Heinrich liebt den Misthaufen

Fast in Vergessenheit geratene Pflanzen lernten die Besucher bei der Führung durch die Gärten des Oberpfälzer Freilandmuseums kennen. Bild: miw
Lokales
Nabburg
31.08.2015
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Pflanzen, die auf der roten Liste stehen, sind im Freilandmuseum immer wieder anzutreffen. Die Entwicklung und Ausbreitung der Wildpflanzen ist sogar Gegenstand eines Forschungsprojekts an der Uni Regensburg. Dazu gehört zum Beispiel der "Gute Heinrich". Er wächst auf dem Misthaufen beim Hüthaus besonders gut.

Bis heute sind Gärten fester Bestandteil der bäuerlichen Lebenswelt. Bei einer Führung durch die Gärten des Oberpfälzer Freilandmuseums, deren Pflege acht Personen beschäftigt, erhielten die Besucher Einblicke in die Geschichte des bäuerlichen Nutzgartens und lernten heute fast in Vergessenheit geratene Pflanzen kennen.

Seltene Vielfalt

Zusammen mit Bettina Kraus trotzten die Besucher der Hitze und starteten ihre Tour beim Garten des Denkenbauernhofs, zu dem neben einem kleinen "Samgarten" auch ein "Kälbergarten" (Weidegarten) gehört. Auf der Wiese wachsen dunkelviolette Kriechenpflaumen - auf bayrisch "Kraicherla" - eine mit Hauszwetschge und Schlehe verwandte Wildobstart, die meist als Strauch wächst, aber auch als Baum gezogen werden kann. Früher fest in der Landschaft verankert, ist sie heute immer seltener zu finden. Und wenn es nicht wie heuer extrem heiß ist und sie keine Früchte trägt, dann schmeckt sie auch sehr gut. Im Pflanzgarten wachsen Gemüse, Beerensträuchern und am Zaun entlang auch einige Zierpflanzen. Solche Vielfalt, wie sie heute in den Gärten des Freilandmuseums zu finden ist, war im 19. Jahrhundert noch unüblich, Gemüse diente meist als Zuspeise zu Getreidebrei, Kartoffeln oder Mehlschmarrn und musste mit Blick auf die kalte Jahreszeit gut lagerbar sein.

Erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm die Vielfalt in den Oberpfälzer Gärten zu. Eingezäunt waren die Gärten zu dieser Zeit meist mit Hanickelzäunen. Damals eine Billiglösung aus kümmerlich gewachsenen Fichtenstämmen, die oben angespitzt wurden, damit der Regen gut abläuft, ist ein solcher Zaun - bedenkt man die viele Handarbeit - heutzutage alles andere als günstig. Nachhaltig ist so ein Zaun in jedem Fall: Auch unbehandelt hält er bis zu 15 Jahre.

Weniger Gewürz als Deko

Vorbei am Hopfengarten ging es in Richtung Kräutergarten, wo neben bekannten Pflanzen, wie Rosmarin und Liebstöckl, auch unbekanntere Sorten wachsen wie das Marienblatt - auch Frauenminze genannt. Rosmarin diente anders als heute nicht als Gewürz, sondern wurde hauptsächlich zu Dekorationszwecken verwendet - bei Hochzeiten war er der Vorgänger der heute üblichen Myrten-Sträußchen. Auch bei Beerdigungen wurde er oft genutzt.

Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Sortenlisten. Seither nimmt die Artenvielfalt eher ab als zu. Damit altes Kulturgut erhalten bleibt, will das Freilandmuseum künftig verstärkt alte Sorten aus der Oberpfalz anbauen. Am 20. September kann man seine Schätze im Museum vorbei bringen und Ableger oder ein paar Samen spenden.
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