Hospizverein macht am Gymnasium das Sterben zum Thema
Letzten Weg nicht alleine gehen

Lokales
Nabburg
27.01.2015
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Skepsis war anfangs durchaus angebracht - ausgerechnet ein Vortrag zum Thema "Sterbehilfe" vor 16- und 17-jährigen Jugendlichen? Konnte das gut gehen? Die ehrenamtliche Sterbebegleiterin Michaela Koller und der Vorsitzende des Hospizvereins Schwandorf, der pensionierte Richter Dr. Wolfgang Laaths, haben das Experiment gewagt. Vor Schülern der zehnten und elften Klassen des Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasiums hielten sie gemeinsam ein Referat über dieses komplexe Thema. Zweifellos eine Gratwanderung - ist der Tod doch heute ein Tabu-Thema, von dem man meinen könnte, es sei für Jugendliche lebensweltlich zu weit entfernt. Doch weit gefehlt.

Gerade im Zusammenhang mit dem einwöchigen "Sozialen Praktikum" und als sensible Hinführung der JAS-Schüler auf ihre Begegnung mit schwer kranken und sterbenden Menschen in den Pflegeheimen konnten die Jugendlichen an den zahlreichen Erfahrungen teilhaben, von denen die Referenten berichteten. Dabei sollten auch Wege aufgezeigt werden, wie man mit alten und sterbenden Menschen würdevoll umgehen kann. Darüber hinaus ergaben sich im Rahmen dieser von Studiendirektorin Seibert-Kiener organisierten Religionsstunden auch zahlreiche Berührungspunkte mit den Lehrplanthemen des Sterbens bzw. der Trauerarbeit. Es sollte zudem kein rein ethisch-religiöser "Frontalvortrag" werden, denn es ging vielmehr auch darum, die überaus widersprüchlichen und kontroversen Argumente diskursiv und sachlich-neutral kennen zu lernen und das Für und Wider zu gewichten.

Mit existenziellen Fragen

In derartigen Gesprächsphasen ergaben sich dann nach Einschätzung der anwesenden Religionslehrkräfte Seibert-Kiener und Fischer viele wertvolle abitur-relevante Berührungspunkte mit dem gymnasialen Oberstufenlehrplan. Beispielsweise konnten die gründlich vorbereiteten Referenten anschaulich, kompetent und nachvollziehbar darstellen, dass bereits die Frage nach dem "Wann" des Sterbens zahlreiche ethische, moralische, aber auch juristische Problemfragen mit sich bringt.

Der Jurist Dr. Laaths informierte daher auch über die aktuelle Gesetzeslage und blickte dabei auf das benachbarte Ausland und die dortigen rechtlichen Gegebenheiten. Im Raum standen letztlich gewichtige existenzielle Fragen: Wer darf im Ernstfall über das Leben eines Menschen verfügen? Ist es sinnvoll, einen Menschen um jeden Preis am Leben zu erhalten? Und was ist, wenn der Patient seinen Willen nicht mehr äußern kann? Mit diesen Gedanken, mit denen sich Menschen in manch schweren Notlagen des Lebens konfrontiert sehen, verließen die Jugendlichen nach ertragreichen 90 Minuten nachdenklich den Vortragsraum.
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