Aus Schwachpunkten lernen

Bei Hochwasser ist die Ortschaft Haindorf meist abgeschnitten. Da wird dann auch schon mal mit dem Boot übergesetzt. Archivbild: Völkl
Lokales
Nabburg
30.10.2014
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Behörden haben ihre eigene Sprache: Das Wasserwirtschaftsamt Weiden ist in den Rathäusern des Landkreises zu Gast, um gemeinsam mit den Kommunen die Hochwasserrisiko-Managementrichtlinie umzusetzen. Einfach ausgedrückt bedeutet dies: Wie kann in der Stadt vorgesorgt und der Gefahr begegnet werden?

Am runden Tisch beschäftigten sich die Experten vier Stunden mit der Thematik. Die Regie hatte das Wasserwirtschaftsamt Weiden, vertreten durch den Sachgebietsleiter Wasserbau im Landkreis Schwandorf, Christian Götz und Projektleiter Peter Fröhlich. Vom Landratsamt war Gerhard Blank gekommen, von Stadtseite hatten Bürgermeister Armin Schärtl, Bauhofleiter Rudolf Scharf, Klärwärter Richard Schopper und Amtsleiter Christian Wirth Platz genommen. Wasserwacht, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk waren ebenso vertreten.

Vorbeugen und handeln

Der gesetzliche Auftrag kommt von "Europa". Der große Überbegriff: Umsetzung der europäischen Wasserrichtlinie. Christian Götz erläuterte, um was es geht. Bei Hochwasser ist die Kommune erster Ansprechpartner vor Ort - zum einen, wenn es um Vorsorge geht, zum anderen, um Gefahrenlagen in den Griff zu bekommen und schließlich auch bei den "Restrisiko-Betrachtungen", wenn Schutzeinrichtungen nicht mehr ausreichen. "Hier haben uns die Hochwasserereignisse des Sommers 2013 leidvoll die Schwachpunkte aufgezeigt", so Götz. "Es gilt Maßnahmen abzuleiten, die im Idealfall vorbeugend wirken, die uns aber auch im Katastrophenfall das Rüstzeug geben, mit den auftretenden Problemen effektiv umzugehen".

Die Wasserwirtschaftsverwaltung hat in den letzten Monaten Hochwassergefahren- und -Risikokarten gefertigt, welche die Knackpunkte vor Ort visualisieren. Um das Ganze in einen lokalen Managementplan umzusetzen, müssen die Beteiligten Hand in Hand arbeiten. Das Wasserwirtschaftsamt Weiden und der Landkreis Schwandorf sowie die jeweilige Kommune sind nun dabei, gemeinsam auf lokaler Ebene die Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten systematisch auszuwerten. Christian Götz setzt dabei auf Ortskenntnisse und kommunales Fachwissen: Dadurch kann ein realitätsnahes Maßnahmenkonzept entstehen.

Nabburger Brennpunkte

In Nabburg saßen denn auch die einschlägigen Fachleute an einem Tisch, als es "ums Eingemachte" ging. Die Wasserwirtschaftler unterteilen die Handlungsfelder in Mensch, Umwelt, Wirtschaft und Kulturgut. Da geht es beispielsweise darum, wie verfahren wird, wenn im Ortsteil Haindorf die Menschen abgeschnitten sind: Wie kommen sie ins und aus dem Dorf? Thema Umwelt: Wo lagern wassergefährdende Stoffe, wo Gülle? Aspekt Wirtschaft: Wo sind Gewerbebetriebe mit teuren Maschinen - beispielsweise Rübig-Kennametal an der alten Naab - die gesichert werden müssen? Wie sieht es mit der Rettungswache an der Naab aus? Schließlich sind auch noch Kulturgüter wie die Nikolauskirche zu schützen.

In der Aufstellung kristallisierten sich die Objekte heraus, die bei einem regelmäßigem, einem Hundertjährigen und einem extremen Hochwasser betroffen wären. Daraus entsteht ein Leitfaden - sowohl für die Hilfsorganisationen als auch für die mittelfristige Stadtentwicklung.
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