Zwei Ausstellungen in der Remise
Kleinodien im Schatzkästchen

Ausstellungen von Günter Moser (links) und Franz Grundler sind derzeit in der Remise zu sehen. Bild: bre
Kultur
Nabburg
12.07.2016
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Wissenschaftsbetrieb und Kulturträger sprechen gern von Leuchttürmen, die das Bayernland braucht. Geht man dem Wort auf die Spur, findet man bemerkenswerte Kleinodien, schmuck in der Nabburger Remise aufgehoben und rege beachtet.

Zur Vernissage von Franz Grundler und Günter Moser kamen auch Bürgermeister Armin Schärtl, Dietmar Spörl, Professor für Design und Medien, sowie über 35 Interessierte in die Remise, um zwei unterschiedliche Werke und Künstler zu erleben, die freundschaftlich und heimatverbunden aus dem gleichen "Nabburger Holz" geschnitzt sind.

Die "Waldbuckelwelten " von Günter Moser zeigen fotografierte "Landschafts- und Lichtmalerei", wie sie Franz Grundler - der Betreiber des "Schatzkästchens" Remise - bezeichnete. Günter Moser erlebt die Heimat, in der seine Großmutter ihn und seine Geschwister mit kargen Mahlzeiten bewirtete. Seine Generation hat die schweren Zeiten noch erlebt, in denen Erdäpfel und gestöckelte Milch die Mahlzeiten waren, die man dem kargen Land mit sechs Kühen und ein paar Sauen abgerungen hat. Seine Großmutter, erzählte Günter Moser, sei 89 Jahre alt geworden, war nie krank und starb im Wald beim Holzmachen. Ähnlich eisern hat Günter Moser seine Bilder der Landschaft abgerungen. Er hat in Schneelöchern biwakiert, um den Stein, den Tann, die Seen und Waldbäche aus diesem Licht zu holen und sie zu einem Werk zu machen, dauerhaft wie Granit.

Auf der Spur der Hussiten


Franz Grundler ist 22 Jahre seines Lebens der Spur der Hussiten nachgegangen und hat sie zu Theaterstücken ("Ach Hus") und historisch kritisch zur Ausstellung "Hussitica" verarbeitet. Als Jan Hus aus Böhmen 1415 auf dem Konzil zu Konstanz trotz freien kaiserlichen Geleits als Häretiker hingerichtet wurde, war dies das Fanal für die tschechische Unterschicht, die deutschsprachige herrschende Klasse in blutigen Kämpfen abzuschütteln. Mehrere Kreuzzüge halfen nicht, die Herrschaft zurück zu gewinnen. Die Kriege endeten erst, als sich Kaiser und Papst mit den gemäßigten Aufständischen einigten und ihren Forderungen nachgaben.

Die Oberpfälzer wurden damals wiederholt von der marodierenden Soldateska heimgesucht und haben das Wort "Hustata" aufgehoben, mit der heute noch die Treiber auf der Jagd das Wild aus ihren Verstecken schrecken. So entstand die tschechische Nation, wo der 6. Juli Nationalfeiertag ist, der Tag, an dem Jan Hus starb.

Heute kann Franz Grundler auf die Initiativen und friedlichen Begegnungen mit den tschechischen Nachbarn bauen. Begegnungen, die von Anerkennung und Unterstützung getragen sind, frei von Ressentiments. Es ist, als würde das Ausstellungstück "Sermo de Pace" (Rede vom Frieden) von Hus, der auf dem Konzil vor 600 Jahren nicht gehalten werden durfte, heute vernommen.

Die Doppelausstellung ist noch am Mittelaltermarkt ganztägig ab 10 Uhr geöffnet. Interessierte sind eingeladen, der Eintritt ist frei.
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