Ausgeruht den Turbo zünden

Die Jungs des "Neidaffer Plattlclubs" verschonten niemandem. Bei ihrem Auftritt mussten auch Fanclub-Vorsitzender Bernd Hofmann (rechts), Landrat Thomas Ebeling (Zweiter von links) und Bayern-Star Kingsley Coman (Dritter von rechts) mitmachen. Bild: Baehnisch
Lokales
Nabburg
29.11.2015
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Auf dem Platz bekommen die Gegenspieler Kingsley Coman meist nur kurz zu sehen, wenn er im Raketentempo an ihnen vorbeizischt. Da hatten es die Mitglieder des Nabburger Bayern-Fanclubs schon besser. Für sie nahm er sich am Sonntagnachmittag viel Zeit. Vielleicht auch, weil er es in seiner Freizeit eher gemütlich mag.

Jedes Jahr schwärmen die Bayern-Stars aus, und statten den Fanclubs einen Weihnachtsbesuch ab. Der französische Nationalspieler Coman kam in die Nordgauhalle zum Fanclub Nabburg/Oberpfalz. Rund 750 Mitglieder erwarteten ihn, zur Begrüßung spielte die Jugendblaskapelle Nabburg.

Für Coman war diese Erfahrung neu. Deshalb holte er sich im vorab auch Tipps von seinem Kumpel Franck Ribéry, wie er verriet. Ob der ihm auch verraten hat, dass er eventuell Schuhplattln muss? Wohl eher nicht. Denn bei einem Auftritt des "Neidaffer Plattlclubs" musste er mit Burschen in Lederhosen einen Tanz aufführen. Coman hielt sich eher zurück. Auf dem Fußballplatz fühlt er sich sichtlich wohler.

Ribéry-Biograf übersetzt

Dafür erfüllte er geduldig die vielen Autogramm- und Selfie-Wünsche der Fans. Und von der bayerischen Kultur ist er eigentlich auch angetan. "Die Küche ist gut." Lederhosen findet er, nachdem er selbst in eine geschlüpft ist, auch nicht mehr "komisch". Im Gegenteil. Sie gefallen ihm. Solche Dinge verriet er während einer Fragerunde - in seiner Muttersprache. Als Übersetzer war Alexis Menuge dabei, der unter anderem für die französische Zeitung "L'Équipe" schreibt und eine Ribéry-Biografie veröffentlicht hat.

Den ersten Satz an diesem Nachmittag sagt er allerdings auf Deutsch: "Hallo, ich bin sehr glücklisch, hier zu sein." Chapeau, denkt sich wohl der Fanclub-Vorsitzende Bernd Hofmann, der zugeben muss: "Er kann schon besser Deutsch, als ich Französisch." So ähnlich äußert sich auch Landrat Thomas Ebeling, der den 19-jährigen Kicker in seiner Landessprache begrüßte und hinterher schob: "Das habe ich zwei Wochen auswendig gelernt." Dabei flunkert der Landrat aber wohl. Denn auch später, als er ihm eine Frage stellt, tut er das auf Französisch.

Apropos Landrat. Der hat eine Glücksbringer-Funktion für die Bayern, hieß es. Als waschechter Bayern-Anhänger besitzt er eine Dauerkarte in der Nordkurve der Allianz-Arena. Fanclub-Vorsitzender Hofmann machte das als Grund aus, wieso auf dieser Seite des Stadions mehr Tore für den Rekordmeister fallen. Und wenn Coman künftig einnetzt, dann dürfen sich die Nabburger doppelt freuen. Denn seit Sonntag ist der Franzose das 5123. Mitglied im Fanclub. Ehrenmitglied natürlich. Damit befindet er sich in guter Gesellschaft. Auch Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Raimond Aumann haben bei Hofmanns Fanclub denselben Status.

"Ich bin ein Gewinner"

Ansonsten präsentierte sich Coman selbstbewusst. So einem darf man dann auch schon mal mit einem Imitat des Champions-League-Pokals posieren lassen. Wenn es nach Bernd Hofmann geht, dann sollte er natürlich baldmöglichst das Original in die Höhe stemmen: "Bei Juve hast du die Gesellenprüfung gemacht, hier kannst du die Meisterprüfung machen." Vonseiten Comans spricht nichts dagegen. Er wolle lang bleiben und könne sich eine ähnliche Karriere wie Ribéry bei Bayern vorstellen.

Außerdem sagte er: "Ich bin ein Kämpfer und Gewinner." Einer, der es sonst aber eher ruhig angeht. In seiner Freizeit guckt er am liebsten Serien. Nach der Fußballkarriere schwebt ihm ein Sabbatjahr vor. Außerdem kündigte Coman an: "Ich will dann vor allem viel schlafen." Eine Ausbildung zum Trainer hat er auch schon begonnen - auf der Spielkonsole. Das ist Comans entspannte Seite. Jene, von der sich die Nabburger rund drei Stunden einen Eindruck machen durften. Nächsten Samstag könnte er allerdings wieder, ausgeruht nach einer Woche Spielpause, den Turbo zünden und seine Gegner schwindelig spielen.
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