Musiker Simon Eickhoff und Jan Traphan im Schmid-Haus: Lieder über Internet, Religion und Mozart
Mama kocht wieder mit LSD

Die Lieder von Simon Eickhoff (links) und Jan Traphan sind direkt, aber nie ein Schlag unter die Gürtellinie. Bild: kbw
Kultur
Nabburg
09.06.2016
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Was ist denn da los? Ein bürgerliches Publikum zwischen 17 und 70 singt vergnügt im Chor von "Titten und Ärschen", trällert "Krawall und Remmidemmi" und findet Unsägliches "leider geil".

Vorab: Das Konzert von Simon und Jan "Ach Mensch" im voll besetzten Schmidt-Haus ist keinesfalls vulgär oder driftet unter die Gürtellinie ab. Die beiden Oldenburger faszinieren ganz einfach ihre Zuhörer vom ersten Song an und ziehen diese den ganzen Abend lang in ihren Bann.

Nicht einzuordnen


Mit Simon Eickhoff und Jan Traphan haben sich exzellente Musiker gefunden, die grandios aufeinander eingespielt sind und einen ureigenen Stil entwickelt haben, der sich nicht in gängige Schemata einordnen lässt. Leise, ja sanfte harmonischste Töne mit perfektem Gitarrespiel treffen auf schelmisch-phantasiereiche, freche Texte, in denen sich die beiden so ihre speziellen Gedanken über unsere Welt machen.

"Karnickelkotzen" ironisiert die Vereinsamung per Internet, der "Apple "makes my day - hey!" "Herzilein" rechnet gnadenlos mit dem Musikantenstadl, dessen Protagonisten und Publikum ab. In "Verwählt" suchen sie nach der richtigen Entscheidung für so manche Lebenslage, scheitern dabei konsequent immer. Man erfährt, dass sich Mozart gegen den Willen seines Vaters schließlich gegen Klavier und für E-Gitarre entschieden hat.

Sie machen aber auch nachdenklich, holen ihr Publikum mit Betrachtungen und eigenen Erfahrungen in Sachen Religion oder der "Apokalypse" von Wolke Sieben herunter. Dann wird es still im engen Gewölbe. Doch Jan, genialer norddeutsch-minimalistischer Conferencier des Abends, schafft blitzschnell wieder Hochstimmung. "Die Leute sagen immer zu uns: 'Mensch seid doch nicht immer so verkopft, spielt was Schönes'."

Viele Facetten


Und dann kocht die Mama wieder mit LSD, es gibt "Titten und Ärsche, Krawall und Remmidemmi" und interessante Erkenntnisse über den beruflichen Werdegang vieler Promis aus dem Showbusiness. Heino war Konditormeister, Bushido Maler und Lackierer, Oliver Pocher Versicherungskaufmann. Simon und Jan haben Gott sei Dank nie ihre Stellen als Lehrer angetreten und bleiben so den Bühnen der Republik erhalten.

Simon und Jan, sympathisch, kurios, besonders, hochmusikalisch, böse, harmonisch, entwaffnend, zartbesaitet, ganz einfach "in vollen Zügen genießen".
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