Kabarettist Ludwig Müller begeistert in Nabburg mit Wortwitz und oberösterreichischem Charme
Wordaholic auf dem Weg des Han-Sai

Ludwig Müller ist ein Meister des pointierten Wortwitzes im Allgemeinen und des absurden Schüttelreims im Besonderen - ohne dabei in die Albernheit abzudriften. Bild: Otto
Kultur
Nabburg
30.11.2015
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Die Zuschauer zu Lachtränen gerührt, die Reime geschüttelt. Ludwig Müller ist ein Meister des Wortwitzes - ein Kabarett-Agent mit der Lizenz zum Absurden. Am Freitag mixte er im Nabburger Schmidt-Haus einen Cocktail aus trockenem Wortwitz, Pointen und oberösterreichischem Charme.

Was "Dichter Verkehr", so der Programm-Titel, so besonders macht: Statt nur Gag an Gag zu reihen, wirft Müller sein Alter Ego als 49-Jährigen in die bittere Realität des schwierigen Arbeitsmarktes - und erzählt die Geschichte des unaufhaltbaren Abstiegs eines Pharmareferenten.

Fette Jahre sind vorbei

Die fetten Jahren sind vorbei in der Branche. So verliert der erfolgreiche Pharmavertreter seinen Job - wegen eines Antikorruptionsgesetzes, aber nicht zuletzt, weil er die Reimwut des real existierenden Ludwig Müller teilt. Auf einem Kongress soll er für den kostenmäßig weggekürzten Alleinunterhalter einspringen. Der "Referenten-Rap" bricht ihm das Genick: "Hey Arzt, sei ka Depp / Listen to the message of the Referenten-Rap".

Gekündigt muss Müllers Kunstfigur feststellen, dass einen die Gesellschaft nicht auffängt. So habe er gesehen wie ein älterer Herr auf der Rolltreppe nach hinten umgekippt ist und die jungen Leute einfach auf die Seite getreten seien. "Hey Allderr, wir machen Rettungsgasse."

Nicht besser ist es um das soziale Netz für Altersarbeitslose bestellt, und so landet er in der Amtsstube eines drittzähnefletschenden Kärntners. Nach längerem Suchen in der Datenbank findet der Beamte doch noch eine Lösung: Selbstständigkeit. "Nicht jeder kann bis zum Angestellten aufsteigen, manche müssen die Drecksarbeit des Kleinunternehmers machen." So verschlägt es den "Wordaholic" als Moderator zum länderübergreifenden "Radio Innwelle" - erst einmal auf 400-Euro-Basis. Ausgehend von seinem neuen Arbeitsplatz am Mikrofon schickt Müller eine Handvoll Charaktere ins Rennen - skurril, überzeichnet und sehr genau beobachtet. Da ist Pater Korbinian, der jungen Paaren Lebenshilfe spendet: "Verliebtheit ist ein vorgezogener Waffenstillstand, um die Fortpflanzung nicht zu gefährden." Ein anderes Mal setzt Müller seinen Charakter in ein Motivationsseminar eines vormaligen Skirennläufers. Dort lernt er den Weg des "Han-Sai - vom Tiroler Ex-Ski-Halbstar Hansi".

Hassliebe auf der Spitze

Die ganz große Stärke Ludwig Müllers ist das Switchen zwischen unterschiedlichen Dialekten. Seine Durchsagen im Eurocity-Zug "www.pneumokokkenab50.at" zwischen Wien und München treiben die Hassliebe der zwei Nachbarstaaten auf die Spitze - "die Grenze im Kopf ist ja noch da". Immer wieder unterbrochen wird der Radiomoderator telefonisch von seiner Frau, die ihn nach wie vor in gehobener Stellung in der Pharmabranche vermutet.

Das Töchterlein braucht ein neues I-Phone, weil das alte für Selfies auf Dauer zu schwer wird. Und der Sohnemann zahlt vom Taschengeld eine Putzfrau, die sein Zimmer aufräumt. Irgendwann kommt "Schatzi" aber hinter das Doppelleben des Gatten mit Karriereknick. Die Besserverdienende ist denn auch die Retterin aus der prekären Lage.

Aber auch wenn die Schüttelreime mitunter albern sind: "Meine Versicherung ist so ein Scheißgrind, dass ich mich noch als Greis schind" oder "Ist des Bauern Ohr fort, dann ist der Landarzt vor Ort" - das Programm von Müller hat durchaus Tiefgang. Der Träger des Passauer Scharfrichterbeils punktet allerdings weniger mit parteipolitischer Kritik als vielmehr mit dem Spiegel, den er der Gesellschaft vor die Augen hält.
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