Kabarett
Nils Heinrich im Schmidt-Haus

Nils Heinrich brilliert bei seinem Auftritt im Schmidt-Haus in Nabburg. Er befasst sich mit allerhand brisanten Themen. Bild: Stiegler
Kultur
Nabburg
22.01.2016
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Ins Waffengeschäft einsteigen, um Geld zu verdienen? Davon rät Nils Heinrich seinem Kumpel dringend ab. Klar, der Waffenmarkt boomt. Aber es gibt doch einen viel einfacheren und unkomplizierteren Erfolgsweg im selben Marktsegment.

Bei seinem Auftritt im Nabburger Schmidt-Haus am Donnerstagabend lüftet er im aktuellen Programm ""Mach doch'n Foto davon" das Geheimnis. Ständig würde man von den "bösen" Waffenherstellern hören, aber über die Munitionsfabrikanten spreche dagegen niemand. Das sei richtig entspannend, da müsse man sich auch nicht um Dinge wie Kundenservice kümmern.

"Da beschwert sich keiner, wenn ein Produkt kaputt ist", stellt Heinrich lapidar fest. Da brauche man keine Hotline und auch keinen Ökotest, der die Patronen auf eventuelle Weichmacher kontrolliere. Und dem Sohn zu Hause könne man dann auf Nachfrage ruhigen Gewissens erklären, dass man sich mit dieser Arbeit nicht die Finger schmutzig mache - denn schließlich stelle man ja keine Tintenpatronen her.

Auf Nachrichtendiät


Nicht vorbei kommt der gebürtige Sachsen-Anhalter an der Flüchtlingsthematik - auch wenn er es schon seit einiger Zeit vergeblich mit "Nachrichtendiät" versuche. Die aktuelle Flüchtlingswelle sei allerdings ein Vorgeschmack auf das, was in der Zukunft auf die Menschen zukomme. Bei dann geschätzten elf Milliarden Erdenbürgern und den negativen Folgen des Klimawandels werde es wohl eine Völkerwanderung in einem ganz anderen Ausmaß geben.

Nachdrücklich weißt Heinrich auch auf das Schauspiel hin, das seit einigen Monaten jeden Montag in Dresden geboten wird - nämlich Aufführungen von Max Frischs Meisterwerk "Biedermann und die Brandstifter". Der Kabarettist beleuchtet weiter die "Gutmenschen" und was es mit ihnen auf sich hat, kümmert sich nicht nur um die "Lügenpresse", sondern um öffentliche und offensichtliche Lügen im Allgemeinen ("Christlich Soziale Union - drei Lügen auf einmal").

Heinrich nimmt die Besucher aber auch mit ins Private zum eigenen Sohn, dem "rucksackgroßen Fleischklops", dem die Eltern schon in früher Kindheit vor Augen führen, welche Zumutungen ihn im späteren Leben erwarten - gerade auch angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Rentner steigen wird.

Mit Monologen, mit Liedern und mit niedergeschriebenen Geschichten begeistert Heinrich gute zwei Stunden lang mit viel Situationskomik und wortgewaltigen Episoden - da schlüpft er dann auch in die Rolle des "Revoluzzers", der sich am "My-Fest" reichlich verloren vorkommt und sich stattdessen an die Tradition des echten 1. Mai in Berlin erinnert.

Treffsichere Pointen


Oder er rappt gegen die Gentrifizierung und stimmt vielmehr das hohe Lied auf Bad Harzburg, den Inbegriff des ländlichen Lebens, an. Da, wo es "Coffee to stay" und "Bauer sucht Sau" gibt. In Rage redet und singt er sich beim Thema Amazon-Rezensionen ("Ich bewerte nicht, ich verurteile!"), beim Weihnachtsfest bei den Verwandten ("Der Fernseher groß, aber sonst nichts los") und auch beim Treffen mit dem "Backblech-Bachelor" und dessen angeschimmelten Backwaren.

Kluge Pointen, viel Ironie und gut dargebotene Lieder - das Publikum spart nicht Applaus und Lachern. Und nach Hause geht es dann mit einer musikhistorischen Belohnung - in zwei Jahren wird nämlich auch die NSA entschlüsselt haben, was Herbert Grönemeyer genau singt und damit sagen will.
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