Ein beklemmendes Schicksal

Mit der Lebensgeschichte des Räubers Mathias Kneißl setzte sich die Inszenierung des Landestheaters Oberpfalz im Bauernmuseum auseinander. Die Nabburgerin Doris Hofmann spielte dabei unter anderem die Freundin des Räubers. Bilder: Baehnisch (2)
Lokales
Nabburg
11.05.2015
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Stühle herein zu tragen, brachte auch nichts mehr: Der Theaterraum im Bauernmuseum war mit erwartungsvollen Besuchern bis einschließlich des letzten Platzes gefüllt, als der Lebenslauf einer bayerischen Legende im Programm des Landestheaters Oberpfalz nahegebracht werden sollte.

Christian Schönfelder und Georg Ringsgwandl hatten unter dem Titel "Mein Bruder, der Räuber Kneissl" eine Szenenfolge verfasst, die sich verständnisvoll unter der Regie von Till Rickelt mit der Lebensgeschichte des Mathias Kneißl auseinandersetzt. Dabei beschäftigte sie vor allem einige grundsätzliche Fragen. Etwa die Überlegung, wie man Armut bewältigen kann, ohne straffällig zu werden, wie man einen schlechten Ruf der Familie überwindet, ohne Hass auf die Gesellschaft zu entwickeln. Oder wie Till Rickelt meint: "Wie wird man zu dem, der man ist?"

Natürlich war Mathias Kneißl ein "unbequemer Zeitgenosse", als den ihn Christian Schönfelder bezeichnet. Und Till Rickelt hob gerade die Umstände des Zusammenwirkens von individuellem Charakter und gesellschaftlichem Umfeld hervor. Damit wurde nachvollziehbar, dass ein Mensch mit Freiheitsdrang in einer Gesellschaft, die ihm keine Chance zubilligte, immer wieder aneckte und schließlich eine natürlich nicht entschuldbare Tat beging, auf der die Todesstrafe stand.

In Mundart intensiver

Die Entwicklung dahin bildete das Gerüst der Handlung von der Kindheit bis zum frühen Tod. In der bairischen Mundart wirkte das Stück noch intensiver. Dazu trugen auch die musikalischen Einschübe bei, die immer wieder den Gesamteindruck von verpassten oder nicht vorhandenen Chancen vertieften. Die Brüder Alois und Mathias wachsen in Armut auf, da das Wirtshaus und die Schreinerei der Eltern kaum Gewinn abwerfen. Ein schlechter Ruf quält die Familie zusätzlich, da der Großvater mütterlicherseits ein "Zuagroaster" war. Arme Leute gab/gibt es zu allen Zeiten. Wie man mit ihnen umging/umgeht, ist zu allen Zeiten problematisch.

Glück in greifbarer Nähe

In dem Stück werden Erinnerungen als entscheidende Episoden vorgeführt. Dabei sind etliche Rollen auf vier Darsteller verteilt. Nur Johannes Aichinger spielt lediglich den Mathias Kneißl, dafür aber sehr intensiv im Dauereinsatz. Robin Hood hat den Reichen genommen und viel an die Armen verteilt. Aichinger schafft es, den Hiasl so darzustellen, dass man ihm das gleichartige Handeln glaubt. Als der Mathias dann die Mathilda kennenlernt, die mit ihm nach Amerika auswandern will, scheint Glück und besseres Leben in greifbare Nähe zu rücken.

Doris Hofmann spielt die Freundin und etliche weitere Rollen mit beeindruckender Darstellungskraft. Christian Hofmann verkörpert den Bruder, den Vater oder den Gendarm glaubhaft. Einen Sonderbeifall heimst er ein für die Szene, in der er eine alte Frau darstellt, die sich allein abends auf der Straße vor Räubern fürchtet. Claudia Lohmann schließlich kann Mutter, Schülerin ebenso gut spielen wie Stammtischler und Gendarmen. Insgesamt also ein sehr intensives Spiel der Akteure. Lange her, das Schicksal des Räubers Kneißl. Seitdem hat sich das Schicksal von Armen doch sehr verbessert, oder? Bei manchen Szenen meinte man, das dargestellte Schicksal sei zumindest in Teilen nicht über 100 Jahre her.
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