Kirchenkompositionen von Weltruhm

Der Kirchenkomponist Michael Haller, wurde am 13. Januar 1840 in Neusath geboren. Sein Todestag jährte sich am 4. Januar zum hundertsten Mal. Dieses Porträt befindet sich im Besitz des Stadtarchivs Nabburg.
Lokales
Nabburg
10.01.2015
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Wer den Ortsnamen Neusath hört, denkt an das Oberpfälzer Freilandmuseum, vielleicht noch an die Freiherrn von Lichtenstern und die Schlossschänke. Michael Haller fällt den wenigsten ein.

Seit 1814 leben die Freiherrn von Lichtenstern in Neusath. In ihren Diensten als Gutsverwalter stand ab 1832 Johann Haller. Ihm und seiner Ehefrau Kunigunde wurde am 13. Januar 1840 als viertes Kind Sohn Michael geboren, der als Kirchenkomponist Weltruhm erlangte. Die volkstümlichen Marienlieder "O Stern im Meere" und "Rosenkranzkönigin" stammen aus der Feder Hallers.

Den Grundstein für Hallers Werdegang legten der Schullehrer Franz Rieger in Perschen, der Knabenschullehrer Leopold Trier und der Stadttürmer Franz Michael Walter in Nabburg. Am 26. Juni 1914 feierte der Geistliche Rat und Kanonikus Haller das Goldene Priesterjubiläum. 50 Jahre zuvor hatte ihn Bischof Ignatius von Senestrey, dessen Großvater aus Graubünden nach Nabburg eingewandert war, im Hohen Dom geweiht. Anschließend feierte der Neupriester in der Schlosskapelle Neusath seine Primiz.

Nach dreijähriger Tätigkeit als Präfekt an der Dompräbende berief ihn der Bischof 1867 zum Inspektor des Studienseminars und Stiftskapellmeister am Kollegiatstift Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle. Außerdem lehrte Haller seit 1874 an der Regensburger Kirchenmusikschule die Fächer Komposition und Kontrapunkt. 1899 rückte er zum Kanonikus auf.

"Mozart" im Jugendwerk

In Hallers Werkverzeichnis finden sich 112 Opera, darunter vier- bis achtstimmige Messen, Litaneien, Motetten, Psalmen, Kantaten, Oratorien und Lieder. Daneben komponierte er auch weltliche Musik, zum Beispiel das Singspiel "Mozart" (op. 28). Zum 110. Geburtstag Hallers führte es der Nabburger Kirchenchor am 4. März 1950 im Jugendwerk auf. Den "Mozart" interpretierte Josef Behrens, dessen Schwester "Nannerl" Margot Pürner, verheiratete Geitner.

Sie erinnert sich noch lebhaft an die von Opernsänger Rudolf Stoll vermittelten Rokoko-Kostüme aus dem Stadttheater Regensburg und das Duett "Lasst uns auf zum Himmel schauen!" Unter Leitung des Chorregenten Nepomuk Desing begeisterten die Sänger zuvor mit dem Kyrie aus der Bischof-von-Senestrey-Messe (op. 25), dem Sanctus aus der Heinrichs-Messe (op. 24), dem sechsstimmigen "Coenantibus" (op. 16) und dem siebenstimmigen "Hodie Christus" (op. 99).

Nach 1849 fand 1904 in Regensburg wieder ein Katholikentag statt. Er stand unter dem Motto "Alles erneuern in Christus", mit dem auch der damalige Papst Pius X. sein Pontifikat begann. Zum festlichen Empfang der rund 20 000 auswärtigen Teilnehmer erklang eine Hymne für gemischten vierstimmigen Chor aus 350 Sängern, den die Kapelle des 11. Infanterie-Regiments untermalte. Der Text stammte von Stadtpfarrer Franz Lehner aus Schönsee, die Begleitmusik von Michael Haller.

Päpstliches Verdienstkreuz

Zum Goldenen Priesterjubiläum erreichten Stiftskanonikus Haller, den Papst Leo XIII. 1888 mit dem Verdienstkreuz "Pro ecclesia et pontifice" ausgezeichnet hatte, zahlreiche Würdigungen. Besonders gefreut haben dürfte ihn der Brief des Diözesanbischofs Antonius von Henle, der unter anderem schrieb: "Sie haben in dem langen Zeitraum von einem halben Jahrhundert auf dem Gebiete der katholischen Kirchenmusik-Reform als hervorragender Komponist, als langjähriger erfolgreicher Stiftskapellmeister und hochangesehener Lehrer an der Regensburger Kirchenmusikschule eine so segensreiche Wirksamkeit entfaltet, daß Ihr Name mit dieser Reform wie mit der Geschichte der klassischen Kirchenmusik überhaupt für immer aufs Innigste verknüpft sein wird."

Auch der Regensburger Bürgermeister Josef Bleyer gratulierte dem angesehenen Mitbürger: "Ich gestatte mir, Euer Hochwürden Hochwohlgeboren meine wärmsten Glückwünsche zum Ausdruck zu bringen. Möge der Allgütige Ihnen noch viele Jahre in bester Gesundheit schenken und Sie der Stadt Regensburg recht lange erhalten!"

Johann Baptist Mehler schrieb in "Der Oberpfalz" unter anderem: "Hallers ganzes Leben und Wirken war still und zurückgezogen, er liebte nur die Verborgenheit. Überaus freundlich im Umgang, gefällig und bereit, jedermann entgegenzukommen, ist der berühmte Kirchenkomponist in ganz Regensburg hochangesehen und bei seinen Schülern allzeit beliebt. Daß der geniale Meister sein überreiches Kunstschaffen dem reinen Kirchenstil gewidmet hat, begründet die wahre Größe seines Charakters."

Auch in Nabburg wurde der "Palestrina des 19. Jahrhunderts" gefeiert. Beim Patroziniums St. Johannes Baptist erklang am 28. Juni 1914 beim Hochamt seine Musik. Das hiesige Amts- und Lokalblatt schrieb: "Die vorgeschriebenen Gesänge wurden anlässlich des 50-jährigen Priesterjubiläums von Kanonikus Michael Haller durchwegs den Werken dieses berühmten und in allen Erdteilen gefeierten Komponisten entnommen. Die fünfstimmige Michaels-Messe wirkte mächtig und erhebend in unserer der Akustik vorzüglich entgegenkommenden herrlichen Pfarrkirche."

Straße gewidmet

Bald nach seinem Jubiläum erlag Michael Haller am 4. Januar 1915 in Regensburg den Folgen einer Influenza. Tragischer Weise litt der Kirchenkomponist - wie Ludwig von Beethoven - unter Schwerhörigkeit, die fast bis zur Taubheit führte. Begraben wurde der gebürtige Neusather, dem eine Straße in Nabburgs Westen gewidmet ist, drei Tage später auf dem Unteren Friedhof in der Hauptstadt der Oberpfalz.
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