Keine Satire ohne Toleranz

Die Schüler der Q 11 des Gymnasiums werden diese beiden Unterrichtsstunden so schnell nicht vergessen: Der aus Passau stammende Kabarettist Bruno Jonas kam zu ihnen in den Prüfungsraum, um darüber zu diskutieren, was Satire und Humor können und dürfen. Zum Dank für seinen Besuch bekam er kleine Geschenke überreicht. Bild: jua
Lokales
Nabburg
27.02.2015
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Der niederbayerische Kabarettist und Autor Bruno Jonas besuchte das Schmeller-Gymnasium. Vor dem Hintergrund des Anschlags auf "Charlie Hebdo" in Paris erläuterte er, wie weit seiner Meinung nach Satire und Humor gehen dürfen.

"Mensch, da müsste man ja mal rein fahren", hat sich der Passauer angeblich jedes Mal beim Vorbeifahren an Nabburg auf der Autobahn gedacht. Auf Einladung des Schulleiters Franz-Xaver Huber und dessen Tochter nahm er nun den steilen Weg zum Schulberg auf sich, um vor einem Auftritt in Schwandorf mit Schülern der Q 11 und Lehrern zu diskutieren. Als jahrzehntelanger Fan wusste Huber noch aus einem Zeitschriften-Interview von 2008, dass Bruno Jonas damals schon im humorvollen Umgang mit dem Islam zur Vorsicht gemahnt hat.

Mit einem Religionswitz, bei dem es für einen sterbenden Juden der allerletzte Wunsch ist, katholisch zu sterben, "damit es einen von denen trifft", brachte Jonas sofort alle Lacher auf seine Seite und packte das Thema beim Schopf. Anekdoten aus seiner Schulzeit und Zitate von Persönlichkeiten dienten während der beiden Unterrichtsstunden als Diskussionsmaterial. Oft zitierte er Kurt Tucholsky, der Humor, Satire und Karikatur zerpflückte: Humor ist zum Beispiel die "Windstille der Seele" oder "Satire darf nicht fragen, was sie darf".

Humor im Umgang mit der Religion und dazu eine Portion Meinungsfreiheit lösen von jeher große Differenzen aus, wusste Jonas: Wie hatte man sich doch über den Matthäus- Vers "Und sie brachten Kindlein zu ihm, dass er sie anrührte" zum Thema Missbrauchsfälle in der Kirche belustigt? Wie oft wurde der Dalai Lama karikaturistisch schon auf die Schippe genommen? Und alles wurde ohne Gewalteinwirkung hingenommen. "Warum sind die Muslime so problematisch?", stellte der Kabarettist eine Kernfrage in den Raum. "Einen wirklich Gläubigen juckt der Witz nicht", meinte er. Wird jemand aber in seiner Religiosität verunsichert, wird er deshalb den Islam bis aufs Letzte verteidigen. Deshalb ist es für Bruno Jonas ein Gebot: Satiriker sind aufgefordert zu tolerieren und zu respektieren, was dem Anderen wichtig ist.

Die Franzosen an sich seien selbstbewusster, lassen sich nicht bevormunden und befürworten den hohen Stellenwert der Aufklärung. "Sie haben eine ganz andere Mentalität", pflichten die Schüler aus eigenen Erfahrungen mit ihren Austauschschülern bei. "Darf man bei uns alles sagen?" - fragte Jonas schließlich in die Runde. Nein, das fange schon in der Schule an, feixte ein Schüler. Man war sich letzten Endes einig: Wer kritisiert, muss auch Verantwortung dafür übernehmen. Das sei in der Satire nicht anders. Für die musikalische Begleitung des Besuchs sorgte die Big Band des Gymnasiums unter der Leitung von Johannes Windisch.
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