Bergsteigen als Schule fürs Leben

Thomas Huber, der ältere der beiden "Huberbuam", sprach in der Nordgauhalle über Parallelen zwischen dem Bergsteigen und dem Leben. Bilder: Baehnisch
Lokales
Nabburg
07.10.2015
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"Oben stehen": Um das geht es beim Bergsteigen. Klingt einfach - ist es aber nicht. Thomas Huber weiß, wovon er spricht. Der Bergsteiger hat auch schon einige Rückschläge einstecken müssen, bis er den "Stein und Eis gewordenen Traum jedes Bergsteigers" bezwungen hat - und das waren weder der Mount Everest noch der K2.

In gewisser Weise kann man den schwierigen, steinigen und oft gefährlichen Weg auf den Gipfel auch als Metapher für das Leben sehen. Das verdeutlicht Thomas Huber - der ältere der beiden "Huberbuam" - bei seinem Vortrag in der Nordgauhalle. Eine Stunde lang spricht der Extrembergsteiger auf Einladung der Raiffeisenbank am Dienstag über Parallelen zwischen Steilwand und Lebensweg sowie die gute Schule, die das Bergsteigen für das Leben und das Leben für das Bergsteigen ist.

Besessen von Bergen

Huber - 48 Jahre alt, Familienvater und Berchtesgadener - ist ein begeistert Besessener: Schon früh bricht er zusammen mit Vater und Bruder Alexander zu Bergtouren auf, findet fortan auf den Gipfeln dieser Welt sein Glück. Es muss ein spezielles Glück sein, wenn er mit leuchtenden Augen davon erzählt, wie er mit dem anderen "Huberbuam"-Part zwei Wochen lang in einer Steilwand hing und sich mühsam Meter für Meter in Richtung Gipfel vorarbeitete. "Aber dann standen wir oben. Das war ein unglaublicher Erfolg und ein Meilenstein im Alpinismus", schildert er den 1100 Zuhörern in der proppevollen Nordgauhalle. Die Spitze des Berges ist aber nur der halbe Weg: "Der wirkliche Erfolg ist, wenn man wieder unten ist. Erst dann ist man am Gipfel", unterstreicht der Extremsportler.

Die "Huberbuam" hätten auch Lehrer und Physiker werden können. Der 48-Jährige vergleicht das "normale" Leben mit einer langen, geraden Straße. Doch das wollten die Brüder nicht: Sie hätten beschlossen, zu bremsen, abzubiegen und den sicheren Lebensweg zu verlassen. Die beiden machten das Bergsteigen zu ihrem Beruf - und bereuen es keine Sekunde: "Dieser Weg ist mutig, aber unglaublich spannend. Jeder Tag ist ein neues Abenteuer", schildert der Bergsteiger. Mut und Neugier - zwei weitere Eigenschaften, die laut Huber sowohl für das Klettern und das Leben eminent wichtig sind. Doch auch für einen "Huberbuam" geht es nicht immer bergauf - und auch hier kommen wieder die Parallelen zum Leben ins Spiel. Mehrfach nimmt der Oberbayer den Stein gewordenen, rund 3100 Meter hoch gewachsenen Bergsteigertraum in Angriff - und scheitert. Die Rede ist vom "Cerro Torre" in Patagonien, einem eigentlich gar nicht mal so hohen Berg, der aber einen großen Haken hat: Es geht von allen Seiten aus fast senkrecht in Richtung Gipfel.

Huber und sein Team wählen eine schwierige Route über mehrere angrenzende Berge und stoßen an ihre Grenzen, mehrmals knapp vor dem Ziel und durch Stürme und Steinschläge in höchster Lebensgefahr. Sie kehren um: "Da merkt man, dass nicht der Gipfel der Gipfel ist, sondern das Leben". Für Huber wird der Berg zu einem Sinnbild des Lebens, einer Vision, einem Ziel, das er erreichen will. "Jeder", sagt er, "hat seinen persönlichen ,Cerro Torre' in sich".

Schritt für Schritt

Sein Scheitern lehrt ihn, dennoch an sich zu glauben, Schritt für Schritt zu denken - und nicht verbissen dem einen Ziel hinterherzujagen. Dieses Denken hilft, als Extremsportler Huber vor wenigen Jahren einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen muss: Krebs. "Ich bin Schritt für Schritt gegangen und habe nicht mehr überlegt, was in zwei oder drei Jahren ist", schildert er. Der Bergsteiger wird operiert und gilt seitdem als geheilt. Er fährt wieder nach Patagonien - und steht kurz darauf zusammen mit seinem Team auf dem Gipfel des "Cerro Torre".
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