Stephan Zinner spricht und singt im Schmidt-Haus in Nabburg über den ganz normalen Wahnsinn
Gemütlich durch diese wilden Zeiten

Ärger und Rechthaberei schlagen sich aufs Gemüt: Stephan Zinner gab sich bei seinem Auftritt in Nabburg gelassen. Bild: Wolke
Kultur
Nabburg
10.11.2014
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Man merkt es Stephan Zinner an: Er hat sich abgefunden. Abgefunden mit seinem Leben als angefochtenes Oberhaupt der Familie Zinner. Und mit einem Dasein als Bayer unter Bayern. So schlecht scheint es ihm damit aber nicht zu gehen. Stramm und stattlich, man möchte sagen "rundum zufrieden", betritt Stephan Zinner die Bühne im Schmidt-Haus in Nabburg. In bayerischem Dialekt und untermalt von gemütlichem Gitarrengroove wird sich der Kabarettist beim Publikum knappe zwei Stunden lang aussprechen.

Aus dem Nähkästchen

Natürlich steht dabei von vornherein fest: Es wird einiges geben zum Jammern und zum Lamentieren. Schließlich plaudert Zinner mit Vorliebe aus dem persönlichen Nähkästchen. Und das heißt bei ihm vor allem aus dem Familienleben. Aber wenn schon seine Frau und Kinder ihn bei der Entscheidung über Freizeitaktivitäten regelmäßig außen vor lassen, seine Gattin sich nicht an vereinbarte Zeitpläne halten kann und sein pubertierender Sohn den Campingurlaub in Italien wenig zu schätzen weiß: Irgendwo muss man ja schließlich sein Herz ausschütten.

Stephan Zinner wendet sich dabei an seine Zuhörerschaft. Und zwar in kameradschaftlich-persönlichem Stil. Einwürfe aus dem Publikum werden bei ihm gerne aufgenommen. Manches, was er im plaudernden Austausch erfährt, will er sich merken. Die Kelheimer Autonummer steht für "kein eigenes Hirn"? "Des muss i mir aufschreiben." Zinner ist drauf und dran, die Gitarre wegzulegen und zum Stift zu greifen.

Ja, er muss sich schon manchmal wundern. Nicht nur über gewisse Autofahrer, die es eiliger zu haben scheinen als andere. Über Schwimmer, die im Hallenbad ihre eigene Bahn belegen. Oder über Abgründe des menschlichen Charakters, die sich in der Bäckerschlange offenbaren. "Beim Einkaufen und beim Autofahren, da merkst wia die Leit drauf sind", Stephan Zinner weiß es längst.

Mit einem Augenzwinkern

Der Ärger darüber ist bei ihm einer milden aber stetigen Verwunderung gewichen. "Nachgeben" lautet auch das Motto einer der musikalischen Einlagen, die Zinner in Nabburg zum Besten gibt. "Immer nur recht haben wollen, hey, des schlägt doch extrem auf's Gemüt." Man nimmt ihm das ab, wenn er vorne auf der Bühne sitzt und die Welt mit einem Augenzwinkern betrachtet.

Klar, es sind "wilde Zeiten", in denen wir leben. So hat Stephan Zinner auch sein aktuelles Programm betitelt. Und manchmal träumt der Kabarettist selbst von Superkräften, von einem Ausbrechen aus den Schranken des Gartenzauns. Letztendlich aber hat er es sich gemütlich eingerichtet. "Die Leute kommen mir vor wie ein Schnellkochtopf ohne Ventil", sinniert Zinner über manche Zeitgenossen. Er selbst geht mit einem ruhigen Groove durchs Leben. Und wenn er mal was loswerden will, dann lamentiert er halt beim Publikum.
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