Bauern an ihren Grenzen

BBV-Kreisobmann Hans Wilhelm sieht die bäuerliche Landwirtschaft an ihre Grenzen stoßen. Es sei höchste Zeit, dass Gesellschaft und Politik die Warnzeichen erkennen und ernst nehmen. Bild: Baehnisch
Lokales
Nabburg
11.01.2015
0
0

Der Produktionsfaktor "bäuerliche Familie" muss mehr Beachtung finden und darf nicht als allgemeine Handelsware verkommen. Diese Forderung erhob BBV-Kreisobmann Hans Wilhelm beim Sebastiani-Bauerntag. Die Wirklichkeit sehe oftmals jedoch ganz anders aus.

Die Oberpfalz ist geprägt von bäuerlichen Familienbetrieben, im Vergleich zu ihren Kollegen in Nord- und Ostdeutschland arbeiten die Landwirte hier zumeist in Kleinstrukturen. Der Naturraum mit seinen Mittelgebirgslagen, Waldreichtum und vielen Landschaftselementen gibt das so vor. Doch genau da beginnen die Probleme.

"Obwohl wir bereits 'green' sind, müssen unsere Landwirte die Greening-Auflagen erfüllen und zusätzliche Bürokratie über sich ergehen lassen", setzte der Kreisobmann vor etwa 150 Zuhörern zur Kritik an. Er sprach seinen Berufskollegen aus der Seele: "Ständig neue Vorgaben fordern, ja überfordern unsere Familienbetriebe und führen zu Betriebsaufgaben".

Kampf mit den Auflagen

Als Beispiel nannte er die Gruppenhaltung bei Zuchtschweinen, die gerade bei den kleinen Ferkelerzeugern in der Oberpfalz zu einem massiven Rückgang geführt hat. Wilhelm prangerte es an, dass sich die Zucht- und Mastschweine- sowie Geflügelhalter über den festgelegten Bestandsgrenzen seit dem letzten Jahr mit Aufzeichnungen und Meldungen zum Antibiotika-Einsatz zu beschäftigen haben. Weitere gesetzliche Regelungen und Auflagen in der Tierhaltung würden bereits auf Bundesebene diskutiert und vorbereitet. "Gerade unsere klein- und mittelbäuerlichen Betriebe tun sich schwer, die weiter steigenden Anforderungen in ihren Tierbeständen umzusetzen", sprach er aus der Praxis.

Angesichts dieser Entwicklung seien die Landwirte in der Region zunehmend verunsichert. "Werden sich bauliche Investitionen mit Finanzierungen von über zehn und bis zu zwanzig Jahren noch rechnen, wenn kostenträchtige Auflagen dazukommen?", fragte er sich. Für den Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes steht fest: "Wir sind aufgrund immer neuer Agrarreformen und der vielen Änderungen an unseren Grenzen angelangt".

Familien leiden darunter

Zu bedenken gelte es, dass bei betrieblichen Schwierigkeiten und wirtschaftlichen Bedrängnissen auch der Ärger in den Familien zunimmt. Das könne man anhand der gestiegenen Anfragen bei der bäuerlichen Familienberatung deutlich ablesen. Auch daraus leitete Wilhelm ab: "Es ist höchste Zeit, dass unsere Gesellschaft und die Politik diese Warnzeichen erkennen und ernst nehmen".

Immer mehr Druck und Auflagen und dazu auch noch billige Produkte - das könne nicht funktionieren. Ziele und Wirklichkeit sah der Redner immer weiter auseinander driften: "Man möchte die bäuerlichen Familienbetriebe erhalten, betreibt aber einen Strukturwandel über die Hintertür". Dazu gehöre es auf politischer Seite, "dass man unsere heimische Landwirtschaft bewusst dem Weltmarkt und den Weltmarktbedingungen ausgesetzt hat". Man dürfe sich also nicht wundern: "Wer Weltmarktpreise fordert, der wird auf Dauer auch Weltmarktstrukturen bekommen".
Weitere Beiträge zu den Themen: Januar 2015 (7957)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.