Pfarrer brauchen die Ruhestandsgeistlichen

Kultur
Nabburg
24.12.2015
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Wenn die Hektik abnimmt und Ruhe sich breit macht, beginnt für die Seelsorger der "Weihnachtsstress". So möchte es Dekan Michael Hoch, Priester der Pfarrei Dürnsricht-Wolfring, nicht verstanden wissen. Er freut sich auf das Fest und volle Kirchen. Der 38-Jährige sagt: "Jedes Weihnachten ist anders."

Fensterbach/Nabburg. "Auch wenn man meint, es ist immer das Gleiche, jedes Weihnachten hat eine andere Note, einen anderen Klang, eine andere Farbe, das hängt schon von der Stimmung ab, die man selber mitbringt", sagt der Nabburger Dekan. Hinzu kämen Ereignisse im unmittelbaren oder ferneren Umfeld. Er führt ein unvergessliches Beispiel aus seiner Kaplanzeit an: "Ein Jugendlicher aus der Pfarrei ist in der Nacht zum 24. Dezember tödlich verunglückt. Das war eine Christmette unter anderen Vorzeichen."

Ohne Hilfe gehts nicht


Der Dekan spricht von einem straffen Programm für die Priester und ist für die vielen Ruhestandspfarrer dankbar. "Ohne die Ruheständler im Dekanat Nabburg gäbe es ein geringeres Gottesdienstangebot. Es gibt mehr Ruheständler im Dekanat als amtierende Pfarrer." Ausgestattet mit drei Ruhestandspfarrern gehören die Ortskirchen in Dürnsricht, Wolfring und Högling sowie die Kapellen in Knölling und Wohlfest zu seiner eigenen Pfarrei. Er verweist auf seinen Amtsbruder Walter Hofmann in Kemnath bei Fuhrn, dessen Pfarreiengemeinschaft gar von Taxöldern bis Altfalter reicht.

Hoch hat am Heiligen Abend zwei Termine, die Kinderchristmette und die Christmette am Abend. Die Seniorenmette in Högling sowie die Christmette in Wolfring übernehmen zwei Ruhestandspfarrer, so dass die Bewohner aller größeren Orte "ihre Messe" feiern können. Ihm bleibt noch Zeit für Privates. "Meine Eltern kommen nachmittags. Die Plätzchen von der Mutter gehören zu Weihnachten dazu." Nach der Christmette wird auf dem Kirchplatz Glühwein ausgeschenkt, die Blaskapelle spielt. Das sei für ihn ein schöner Ausklang, und es werde Zeit sich zurückzuziehen, denn am ersten Weihnachtsfeiertag beginnt die Weihnachtsmesse mit Chor um 8.30 Uhr in Wolfring. Danach folgt der Stephanustag, der Sonntag und dann - gönnt sich der Pfarrer vor Jahresschluss und Neujahr zwei Tage um seine Eltern in Straubing zu besuchen.

Die große Kunst


Hoch spricht von Freiräumen, die er sich schaffe und gestalte, das ist "die Kunst, damit Weihnachten nicht zum Stress wird". Im Advent nehme er sich zwischen den vielen Terminen immer wieder Zeit fürs Gebet, gleichzeitig möchte er die Stunden bei den Adventsfeiern mit Plätzchen, Stollen und Glühwein nicht missen. Da bleibe eben weniger Luft für Sport. Er schwinge sich mal auf den Heimtrainer, ansonsten fahre er lieber in freier Natur Rad , "aber nur zum Spaß".

Nervös macht ihn das Weihnachtsfest mit den wichtigen Gottesdiensten nicht mehr. Bei dem 38-Jährigen, der seit sieben Jahren als Seelsorger in dieser Pfarrei tätig ist, ist eine gewisse Routine eingekehrt - im positiven Sinne. "Wenn man selber mit feiern will, tut die Routine gut. Die braucht man sogar." Gut tun ihm auch die vollen Gotteshäuser. Er kann sich der bisweilen vorgebrachten Schelte, dass viele Katholiken nur an Weihnachten in die Kirche gingen, nicht anschließen. "Das zeigt doch, dass das Gespür für Weihnachten und das Geschehen in der Heiligen Nacht noch da ist." Was er den Gläubigen heuer mit auf den Weg geben will, steht in Bezug zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit.
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