Michael Fitz singt im Nabburger Schmidt-Haus mit viel Witz vom Alltags-Wahnsinn
Songpoet mit "Gfui"

Songpoet Michael Fitz sorgte am vergangenen Wochenende für Begeisterung und zweimal volles Haus in Nabburg. Bild: Stiegler
Kultur
Nabburg
16.11.2015
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Etwas kokettiert er schon damit, dass er vielleicht nicht dem Bild eines "klassischen" Liedermachers entspricht und dass seine Texte keine formvollendete Gesellschafts- und Politikkritik darstellen. Michael Fitz ist eben - am vergangenen Freitag und Samstag im Nabburger Schmidt-Haus unüberhörbar - ein Liedermacher der besonderen Sorte.

Natürlich ist auch er älter geworden, am Freitag, seinem Geburtstag, sogar nochmal ein Jahr, jetzt steht dort die 57. Und trotzdem: Die Rolle des Berufsjugendlichen und Obercoolen, die er eineinhalb Jahrzehnte als Kommissar Carlo Menzinger im München-Tatort verkörpert hat, wird Michael Fitz nicht los. Denn so wirkt er heute noch, wenn er auf dem erhöhten Hocker der Bühne im Schmidt-Haus sitzt, eben ein bisschen hemdsärmelig, mit Sieben-Tage-Bart und verwuschelten Haare.

Neben ihm auf der Bühne sind fünf Gitarren akkurat angerichtet, die allesamt mehrmals zum Einsatz kommen, alles gepaart mit einer Stimme, die einfach sitzt. Es ist also nicht das große politische Einmaleins, das sich Fitz in seinen Liedern vornimmt, sondern das "Gfui" - also die Liebe (natürlich!), die Angst, die Feigheit, das Verantwortungsgefühl und noch Vieles mehr. So beschreibt der Songpoet in "Hinter meiner Stirn" die nur schwer zu entwirrenden Gedankengänge, die in seinem Gehirn ablaufen. Oder er besingt die Gnade des Vergessens, die ab einem bestimmten Alter einsetzt ("Weiß nicht mehr"). Doch er vergisst die Lebensabschnitts-Langzeitgefährtin nicht und fragt sie musikalisch "Wuist du mi no?" Mal in Mundart, mal hochdeutsch - je nachdem, wie sich das "Gfui" besser ausdrücken lässt, lässt Fitz die Gitarre und seine Stimme verschmelzen, die Texte auch mal augenzwinkernd, aber immer ganz nah am echten Leben. Zwischen den einzelnen Liedern, während des Gitarre-Stimmens, erzählt Fitz über die Lieder und wie sie entstanden sind. Immer wieder lässt der Liedermacher die Zuhörer auch tief ins eigene Innere blicken: Er singt über den "Schleudersitz", in der es - klar - um eine Beziehung geht, in der aber der Fallschirm für den Schleudersitz schon lange nicht mehr da ist.

Ein anderes Lied hat Fitz "Erfolg" genannt, das sich an all die "durchgeknallten Investmentbanker" richtet. "Die waren aber wahrscheinlich noch nicht auf einem meiner Konzert", erzählt er - verbunden mit der Aussicht, dass vielleicht bei seinem Auftritt in Frankfurt im nächsten Jahr einige anwesend sein werden. Ein Lied charakterisiert Fitz dann doch als "Protestsong" und greift sich dafür den Hunger in der Welt heraus: Da er das Hunger-Gefühl - da ist es wieder, das "Gfui" - aber nicht kenne, singt er übers Sattsein - und nennt das Lied "Hunger".

Die besten Stücke des Abends hebt sich Fitz - so sollte es ja auch sein - für die Zugaben auf. Da geht es dann darum, was mit 120 Kilo blauer Farbe passieren kann, wenn es plötzlich zu regnen anfängt. Und es dreht sich um den von den Maya prophezeiten Weltuntergang, der bekanntlich trotzdem ausgefallen ist. Fitz singt mit viel Witz vom Alltags-Wahnsinn in der Familie und stellt fest: "Da ist relativ oft Weltuntergang, so alle zwei Wochen." Alles andere als Weltuntergangsstimmung dann beim kräftigen Schlussapplaus!
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