Beide Seiten erst nach Entschuldigungen zu Gesprächen bereit - Pfarrer schreibt an Verein
"Spenden-Zwist" noch verhärtet

Das Hausrecht als Rector ecclesiae für die Kirche mit ihren Kirchentüren und dem Kirchengrund habe ich als Pfarrer und nicht der Herr Bürgermeister.
Lokales
Nabburg
22.11.2013
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Wir sammeln für den guten Zweck und nichts anderes - und dann wird man noch bestraft und blöd angeredet. Das kann nicht sein.

Noch sind die Fronten im "Spenden-Zwist" zwischen Stadtpfarrer Hannes Lorenz und Fritz Sauerer, Vorsitzender der Soldaten- und Kriegerkameradschaft, etwas verhärtet. Allerdings betonen beide ihre Gesprächsbereitschaft - sofern sich der jeweils Andere entschuldigt. Das wollen derzeit zwar weder der Geistliche noch der Vereinsvorsitzende, ein Lösungsvorschlag des Kirchenmannes steht aber im Raum.

Anfang dieser Woche wandte sich Pfarrer Lorenz schriftlich an Soldaten- und Kriegerkameradschaft, Dekan Michael Hoch, Bürgermeister Armin Schärtl sowie die Mitglieder der Kirchenverwaltung. Er forderte darin die Vereinsmitglieder dazu auf, "ihrem Vorsitzenden klar zu machen, dass das Verbreiten von Lügen nicht die Wahrheit ersetzt und vor allem nicht zu einer Lösung des 'Zwists' beiträgt". Sauerer habe zwar die ganze Stadt aufgehetzt, aber nie mit dem Pfarrer ein Gespräch gesucht, weshalb Lorenz "die Kampagne der vergangenen drei Wochen in Verbindung mit den beiden Zeitungsartikeln als Rufmord-Kampagne" empfindet.

Nicht gefragt worden

In dem Schreiben, das Kriegerkameradschafts-Vorsitzender Fritz Sauerer der NT-Redaktion zuleitete, beklagt der Geistliche außerdem abermals, dass er vor der Sammlung nicht gefragt worden sei: "Das Hausrecht als Rector ecclesiae für die Kirche mit ihren Kirchentüren und dem Kirchengrund habe ich als Pfarrer und nicht der Herr Bürgermeister".
Deshalb wäre Lorenz die zuständige Person gewesen, diese Aktion zu genehmigen - wenn jemand mit ihm im Vorfeld darüber gesprochen hätte. "Jederzeit", teilt der Kirchenvertreter weiter mit, "hätten die Vertreter des Kriegervereins ihre Sammelaktion auf dem Marktplatz fortsetzen können". Der Sammler habe nach dem Hinweis des Geistlichen unter Zeugen von sich aus angeboten, die Aktion einzustellen. Niemand könne also behaupten, der Pfarrer hätte irgendjemanden vom Kirchplatz vertrieben: "Das ist eine böswillige Unterstellung und Lüge". Zwischen Wegschicken und der Bitte, die Aktion zu verschieben, bestehe ein Unterschied.

Noch nie Schwierigkeiten

Der ist Fritz Sauerer nicht ganz klar: "Er hat uns das Sammeln sofort untersagt, das ist das gleiche wie vertreiben". Anders gefragt: Was hätten die Vereinsmitglieder dort noch machen sollen, wenn sie nicht sammeln dürfen? Seit Jahrzehnten stünden die Mitglieder der Soldaten- und Kriegerkameradschaft - zuvor war es die Feuerwehr - an diesen Tagen im Auftrag der Stadt an der Kirche, um für die Kriegsgräber zu sammeln - und zwar auch am Missions-Sonntag. "Es hat noch nie Schwierigkeiten gegeben", erinnert sich der Vereinsvorsitzende.
Außerdem habe Pfarrer Lorenz das ganze Jahr über Zeit gehabt, mit den Sammlern über diese Aktion zu reden. Sie sei darüberhinaus mehrfach in der Zeitung angekündigt worden.

Sauerer ist davon überzeugt, dass die Sammlung für die Kriegsgräber und die Sonderkollekte durchaus nebeneinander "koexistieren" hätten können: "Das sind doch zwei paar Stiefel - und wir haben ja niemanden genötigt zu spenden". Zwei Meter weiter sei außerdem städtischer Grund. "Es ist dann doch egal, wo ich stehe", wundert sich der Vorsitzende. Die Sammler hätten dennoch ihre Aktion eingestellt, um nicht zu provozieren: "Das wollten wir nicht machen, damit es nicht vor der Kirche zum Eklat kommt".

"Habe nichts verboten"

Was konkret Lorenz mit "Rufmord" und dem Vorwurf, Sauerer hetze die ganze Stadt auf, meint, konnte sich der Kriegerkameradschafts-Vorsitzende nicht erklären. Er werde sich auch nicht - wie von Pfarrer Lorenz gefordert - beim Geistlichen entschuldigen, da er keinen Fehler gemacht habe. "Ich wäre zu einem Gespräch bereit, zu mehr nicht", sagt Sauerer. Außerdem wäre es wohl eher am Pfarrer, sich zu entschuldigen. "Wir sammeln für den guten Zweck und nichts anderes - und dann wird man noch bestraft und blöd angeredet. Das kann nicht sein", betont Sauerer abschließend.
In einem Telefonat mit dem NT erklärt Stadtpfarrer Lorenz seinen "Rufmord"-Vorwurf: Er habe mitbekommen, dass Sauerer seit längerem bei diversen Anlässen über ihn schimpfe, so der Geistliche. "Ich kann mir doch nicht gefallen lassen, dass er jetzt Lügen verbreitet. Ich habe nichts verboten und niemanden verjagt, ich habe nur gebeten, dass nicht am Sonntag der Missio-Kollekte gesammelt wird". Wie er außerdem vernommen habe, sei auch der ehemalige Stadtpfarrer Manfred Strigl von den Sammlungen vor der Kirche schon länger gestört gewesen - habe aber nichts gesagt.

Dass die Kriegerkameradschaft auch nicht mehr an den Friedhöfen - sie sind städtischer Grund und kein Kircheneigentum - gesammelt habe, liegt für Lorenz in deren Verantwortung. "Das wollten sie dann nicht mehr - auch wenn sie dort sicher eine vernünftige Summe bekommen hätten. Aber jetzt ist der Pfarrer an allem schuld", schildert der Geistliche und fährt fort: "Ich bin jemand, der für Veränderung und Erneuerung steht, ohne aber die Traditionen abschaffen zu wollen" - nur hätte er eben davor gefragt werden wollen.

Versöhnliche Töne

Inhaltlich wolle er die Kriegsgräberfürsorge überhaupt nicht in Frage stellen: "Mein Opa liegt auch dort, ich kann sehr gut mit den Angehörigen mitfühlen", legt der Pfarrer dar, der dann versöhnliche Töne anschlägt: "Ich habe überhaupt kein Interesse daran, das zu einem Krieg werden zu lassen".

Der neue Pfarrbrief beinhalte deshalb einen Vorschlag: Die künftigen Sammlungen für die Kriegsgräber könnten während des Gottesdienstes stattfinden. "Ich würde diese Kollekte voll und ganz unterstützen", unterstreicht der Geistliche - allerdings an einem anderen Termin: am ersten Sonntag im November. Die Kriegsgräbersammlung war in diesem Jahr bayernweit einheitlich vom 18. Oktober bis zum 3. November terminiert.
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