Die Landlust wach kitzeln

Vernachlässigte Häuser, leere Schaufenster in Dörfern und Kleinstädten sind Eindrücke, die im Gedächtnis haften bleiben. Nittenau - hier ist diese Aufnahme entstanden - bildet beileibe keine Ausnahme. Bild: Götz
Lokales
Nabburg
30.10.2015
8
0

Leerstände, verödete Ortskerne, Bildungsabwanderung: Wo bleibt da die Lust aufs Land, wenn auch so manches PC-Rechtschreibprogramm "Landlust" gar nicht kennt? Ein Wissenschaftler sieht dennoch Chancen.

"Trotz der vielen Krisen, Fehlnutzungen und Schwächen hat das Dorf vielleicht die beste Phase seiner Geschichte." Mit diesem Schlusssatz ermutigt der Professor für Humangeographie, Dr. Gerhard Henkel, zu Beginn des zweitägigen Symposiums "Landfrust. Landflucht. Landlust." am Freitag im Freilandmuseum Neusath-Perschen all diejenigen, denen die ländlich geprägte, dörfliche Struktur am Herzen liegt. Diese ist dem Arbeitskreis "Heimat, Deine Bauten" schon seit Jahren ein Anliegen. Die Mitglieder wollen nicht nur die Denkmäler, sondern auch das Leben auf dem Land erhalten. Mitveranstalter des Symposiums waren der Bayerische Landesverein für Heimatpflege und der Oberpfälzer Kulturbund.

Der Trend zur Urbanisierung, sagte Bezirkstagspräsident Franz Löffler, sei europaweit zu spüren. Einfache Antworten gegen Landflucht gebe es nicht, auch nicht für den Trend hin zu Einkaufszentren am Stadtrand. Hier hat er einen Rat: "Der Käufer entscheidet, wo er hinfährt." Die Stimmung und das Klima, das ein altes Haus verbreite, könne ein neues nicht schaffen, schwärmt er.

Einen tagtäglichen "Spagat" macht der stellvertretende Vorsitzende des Landesvereins für Heimatpflege, als Vereinsmitglied, Beamter der Obersten Baubehörde und Stadtheimatpfleger von Kempten. Mehrere Herzen schlügen in seiner Brust. "Es gibt keine Patentrezepte", ruft er ins Publikum, in dem Kommunalpolitiker, Kulturreferenten und Studenten sitzen. Patentrezepte schon deshalb nicht, weil es ungleiche Entwicklungen gibt.

Deshalb hat Professor Henkel etwas gegen Leitbilder von oben. Gerade von 1965 bis 1975 habe das Land unter einer "urbanistischen Fernsteuerung und Fremdbestimmung" gelitten. Henkel ist auch kein Freund der Gebietsreform. Bei diesem Thema wird er leidenschaftlich. "Man hat den Dörfern ihre demokratische Legitimation sich selbst zu verwalten genommen." Er spricht gar von einer "Traumatisierung". 1990 sei dann eine Kehrtwende in der Raumordnung eingetreten. Er sieht die Chancen nicht schlecht, allerdings seien viele Anstrengungen nötig. Er sehe aber auch viel Potenzial. Weitere Fachreferate knüpften an Henkels Ausführungen an. Museumsleiterin Angerer moderierte das Symposium.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.