Lehrer vor neuen Herausforderungen
Schule mehr als ein Reparaturbetrieb

BLLV-Bezirksgeschäftsführerin Elisabeth Graßler (Fünfte von rechts), Kreisverbandsvorsitzender Michael Koppmann (rechts daneben) und sein Stellvertreter Edgar Hanner (Zweiter von rechts) zeichneten Mitglieder für langjährige Zugehörigkeit aus (von links): Anton Bauer, Alois Reis (beide 25 Jahre), Manfred Schwendner (50), Roswitha Sebald (40), Friedrich Namyslo, Richard Ammon (beide 50) und Hermann Kleber (60). Bild: ohr
Kultur
Nabburg
29.12.2015
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"Was war, was ist, was sein wird, was sein sollte". Dieser Leitgedanke zog sich bei der Jubilarehrung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnen-Kreisverbandes wie ein roter Faden durch die Aussagen. BLLV-Geschäftsführerin Elisabeth Graßler hielt Rückschau, beleuchtete kritisch die Gegenwart und richtete den Blick nach vorne.

Die Referentin blendete auf 1955 zurück - das Eintrittsjahr eines Geehrten - und erinnerte an die Folgen des Krieges, den Lehrermangel, die schlechte Besoldung und sich allmählich abzeichnende Erfolge: die Einführung der christlichen Gemeinschaftsschule 1969 und den Ausruf der Bildungsoffensive mit der Auflösung der einklassigen Schule. Seitdem habe sich die Welt rasant verändert. Der technische Fortschritt schreite voran. Immer neue Aufgaben und Informationen stürmen auf den modernen Menschen ein. Das Tempo nehme zu. Effektivität und Leistungsorientierung seien gefragt.

Zuwendung mit Grenzen


In diesem dynamischen Wandel spiele die Schule eine grundlegende Rolle. "Wir brauchen Menschen, die mit Neuerungen sicher, selbstbewusst und auch kritisch umgehen können", merkte die Sprecherin an. Ein hoher Bildungsstandard sei eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Lehrer müssten ihren Schülern Orientierung und Hilfestellung bieten können. Neue Aufgaben kämen der Schule zu als Reparaturbetrieb vieler gesellschaftlicher Probleme wie Umwelt, Medien, Drogen, Gesundheit, Inklusion und ganz aktuell Flüchtlingskinder. Bei ihrer Integration haben die Lehrer eine ganz entscheidende Schlüsselrolle - aber ohne Vernachlässigung der anderen Kinder.

"Sind die Schulen wirklich gut gerüstet?", wie Kultusminister Spaenle zu Beginn des Schuljahres verkündete, stellte die BLLV-Repräsentantin aus der Oberpfalz eine Frage in den Raum. Die Beschulung der Flüchtlingskinder bedinge hohe Belastungen, aber Chancen öffnen sich auch. Die Übergangsklassen seien aber meist hoffnungslos überfüllt. In Regelklassen stoße die dringend notwendige individuelle Zuwendung an ihre Grenzen.

In der Grundschule bestehe in diesem Jahr erstmals Volleinstellung. Mittelfristig sei der Stufenlehrer erforderlich, um auch sehr gute Lehrer anderer Schularten anstellen zu können. Ein Umdenken hielt sie für dringend erforderlich, um genügend motivierte junge Leute zu finden, die den anspruchsvollen Beruf in Grund- und Mittelschule ausüben wollen. Aufgrund der Notsituation sollte über die Anzahl der Projekte an den Schulen und die Aussetzung der Evaluierung nachgedacht werden, regte die Geschäftsführerin an.

Bildung hat ihren Preis


Probleme bereite in der Oberpfalz eine ungünstige Altersstruktur: viele ältere Kollegen, einige Junge, aber das Mittelfeld fehle. Die veränderte Schülerschaft, Disziplinprobleme und fehlende Erziehung machten die Arbeit immer schwieriger. Die Lehrer benötigten die Unterstützung der gesamten Gesellschaft - Anerkennung, nicht Vorwürfe. Die Schule, so Graßler in ihren weiteren Darlegungen, brauche Zeit für Bildung. Sie müsse sich dem ständig zunehmenden Zeitdruck entgegenstellen. Die Kinder brauchen Zeit zum Spielen, Ausprobieren, Begreifen, Lernen und Zeit für individuelle Förderung.

"Gute Bildung kostet etwas, erwirtschaftet aber langfristig gesehen hohe Renditen", resümierte die Rednerin. Mit fast 60 000 Mitgliedern gelte der BLLV als eine unübersehbare und unüberhörbare Größe - eine wichtige politische Stimme. Der Verband setze sich für eine gute Schule sowie für die vielfältigen Belange und Forderungen der Lehrer ein.

EhrungenDer Lehrerverband zeichnete aus: für 25-jährige Mitgliedschaft Barbara Herbst, Alois Reis und Anton Bauer; für 40 Jahre Margit Lohmann und Roswitha Sebald, für 50 Jahre Richard Ammon, Friedrich Namyslo und Manfred Schwendner, für 60 Jahre Hermann Kleber und für 65 Jahre Marianne Bauer. (ohr)
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