Kabarett im Schmidt-Haus
Es muss mal was gewesen sein

Als "außer- gewöhnliche Belastung" empfand das Publikum im Schmidt-Haus den Kabarettabend mit Stefan Waghubinger ganz gewiss nicht. Bild: prh
Kultur
Nabburg
25.04.2016
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"Oh je, Steuererklärung!", stellt Stefan Waghubinger zu Beginn seines Programms im ausverkauften Schmidt-Haus resigniert fest. Das ist der Berg, der ihn vom Leben trennt, den er einst versetzen wollte. Nur Ärger mit den "Außergewöhnlichen Belastungen". Als solche empfindet sein Publikum den Abend allerdings nicht. Der Oberösterreicher serviert im Gegenteil zwei Stunden beste Unterhaltung.

Frei nach Freud


Bis auf die unselige Steuererklärung lebt sein Programm nicht von Tagesaktualitäten. Er denkt in größeren Zusammenhängen: Es, Ich und Über-Ich nach Siegmund Freud. Aber Theorie und Praxis gehen weit auseinander: "Nur wegen ein paar Betrügern werden redliche Menschen wie ich erwischt", stellt er frustriert fest. Der studierte Theologe, Kinderbuchautor, Cartoonist und Kabarettist denkt unter der Maske des scheinbar naiven und nur Unausgegorenes daherbringenden Biedermanns nicht nur in großen Zusammenhängen, er erklärt diese auch bravourös.

Und am Ende eines jeden Zusammenhangs steht dann immer eine phantastische Pointe, die die oft bitteren Wahrheiten süßer schmecken lässt. Vorher schweift er aber über 1000 Ecken ab und kommt über ebenso viele schließlich doch zum Punkt.

Mit seinen scheinbar unzusammenhängenden Gedankengängen fasziniert er das Publikum und bringt es immer wieder zum Lachen. Schuld daran ist auch eine große Portion österreichischen Schmähs und Humors. Die Kästchen in seinem grünen Formularbogen und Quittungen in seinem Schuhkarton lassen ihn immer wieder abschweifen. So taucht er ab in die Zeit seiner Kindheit, in der das Badewasser noch mit der Bildzeitung als Brandbeschleuniger angeheizt wird, in der es nur Schwarz-Weiß-Fernsehen gibt und in der er sein wollte wie Captain Kirk. Von der Mutti bekommt er eine knallgelbe Captain-Kirk-Jacke aus kratzender Schafwolle samt Mütze und Antennen als unpassendes Weihnachtsgeschenk gestrickt und die Schwerelosigkeit trainiert er einmal wöchentlich im Wasser der Badewanne. Er macht sich Gedanken, ob es besser für die Fische ist, mit oder gegen den Strom zu schwimmen. Gegen den Strom kommen sie zur Quelle und mit dem Strom ins Meer: "Dort ist es ja auch ganz schön."

Er ist auch nie gegen den Strom geschwommen. Waghubinger erzählt von der Zeit, als er als Kind auf dem Schrottplatz gespielt hat. "Im Vergleich zu dem, mit was die Kinder heute so spielen, war das damals gar nicht so schlecht".

Zwiegespräch mit Gott


Am Ende des Zweifelns über viele irdische und überirdische Instanzen trifft ihn ein Stromschlag aus dem Wasserkocher und er führt ein existenzielles Zwiegespräch mit Gott: "Es ist wie in der Beziehung, ich bin da, du bist da, wir wissen nicht warum, aber es muss mal was gewesen sein." Dem Publikum sagt er: "Sie sind da, ich bin da, irgendetwas muss gewesen sein". Dann wird die Bühne dunkel und der Kabarettist erhält den großen Applaus, den er sich redlich verdient hat.
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