Mit Schüttelreimen und Wortwitz: Ludwig Müller ebnet "Dönermonarchie" den Weg
Liebeserklärung an kunterbunte Gesellschaft

Ludwig Müller (47) mag eine Multi-Kulti-Gesellschaft. Im Schmidt-Haus warb er für eine "Dönermonarchie" in Österreich. Bild: Amann
Kultur
Nabburg
18.11.2013
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Ein Vielvölkerstaat war Österreich ja auch schon zu Lebzeiten von Franz und Sissi. Und da funktionierte eine von der "Toleranz" der Habsburger geprägte Monarchie, blendet Ludwig Müller zurück. Also, warum dem gesellschaftlichen Wandel heutzutage nicht mit einer ähnlichen Staatsform begegnen? Eine "Dönermonarchie mit Mischkulanz" propagiert der österreichische Kabarettist für sein Heimatland in einer sogenannten "Austrospektive", mit der er am Freitag das Schmidt-Haus-Publikum köstlich amüsierte.

Müller lebt in seinem Programm als Fremdsprachengelehrter am Brunnenmarkt in Ottakring, einem Wiener Multi-Kulti-Viertel. Er logiert in einem Mehrfamilien-Hochhaus unter einem Dach mit Leuten, die aus Tschechien, Ungarn, Kroatien, Rumänien, Tirol und Franken sowie aus der Türkei abstammen. Die adelige Eigentümerin des ehrenwerten Hauses möchte die "Tschuschen" herausfiltern und loswerden, beauftragt ihn deshalb mit Expertisen über seine Mitbewohner, während er gerade eigentlich einen dreisprachigen Lyrik-Wettbewerb für die Raiffeisenkasse seines Heimatortes zu organisieren hätte.
Diesen Stoff nimmt Ludwig Müller, um multi-lingual zu kalauern und als Meister der Sprache ein leidenschaftliches und zugleich unterhaltsames Plädoyer für das friedliche, ja glückliche Zusammenleben verschiedenster Nationalitäten zu halten. Der ausgebildete Jurist und mit viel Wortwitz ("Wer zwei linke Hände hat, sollte lieber die Rechte studieren") ausgestattete Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Schüttelreime mit Sitz in Vaduz liefert am laufenden Band Beweise dafür, dass er dieses Stilmittel in allen Lebenslagen beherrscht. Kostprobe: "Sind zu viel Hühner am Hänger, wird es für den Hahn umso enger." Er nutzt es, um mit schier unerschöpflichem Humor die Eigenheiten der von ihm beschriebenen, unterschiedlichsten Charaktere herauszuarbeiten.

Sein Programm endet mit einem neuen Text auf die Nationalhymne. Ihn "singt" die ehrwürdige Freifrau, die eigentlich die Billigmieter "ausvakuumieren" wollte, dann aber einsehen muss: Die Neuauflage der Donaumonarchie kommt unaufhaltsam - lediglich mit einer anderen nationalen Zusammensetzung.
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