberkörper, Engelsflügeln und nur mit einer goldenen Leggins bekleidet leicht fröstelnd auf die Bühne. Dies tut er eigentlich immer erst zur Zugabe, doch da im Schmidt-Haus der Back-Stage-Raum fürs schnelle Umziehen fehlt, zieht er seine Verwandlung vor.

Er versteigt sich humorvoll in die griechische Mythologie, beschreibt seine Autoreise durch Italien in "So lang der Radio geht" und präsentiert die Uraufführung eines Fernbeziehungs-Blues. Am Ende widmet er sich demjenigen, "der vor langer Zeit in einem fernen Land das Happy-End erfand", in der Märchenwelt, versteht sich.

Für den blonden Engel ist der Gig im Schmidt-Haus "ein Traum". Als Zugabe singt er den "Ismus-Boogie" und klärt darüber auf, dass auf der Bühne, ähnlich wie in einem Potemkin'schen Dorf, alles nur Schein sei. Doch so "schiach" ist er trotzdem nicht. Schobersberger verdient sich den großen Applaus des Publikums und ein dickes Lob als glänzender Unterhalter und Musiker, ein genialer Wortspieler und Stand-up-Songwriter redlich.
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