Der Menschheit auf der Spur

Nach 22 Jahren zieht sich Ernst Thomann (Dritter von links) als Kreisheimatpfleger für Archäologie zurück. Seine Nachfolge treten Kurt Engelhardt (rechts) und Harald Schaller (Zweiter von links) an. Zur Verabschiedung und Einführung sprachen (von rechts) Landrat Thomas Ebeling, Dr. Silvia Codreanu-Windauer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und der Nabburger Bürgermeister Armin Schärtl. Bild: Amann
Lokales
Nabburg
27.01.2015
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Nach 22 Jahren gab Ernst Thomann sein Ehrenamt als Kreisheimatpfleger für Archäologie zurück. Seine Verabschiedung verband der Landkreis mit der Ernennung der beiden Nachfolger. "Damit gibt er die Kelle sicher nicht ganz aus der Hand", traute die Laudatorin dem 81-Jährigen noch weitere beachtenswerte Funde zu.

"Ernst Thomann ist ein Synonym für die Archäologie im Landkreis", eröffnete Bürgermeister Armin Schärtl den kleinen Festakt im Castillon-Saal des Stadtmuseums. In diesem Haus ist eine Abteilung dem Lebenswerk des Nabburger Forschers gewidmet: In einer kostenlos überlassenen Dauerausstellung sind viele interessante Funde aus den insgesamt 56 Jahren zu sehen, in denen er seinem Hobby mit großem Zeitaufwand nachging. "Die Archäologie macht kein Gesetz zur Pflichtaufgabe des Landkreises, aber sie ist sehr spannend", begründete es Landrat Thomas Ebeling, warum der Kreis 1993 diese ehrenamtliche Heimatpflegerstelle schuf.

"Sein leidenschaftliches Interesse machte ihn zum archäologischen Spürhund", blickte Dr. Silvia Codreanu-Windauer in launigen Worten auf eine nun endende Ära zurück. Die Repräsentantin der Bayerischen Denkmalpflege rechnete es Ernst Thomann hoch an, dass er seine Funde nicht als kostbare Trophäen verstand, sondern dass er sie hergezeigt und in Veröffentlichungen publik gemacht hat. Dabei verfolgte er die Devise: "Jedes Fundstück ist bedeutsam, denn eine Zweitausfertigung gibt es nicht". Seine Leistungen auf dem Gebiet der Archäologie könne kein Zweiter in der Oberpfalz vorweisen.

Verdiente Ehrungen

Der gebürtige Franke Ernst Thomann habe dabei auch viel für seine Wahlheimat Nabburg bewirkt: "Mit Ergebnissen seiner Grabungen ist die Stadt schwuppdiwupp gleich um Jahrhunderte älter und zugleich bedeutender geworden". Der städtische Kulturpreis, die Landkreis-Verdienstmedaille und die Verfassungsmedaille des Freistaates waren folglich verdiente Auszeichnungen für einen Mann, der Spuren hinterlassen hat.

Auf die Präsentübergabe der Denkmalpflegerin folgte die Verabschiedung durch den Landrat. Thomas Ebeling schenkte Ernst Thomann einen Gutschein (für zwei Personen) für eine zweitägige Kultur-Tour nach Pilsen mit Besuch der Smetana-Oper "Die verkaufte Braut". Wie seine Vorrednerin überreichte er an Ehefrau Inge Thomann einen Blumenstrauß.

Mit Urkunde und Dienstausweis ernannte Ebeling Thomanns Nachfolger, den Nabburger Kurt Engelhardt (67) und den Schwandorfer Harald Schaller (49). Engelhardt hielt sodann eine Co-Laudatio aus der Sicht eines Mitstreiters und betonte: Ernst Thomann ist es zu danken, dass die Dichte der vorgeschichtlichen Fundstellen in der nördlichen Oberpfalz vergleichbar ist mit dem Gäuboden, dem Eldorado der bayerischen Archäologie. Er bemühte abschließend eine alte Redewendung, um seinem Vorgänger zu versichern: "Du hast bei uns einen Stein im Brett". Schaller stellte Ernst Thomann als Motivator dar, von dem es viel zu lernen gab. In seiner Art wolle man nun zu zweit weitermachen, damit viele Menschen erreichen und ihnen zeigen, "wo wir her kommen".

Zeichen der Wertschätzung

Ernst Thomann empfand es als große Ehre, dass die gesamte Spitze der Regensburger Außenstelle des Landesamts für Denkmalpflege genauso zu seiner Verabschiedung gekommen war wie Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl und die Heimatpflegerkollegen aus dem Landkreis. "Es war eine schöne Zeit", fasste er kurz und bündig die über fünf Jahrzehnte zusammen, in denen er keine Mühen scheute, um zu suchen, zu sammeln und für die Nachwelt zu dokumentieren.
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