Das Obertor ist jetzt trocken

Firmenchef Matthias Ehmann (vorne) und Projektleiter Patrick Kledtke freuen sich über die aus ihrer Sicht nachhaltige Sanierung des Obertors. Nicht zuletzt auch wegen der guten Zusammenarbeit mit der Stadt hat es ihnen das Nabburger Wahrzeichen angetan, denn sie haben durchaus hochkarätigere Referenzen vorzuweisen wie das Clubschiff "Aida Bella," das Kloster Benediktbeuern oder die Nürnberger Kaiserburg. Bild: Götz
Lokales
Nabburg
27.11.2015
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Schön ist das Obertor wieder herausgeputzt für die Weihnachtszeit und die Jahre danach. Neuer Anstrich, neue Fenster und verlagerte Taupunkte.

"Die nächsten 30 Jahre dürfte nichts mehr passieren", verspricht Matthias Ehmann von der Restaurierungsfirma "Form&Farbe Ehmann" aus Fürth. Im Gespräch mit dem NT erläutern er und Projektleiter Patrick Kledtke, was sechs Mitarbeiter des Unternehmens am Wahrzeichen alles gemacht haben. Die neuerliche Sanierung des Denkmals hat in der Stadt für Gesprächsstoff und Diskussionen gesorgt. Laut Ehmann war es aber höchste Zeit, "denn noch waren die Schäden relativ gering". Allerdings wäre der Verfall immer schneller fortgeschritten, bis hin zur Einsturzgefahr.

Einzelne Steine hatten sich bereits gelöst. "Was vertretbar war, wurde wieder gefestigt." Defekte Natursteinplatten und Steine wurden auch ersetzt. Historischer Putz, aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zum Beispiel, kam an einer Festigung auch nicht vorbei und ist jetzt unter dem neuen verborgen. Das Problem beim Obertor lag unter anderem am Zementputz. "In der Restaurierung ist Zement schädlich", sagt der 31-jährige Firmenchef. Er bezeichnet ihn als "Sperrputz". Zement lasse keinen Austausch von innen nach außen zu und nehme keine Feuchtigkeit auf. Noch gut erinnern sich Ehmann und Kledtke an ihre ersten Besuche im Obertor. "Die Raumluft war voll Wasser. Die Luftfeuchtigkeit lag zwischen 80 und 90 Prozent." Um das Denkmal trocken zu legen, wurden die Fenster ausgetauscht und die Wände temperiert. Der Innenraum erhielt einen Kalium-Silikat-Anstrich um den Taupunkt zu verlagern.

Reinsilikat-Farbe

"Dieser muss nach außen verlegt werden, damit die Feuchtigkeit abzieht." Bis zur Sanierung war es eher umgekehrt. Außen wurde eine Reinsilikat-Farbe aufgetragen - ein Gemisch aus Kalium, Wasserglas und reinen Pigmenten. Die Abdichtung unter dem Holzbelag des Zugangs wurde ausgetauscht, um das Mauerwerk vor Durchfeuchtung zu schützen. Das Obertor - zuletzt als Büro genutzt - stand seit Jahren leer. Johannes Schießl vom Bauamt hat im vergangenen Jahr ein Sanierungskonzept erarbeitet. Ehmann und Kledtke schätzen dies und die Zusammenarbeit mit der Stadt. "Solche Bauherrn wünschen wir uns mehr." Die Fachleute sprechen beim Obertor von einer klassischen Denkmalsanierung, damit dieses wieder genutzt werden kann. Sie kennen sich aus, denn auch am Landgericht Amberg, oder bei der Polizeidirektion Weiden waren sie tätig.

Im Obertor seien nun schöne Räume entstanden. Allerdings wurde nicht nur das Gemäuer trocken gelegt, sondern auch Heizung und Sanitäranlagen wurden auf Vordermann gebracht. Knapp 60 000 Euro erhält die Fürther Firma für ihre Arbeiten, die voll im Zeitplan lagen. Die gesamte Restaurierung ist auf 137 000 Euro veranschlagt. Unangenehme Überraschungen habe es während der Bauzeit nicht gegeben.

Blick nach vorn

Dem ab und zu laut gewordenen Vorwurf, dass bei der Sanierung in den 90er Jahren gepfuscht wurde, widerspricht Ehmann. Die Konzepte zur Innendämmung waren damals nicht so ausgereift. Auch die ökologischen Baustoffe hätten sich entsprechend weiterentwickelt. Ehmann spricht jetzt von einer nachhaltigen Sanierung. Der Blick, auch bei diesem Wahrzeichen, richte sich nach vorn.
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