Kulturausschuss des Bezirks verteilt Geld
Kultur ist der Oberpfalz mehr wert

Bezirkstagspräsident Franz Löffler (links) und Kulturreferent Tobias Appl freuen sich über die bunte Oberpfälzer Kulturlandschaft. Bild: Herda
Kultur
Nabburg
06.07.2016
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Im Verhältnis zum Verwaltungshaushalt des Bezirks sind die Ausgaben für Kultur marginal: 94,53 Prozent von gut 408 Millionen Euro fließen allein in die Sozialhilfe. Dennoch sind auch die rund 3,3 Millionen Euro für die Oberpfälzer Kultur ein wichtiges, "identitätsstiftendes Instrument", wie es Bezirkstagspräsident Franz Löffler formuliert.

Neusath-Perschen. Karl Valentins Schnurre "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit", steht als Leitsatz auf einem Regal in der Kulturredaktion. Dass sie auch Geld kostet, möchten viele nicht wahrhaben. Die Erfahrung vieler Künstler: Öffentliche Auftraggeber, die buhlen, die Ausstellung von Bildern und Skulpturen im öffentlichen Raum sei doch eine schöne Werbung. Schon deshalb ist der Beitrag des Bezirks ein Signal: Die viele Kulturarbeit ist für die Oberpfalz ein geldwerter Vorteil.

Von Denkmal bis Zitter


Der größte Posten mit knapp 1,7 Millionen Euro bleibt dem Unterhalt des bezirkseigenen Freilandmuseums Neusath-Perschen vorbehalten. 1,1 Millionen Euro fließen in die Denkmalpflege, 700 000 Euro stehen den vielen Kleinprojekten von der Heimatbuchveröffentlichung bis zur Zittermusik zur Verfügung. "Diese Ausgaben blieben über die Jahre relativ stabil", sagt Finanzreferent Karl Hirsch, und Franz Löffler ergänzt: "Es sei denn, es werden größere Investitionen ins Museum fällig."

Für den Präsidenten ist sowohl die große Bandbreite der geförderten Projekte als auch eine halbwegs ausgeglichene Verteilung über die ganze Oberpfalz wichtig: "Jede Region schafft eigene Schwerpunkte", sagt Löffler, "Schwaben juckt die grenzübergreifende Zusammenarbeit nicht, und im Bayerischen Wald gibt es keine Schieferschindeln, die unter das neue Förderprogramm ,besondere Dachformen' fallen."

Apropos Dach: Die Förderkriterien seien keinesfalls beliebig oder nur dem kommunalpolitischen Proporz geschuldet: "Das Thema mit den Dachschindeln wurde immer öfter an mich herangetragen", sagt Kulturreferent Tobias Appl. "Viele Hausbesitzer sind nicht bereit, hohe Kosten für historische Schindeln zu tragen, ein Stück Heimat wäre verloren gegangen." Man habe in Abstimmung mit dem Amt für Denkmalpflege eine neue Förderrichtlinie erlassen.

Grundsätzlich fördert der Bezirk Einzelprojekte, die nur bei eigenen Beteiligungen, wie im Fall der Musikakademie Alteglofsheim, institutionell werden können. "Wir möchten uns vorbehalten, jedes Jahr neu zu prüfen, ob ein Projekt etwa auch eine überregionale Wirkung entfacht" - so geschehen bei der hohen und mehrjährigen Förderung des CeBB als bayerischer Partner der Kulturhauptstadt Pilsen 2015.

Bei der Kulturausschusssitzung am Dienstag arbeitete das Gremium routiniert 32 Tagesordnungspunkte ab. Darunter:

Kulturpreise des Bezirks: "Die zahlreichen, qualitativ hochwertigen Bewerbungen zeigen den Stellenwert des Preises", freut sich der Präsident besonders über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Oberpfalz. Das von einer Jury und einem Gremium der Fraktionsmitglieder vorgeschlagene Trio mit Manuela Daschner aus Zell (Wissenschaft/Aktionsradius der Herrschaft Falkenstein im ausgehenden 18. Jahrhundert), "Stimmwerck" aus Brennberg (Vokalensemble, Männerquartett, mit Konzerttätigkeit im In- und Ausland, Schwerpunkt alte Musik) und Rainer Christoph aus Altenstadt (Grenzüberschreitende Kulturarbeit, historischer Pilgerweg) wird einstimmig bestätigt - das Preisgeld beträgt je 3500 Euro.

Jugendkulturförderpreis: "Einen weitgefassten Kulturbegriff" habe man hier angelegt, sagt Kultur- und Heimatpfleger Johann Wax: Für die "intensive Auseinandersetzung" mit dem Tabuthema "Gewalt in Teenagerbeziehungen" wird die Neumarkter Maximilian-Kolbe-Schule im Bereich "Soziokultur" ausgezeichnet. Das Kurzfilmprojekt "Ich" der Regensburger "AAG-Pictures" gewinnt auf dem Feld "künstlerisch-ästhetisches Handeln". Und Preisträger in der gemischten Kategorie ist die zweiklassige Schule in Fischbach, wo Schüler den tristen Eingangsbereich selbstständig gestalteten.

Denkmalpreis: Der Kulturhistorische Verein engagiert sich als Träger für die sensible Sanierung des ehemaligen Konventgebäudes des Klosters Gnadenberg in der Nähe von Berg bei Neumarkt. Hier entstand ein Kulturzentrum mit hochwertigen Ausstellungen (Frühling bis Herbst).

Für Umbenennung des NordgautagesDass der Begriff Nordgau schon im 7. Jahrhundert den westlichen Teil der heutigen Oberpfalz beschrieb, ist kein Grund, das Fest immer noch so zu nennen: "Wir wollen die Oberpfalz präsentieren", benennt Bezirkstagspräsident Franz Löffler den Anachronismus, "warum sagen wir das nicht?" Der Waldmünchner hakte beim letzten Nordgautag in Neumarkt bewusst nach: "Neun von zehn haben keine schlüssige Antwort, was der Nordgautag ist", klagt der Chamer Landrat. "Ich halte nicht die Veranstaltung für schlecht, ganz im Gegenteil." Es sei aber an der Zeit, über eine Umbenennung nachzudenken. (jrh)
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