Inka Meyer im Spagat zwischen mittelalterlich verstaubt und Alltagskomödie der Gegenwart
Trennungs-Flatrate und Kleinkind-Yoga

Bunt gekleidet, quirlig, witzig und direkt erinnerte Kabarettistin Inka Meyer ein wenig an Pippi Langstrumpf. Mit ihrem ersten Programm begeisterte sie nicht nur das weibliche Publikum. Auch die Männer kamen bei dem satirischen Rundumschlag auf ihre Kosten. Bild: prh
Kultur
Nabburg
09.02.2015
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Die Kabarettistin Inka Meyer ließ in ihrem ersten Programm, einer satirischen Dramödie frei nach William Shakespeare, alltägliche Frauengeschichten aus den Welten des Dramas und der Komödie köstlich ineinanderfließen.

Ein klein wenig erinnerte Inka Meyer an Pippi Langstrumpf: Auffällig bunt gekleidet, unglaublich quirlig, lustig und sehr direkt. In ihrer Dramödie "Kill me Kate" oder "Die gezähmte Widerspenstige" hielt sie mit viel Witz, Scharfsinn, großem schauspielerischen Potenzial und vor allem wortgewandt ihren Geschlechtsgenossinnen den Spiegel vor, ohne dabei aber die Rolle der Aufklärerin oder Besserwisserin einzunehmen.

Grundlage ihres ersten Programms war, dass Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" ihrer Protagonistin, der Theatermacherin Nora, zur Inszenierung am Volkstheater Bad Sülz aufgebrummt wurde. Unter der Regie von Nora entwickelt sich das Stück zur "Dramödie" und zur Bestandsaufnahme: Wie geht es den Frauen eigentlich heute? Ihr zur Seite steht Willy (Shakespeare), die Puppe, die es ebenfalls höchst amüsant findet, Parallelen zur Gegenwart zu ziehen. Wo sind die großen Frauenrollen geblieben? Erfüllt sie ihre Nichte Friederike, die sich mit 15 Jahren nackt im Internet, "dem digitalen Straßenstrich", präsentiert? Oder sind es die Hungerhaken in "Germany's Next-Top-Trottel-Model" einer Heidi Klum ("Selbst Joghurt hat mehr Kultur")? Liebesgeschichten à la Romeo und Julia endeten früher nur mit dem Tod. Heute werden sie durch eine Trennungs-Agentur beendet oder dadurch, dass die Frauen Tattoos mit den Namen ihres Ex wie ein Melanom aus der Haut schaben lassen.

Rolle des Mannes

Wo bleiben dabei eigentlich die Männer, der Fluch der Frauen, die Liebe? "Siehst du den Ex im Moore winken, wink zurück und lass ihn sinken". Ist der Mann überhaupt noch gefragt? Wenn dann nicht der Muskel-Typ, sondern der Typ der kuschelig und schwabbelig um die Hüften ist. Nur neben dem können Frauen glänzen.

Sprüche und Pointen hatte die blonde Mainzerin zu Hauf auf Lager. Aber auch von ihrem Potenzial als Schauspielerin, ihrem komödiantische Vermögen und ihrem rhetorischen Schliff profitierte ihr Programm. Manchmal ging es den Zuhörern fast ein wenig zu schnell, wenn der Redeschwall sie zu überspülen drohte.

Blitzschnell schlüpfte die blonde Kabarettistin in die verschiedenen Rollen und hatte sich mit Starallüren der siebenjährigen Henrietta, "der Senta Berger der frühpädagogischen Vorschultheatergruppe" herumzuschlagen. Immer wieder benutzte sie ihr Handy um etwa mit Vera, der Übermutter zu telefonieren. "Was haben unsere Mütter nur früher gemacht, als es noch kein Babysingen oder Kleinkind-Yoga gab?"

Wo der Hammer hängt

Inka Meyer hat gezeigt, wo der Hammer heute hängt. Das hat den Schmidt-Haus Besuchern einen genüsslichen satirischen Abend beschert. Als kleines Betthupferl las Meyer aus dem Buch ihres Freundes Philipp Weber "Essen kann jeder".
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