Das ganze Leben ist ein Spiel

"Spieltrieb" nennt Chris Boettcher sein aktuelles Programm. Er führt amüsant vor Augen, wer womit gerne spielt, und fühlt sich gleichzeitig selber dazu angetrieben, sein Publikum zu begeistern. In der Nordgauhalle landete er damit einen Volltreffer. Bild: Amann
Lokales
Nabburg
29.09.2014
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Chris Boettcher lästert, parodiert und spielt selber vor, wie Andere gerne mit ihrem Umfeld spielen. "Spieltrieb" heißt das Programm, mit dem er am Samstagabend in die Nordgauhalle kam. Darin erfährt sein Publikum auch, was Glück wirklich bedeuten kann.

Für ihn ist Nabburg nicht unbekannt. Chris Boettcher ist hier schon aufgetreten. Im Schmidt-Haus damals, vor ein paar Dutzend Zuschauern. Inzwischen entwickelte er sich weiter, füllt er Säle. Mit Hilfe seines Jobs als Radiomoderator verstand er es, sich in die Spitze der bayerischen "Comedians" hochzuarbeiten. Er trifft bei seinen Fans den richtigen Ton: Locker-leicht und gut gelaunt kommt er auf die Bühne und braucht da nicht viele Requisiten. Das Piano, ein Hocker und zwischendurch mal ein Cajon reichen, um den eigenen "Spieltrieb" auszuleben.

Boettcher führt vor Augen: Es gibt so gut wie keinen, der nicht gerne spielt. Ob er nun Uli Hoeneß heißt, Howard Carpendale oder Lothar Matthäus. Der eine spielt mit dem Staat, der Nächste mit seinen Fans, der Andere mit den Frauen. "Alle besch... einen", weiß er, sogar das Wetter macht's.

Unterhaltsame Parodien

Parodien gehören zweifelsfrei zu den Spezialitäten des 50-Jährigen. Da schafft er es auch ganz schnell, Schenkelklopfer zu landen. Der sich leer und verbraucht fühlende Grönemeyer kommt da genauso vor wie Lindenberg in der Euro-Krise oder Rosenberg mit zu ihr gehörendem Magengeschwür. Ein Liebesduett lässt er Angie und Francois singen, bevor Edmund und Horst als die "Wildbad Kreuther Herzbuben" den Bayern erklären, dass ohne sie die Maß nur ein halber Liter wäre.

Die Zuhörer sind längst bereit, auf Kommando mitzuklatschen und mitzusingen. Ihnen gefällt es, wie der Vorspieler aus Oberbayern Umtriebe aus der - vor allem prominenten - Gesellschaft amüsant verpackt.

Paradebeispiel: ein Zwiegespräch von "Loddar und Franz", als deren geistiger Vater sich Boettcher einst während einer Fußball-WM entpuppte. Was er ihnen sagen lässt, klingt immer aktuell. Dafür liefern ihm die "Zwei wie Pech und Schwefel" genügend Stoff. Das Thema an diesem Abend: die fünfte Heirat des Lothar Matthäus. Wobei der geneigte Zuhörer gleich noch erfährt, wie Franz Beckenbauer heute seine Position als Libero definiert: Er weicht laut Boettcher vor dem Finanzamt lieber über die Flügel nach Österreich aus "und legt sei Geld woanders lieber o". Die Botschaft: Vor solchen Spielern möge man sich doch in Acht nehmen. Deswegen bezeichnet es Boettcher nicht nur als Glück, wenn man zu Weihnachten mal kein Parfüm geschenkt bekommt. "Wahres Glück ist es, wenn Lothar Matthäus Ihre Tochter nicht kennt", verrät er.

Bis zum letzten Spiel

Chris Boettcher punktet auch als Wortspieler. Er jongliert mit Fußballer-Namen, macht daraus eine Liebesgeschichte vor dem Fernseher. Und er versteht es, Situationskomik zu schaffen. Auch da müssen Fußball-Recken wie Olli Kahn und Co herhalten, um in einer Supertalent-Show mit Dieter Bohlen zu landen. Sie alle genießen bei dem gebürtigen Ingolstädter ja noch gewisse Sympathiewerte. Was jedoch Hansi Hinterseer nicht unbedingt von sich behaupten dürfte. In den Zugaben outet sich Chris Boettcher als Peter-Maffay-Fan und hält es schließlich mit dem Bundestrainer der von ihm so geliebten Kicker: "Auch Jogi Löw ist am Ende mal und nimmt dann seinen Schal".

Doch gehen darf er an dieser Stelle noch nicht. Da wollen die Fans schon noch eine seiner Erfolgsnummern hören: "Zehn Meter gehn" singt er und macht ihnen spielerisch die letzte große Freude des Abends.
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