Fortbildung mit Geschrei

Auch das Spiel "Zugbrücke" stand auf dem Programm: Nur wenn sich die Teilnehmer vertrauen, kann eine gute Gemeinschaft entstehen und Gewalt findet keinen Raum. Bild: hfz
Lokales
Nabburg
31.10.2015
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Lautes Gebrüll dringt aus einem Klassenzimmer der Nabburger Berufsschule. Es sind aber keine randalierenden Schüler. Vielmehr stehen sich 24 Lehrer gegenüber und schreien sich an. Den beiden Polizei-Hauptkommissaren aus München ist das aber noch zu leise.

Sie fordern die Pädagogen auf, noch lauter "Stopp" zu brüllen. Dies ist keine Protestaktion von wutentbrannten Staatsdienern, sondern es handelt sich um eine Übung im Zuge einer zweitägigen Fortbildung zum Thema Gewaltprävention. Die Lehrkräfte lernen gerade, wie man einem möglichen Angreifer gegenübertritt, um frühzeitig Grenzen zu ziehen.

Organisiert wurde die Veranstaltung von der Regierung der Oberpfalz in Zusammenarbeit mit der Dominik-Brunner-Stiftung und dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV). Lehrkräfte aus den beruflichen Schulen lassen sich im Zuge des Gewaltpräventionskurses "pack ma's" zu Multiplikatoren ausbilden. Ziel ist es, Gewalthandlungen oder sonstiges unsoziales Verhalten von Jugendlichen zu unterbinden sowie Zivilcourage zu fördern.

Wirkungsvolle Präventionsarbeit baue auf eine kontinuierliche und langfristige Beziehungsarbeit auf und könne nur von Personen aus dem Umfeld der Jugendlichen initiiert werden, so Studiendirektor Alois Gillitzer, Fachmitarbeiter der Regierung der Oberpfalz. Aus diesem Grund sind Lehrkräfte die ersten Ansprechpartner für solche Veranstaltungen.

Realistische Übungen

Damit die Teilnehmer als Trainer in ihren Schulen vor Ort die Inhalte möglichst authentisch vermitteln können, legen die beiden Hauptkommissare Nicolo Witte und Ralph Kappelmeier großen Wert auf lebensnahe Übungen. Immer wieder schlüpfen die Polizisten in verschiedene Rollen. Ob als pöbelnde Randalierer oder aggressive Türsteher, schnell bringen sie die Pädagogen an ihre Grenzen im Umgang mit aggressivem Verhalten. In einer intensiven Nachbesprechung wird das Erlebte reflektiert und in einem Leitsatz zum Ausdruck gebracht. Nach und nach entstehen so Regeln und Vereinbarungen, die von den Teilnehmern selbst erarbeitet und festgelegt werden. Dies ist für die Umsetzung an den Schulen besonders wichtig, denn die Vereinbarungen kommen nicht - wie sonst üblich - von den Lehrkräften der Schüler, sondern aus ihren eigenen Reihen. Die beschlossenen Regeln sollen für möglichst lange Zeit im Klassenzimmer aufgehängt werden. Somit besitzen sie nachweislich eine höhere Akzeptanz.

Fortsetzung folgt

Am Ende der Veranstaltung waren die Teilnehmer von dem Kurs und den beiden Polizisten aus München begeistert. Aufgrund dieser positiven Resonanz und der Bedeutung des Themas plant die Schulabteilung der Regierung der Oberpfalz im Frühjahr eine weitere Veranstaltung.
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