Dialog mit Verbrauchern suchen

Kritische Verbraucher und regelwütige Politiker - welche Antworten kann die Landwirtschaft geben? Diese Frage versuchte der Agrar-Journalist Dr. Ludger Schulze Pals beim Sebastiani-Bauerntag zu beantworten, wozu ihn der Bayerische Bauernverband eingeladen hatte.
Lokales
Nabburg
12.01.2015
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Die Landwirte müssen ihre Probleme ehrlich benennen und souverän damit umgehen. Diesen Appell richtete Dr. Ludger Schulze Pals, Chefredakteur der Fachzeitschrift "top agrar", an die Besucher des BBV-Sebastiani-Bauerntages. Er wollte aufzeigen, wie sich das Image bei den Verbrauchern verbessern lässt.

Agrarkritiker aus Tierschutz-, Umwelt-, Verbraucherverbänden, Entwicklungshilfegruppen oder Kirchen leisten perfekte Öffentlichkeitsarbeit. "Sie sind schneller als der Bauernverband", wusste der Agrar-Journalist Dr. Ludger Schulze Pals am Samstag im voll besetzten Jugendwerk-Saal aus eigener Erfahrung zu berichten. Zwar erfreue sich der Beruf des Landwirts in der Gesellschaft einer hohen Wertschätzung, doch Zweifel an der Arbeit blieben. Tier- und Umweltskandale sorgten dafür genauso wie etwa die Gentechnik. Die Politik reagiere auf allen Ebenen, indem sie mit Reglementierungen eingreift.

"Die Landwirtschaft muss sich stärker in die gesellschaftliche Debatte einbringen", forderte der Redner. Sie könne doch mit Pfunden wuchern: Die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit, erhöhten Tierschutz und gesunkene Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung nannte er da. Die Bauern sollten sich aber schon fragen, woran es liegt, dass die Gesellschaft trotzdem nicht zufrieden ist.

Sagen, was Sache ist

An dieser Stelle war der Referent bei Problemen angekommen, "die einfach da sind". Er führte Beispiele auf, wie das in der Massentierhaltung überdrehte Rad des Wachstums, Nitrat-Belastungen des Grundwassers durch Gülle oder die Qualzucht bei Geflügel und Schweinen. Der Redner fragte im Schulterschluss mit den Landwirten: "Sind wir da selbstkritisch genug?" Den souveränen Umgang mit Problemen sah er als Zeichen der Stärke. Deshalb: "Sie sollten aktiv sagen, was wie und wann dagegen getan wird". Er riet dazu: "Raus aus dem Bremserhäuschen!" - sonst zähle man nur zu den Ewiggestrigen.

Um Antworten auf die Sorgen der Verbraucher zu geben, brauche die Landwirtschaft eine mutigere, ehrliche Strategie. Dazu zähle es auch, sich von "schwarzen Schafen" der Branche abzugrenzen. Unter dem Motto "Nicht nur Gutes planen, sondern auch darüber reden" seien Informationsangebote vor Ort, wie der "Tag des offenen Hofes", noch überall ausbaufähig. Er forderte die Berufsverbände dazu auf, ihre Kommunikationsarbeit zu professionalisieren. Das bedeute auch, frische, witzige und emotionale Slogans in die Image-Werbung zu bringen.

Kampf um Akzeptanz

Bei den Verbrauchern, die nach Geldbeutel, Kopf, Herz und Magen entscheiden, gelte es um Akzeptanz zu kämpfen. Der Dialog mit ihnen sowie mit der Politik stelle deshalb eine Daueraufgabe für die Landwirtschaft dar. Nach Ende seines einstündigen Vortrags bekam der Journalist aus Münster vom Bauernverband ein Buch über die Oberpfalz geschenkt.

Der Sebastiani-Bauerntag war mit einem Gottesdienst in der Nabburger Stadtpfarrkirche eingeleitet worden, den der Landfrauenchor mitgestaltete. Ihn zelebrierte Pfarrer Hannes Lorenz, wofür ihm BBV-Kreisobmann Johann Wilhelm und Kreisbäuerin Barbara Hanauer hernach mit einem regionalen Spezialitäten-Körbchen dankten. (Innenteil)
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