Heim mit Hamburger Himmel

Mitten in der Bruchsteinmauer verweist ein zugemauertes Fenster zugleich auf ein Jahrhundert, als das Niveau in der Nabburger Altstadt noch tiefer lag, und auf eine Etappe im Leben der beiden Bewohner. Bild: Bugl
Lokales
Nabburg
28.11.2014
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Wer das schmale alte Haus neben der Nabburger Kirche vor 15 Jahren sah, dachte nur an Abriss. Aber Elisabeth Troidl und Wolfgang Engel hatten sich verliebt. Von den 600 Jahre alten Balken und Bruchsteinmauern wussten sie da noch nichts, wohl aber von der grandiosen Aussicht.

Hässliche Türen aus den 60er Jahren und überall eine Verkleidung aus Nut- und Federbrettern: Das verstellte den Blick auf die verborgenen Reize des Altstadthauses, das Elisabeth Troidl und Wolfgang Engel im Jahr 2000 von der Stadt erworben hatten. Eine Herausforderung für die beiden Innenarchitekten, die damals noch in Hamburg lebten und mit dem Leben auf dem Land liebäugelten.

"Das Haus war wirklich in einem furchtbaren Zustand", erinnert sich die 48-Jährige mit Pfreimder Wurzeln und zeigt, was zwei kreative Geister hier bewegen konnten: Alte Treppenstufen wurden abgeschliffen und mit schlichtem Eisen kombiniert. Holzdecken haben einen Anstrich im Vintage-Stil bekommen, und freigelegte Balken und Bruchsteinmauern verströmen Behaglichkeit. Doch es sind die vielen Details und moderne Kunst, die dem Haus einen Charme jenseits der Hochglanzprospekte verleihen.

Wer das schmale alte Haus neben der Nabburger Kirche vor 15 Jahren sah, dachte nur an Abriss. Aber Elisabeth Troidl und Wolfgang Engel hatten sich verliebt. Von den 600 Jahre alten Balken und Bruchsteinmauern wussten sie da noch nichts, wohl aber von der grandiosen Aussicht. Bilder von Monika Bugl



"Das hier ist kein typisches Innenarchitekten-Haus", sagt die Bewohnerin mit Blick auf den Stilmix, auf den ihr Mann und sie sich geeinigt haben. "Mein Mann wollte eine große Küche und ein kleines Bad, mir war ein großes Bad und eine kleine Küche lieber", verrät sie. Irgendwie hat dann doch beides geklappt. Das Bad ist trotz der Dachschräge recht stattlich geworden, statt Fliesen bringt grauer Faserzement Ruhe in die Dusche, die ohne Kabine auskommt. Und eine Küchenzeile samt -insel mit grüner Front thront ansehnlich auf dem Podest neben dem großen Esstisch.

Darüber liegt das Schlafzimmer, darunter das Büro und auf gleicher Ebene ein kleiner Laden, der unter "Gemischtwaren" vor allem schöne Dinge versteht und mehr Hobby ist als Einnahmequelle. Fast zwei Jahre lang hat Elisabeth Troidl Bruchsteinmauern bearbeitet. "Ich kenne jeden Stein ganz genau", scherzt sie, "aber solche Sachen, die viel Liebe brauchen, muss man selber machen". Und wenn es immer noch bröselt? "Das gehört dazu", weiß die Expertin, die beim Renovieren selbst viel experimentiert hat.

Weniger das Dekorieren hat sie beim Einrichten der vier Wände gereizt als vielmehr ein Konzept, das die Bedürfnisse der Bewohner erfüllt. "Schränke zu stellen ist hier schwierig", so ihre Erfahrung im Altbau mit extrem schiefen Wänden. "Die meisten Möbel haben wir nicht ausgesucht, sie sind zu uns gekommen." Die Sitzgruppe beispielsweise war das Geschenk einer älteren Dame aus Hamburg und ziert jetzt das Rückzugszimmer der Innenarchitektin. Ähnlich ergeht es dem Paar mit Skulpturen und Bildern. Ein altertümlich wirkendes Porträt hat Platz neben wilden Skizzen in Schwarzweiß, ein Stück "Hamburger Himmel mit Wolken" samt Geweih füllt das zugemauerte Fenster, das zur Hälfte unter Boden-Niveau liegt. Viel Konkurrenz für den Blick aus dem Fenster, der das weite Naabtal überspannt. Das gilt auch für das Dachfenster im Flur mit den abstrakten Bildern gegenüber. "Mein französischer Blick", schwärmt die Innenarchitektin und deutet auf die gotischen Kirchenfenster nebenan: "Sieht doch fast so aus wie Notre Dame."
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