thomas Schreckenberger im Schmidt-Haus
„Ich bin so wild nach Deinem Napfkuchen“

Der Kabarettist Thomas Schreckenberger ist besonders stark, wenn er andere imitiert. Sein wild um sich schreiender Klaus Kinski mit dem irren Blick ist Weltklasse. Bild: otj
Kultur
Nabburg
29.02.2016
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Von Jörg Otto

Nabburg. Vertrauen ist gut, Satire ist besser - so könnte man die Idee hinter Thomas Schreckenbergers neuem Programm erklären. Mit "Ene, mene, muh - wem traust du?" stellt er am Samstag im Nabburger Schmidt-Haus die Vertrauensfrage. Pointiert, mitunter böse, immer wieder schreiend komisch und manchmal Weltklasse.

Schreckenberger ist ein moderner Kabarettist und scheut sich nicht, auch Comedy-Elemente in sein Programm zu integrieren. So greift er das Titelthema in seinem ganz privaten Umfeld auf. Er sei viel unterwegs, seine Frau frage schon ab und an, ob er Frauen kennen gelernt hätte. Seine Antwort: "Dazu möchte ich mich nicht äußern. Teile meiner Antwort könnten dich verunsichern."

Gender-Gerechtigkeit


Überhaupt müsse man aufpassen, was man sage. "Zum Beispiel, wenn man sagt, "Schatz, bring mal den Müll raus. Ist da ein Müllbeutel in der Nähe - kein Problem. Ist aber ein leicht dicklicher FDP-Politiker, sieht das schon wieder anders aus." So reiht er Gag an Gag, die Dichte der Lacher ist extrem hoch. Da geht es um Gender-Gerechtigkeit und wie man einen Single politisch korrekt nennt: "Das ist heute ein Mensch mit Masturbationshintergrund." Auf nichts sei mehr Verlass, ätzt der Schwabe. VW, der DFB und selbst die Wurst. "Die ist fast so gefährlich, wie rauchen. Es gibt sogar ein Krankheitsbild. Die Metzgerlunge."

Wenn es um das Thema Vertrauen geht, dürfen natürlich die Politiker nicht fehlen. Die SPD sei bankrott, Gabriel im wahrsten Sinne des Wortes Konkursmasse. Oder Nahles mit dem Charme einer klinischen Depression: "Da sind Exhibitionisten besser angezogen."

Brillant imitiert


Brillant wird Schreckenberger, wenn er seine Qualitäten als Imitator in den Ring wirft. So bekommt das Publikum eine Kostprobe der Anrufbeantworter von Merkel, von der Leyen, Kretschman oder Oettinger: "You can hinterleave me a message." Weltklasse auch Schreckenbergers Idee, Klaus Kinskis Geist von Angela Merkels Körper Besitz ergreifen zu lassen. Wild pöbelnd mit irrem Blick beschimpft er das Kabinett. Nur die Backkünste von Ursula von der Leyen können Kinskis Wahn ein wenig sedieren: "Ursula, ich bin so wild nach deinem Napfkuchen."

Schreckenberger ist unglaublich wandlungsfähig: Seine Figur der alternden Unternehmenserbin und Lobbyistin lässt er über gekaufte Politiker referieren. Gerade bei Grünenpolitikern sollte man aufpassen, ob drauf steht "Kann Spuren von Gewissen enthalten."

Politiker überhaupt: Jeder bekommt ein Bonmot um die Ohren. Niebel beispielsweise, ein Blindgänger als Rüstungslobbyist. Oder Politiker in Talkshows. Auf einmal gebe es immer mehr Nahostexperten, aber immer weniger Lösungen: "Bei dem Krankheitsbild spricht man von Morbus Scholl-Latour."

Illustre Männerrunde


Die Flüchtlingskrise behandelt bei Schreckenberger eine illustre Männerrunde um den Bundespräsidenten. Für Udo Lindenberg ist eh alles groovy: "Ich mag Muslime total gerne. Die trinken mir den Schnaps nicht weg." Till Schweiger will alle Sachsen ausweisen oder irgendwas in die Luft sprengen. Calli Calmund spendet sein halbes Frühstück. "Da essen die heute noch dran." Und Gauck? Er würde ja gerne Flüchtlinge zu Hause aufnehmen, aber da sei kein Platz, "wegen meines Egos".
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