Kirchenlieder nach Kuh-Gemuh

13 Jahre leitete Franz Josef Schneider das Landwirtschaftsamt. Bild: Völkl
Lokales
Nabburg
13.12.2014
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Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an - ob Franz Josef Schneider gestern an seinem Geburtstag den Udo-Song geträllert hat? Der Mann, der 13 Jahre das Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten leitete, hat ein anderes Faible: Er singt im Chor mit Begeisterung ugandische Kirchenlieder.

(cv) Ein fester Händedruck, ein nettes Gespräch - Franz Josef Schneider wird von seiner früheren Sekretärin Annemarie Wagner herzlich begrüßt, als er im Nabburger Amt vorbeischaut. Fast 14 Jahre, bis März 2012, leitete er die Behörde, bis er das Angebot der Altersteilzeit annahm. Das passte zum Arbeitszeitmodell seiner Frau Christine, mit der er die gemeinsame Zeit genießt. Und an Steckenpferden mangelt es nicht. Musik und Geschichte - dafür hat Schneider endlich Zeit und Muße.

Zwischen GAP und Kulap

Doch ganz ausblenden lässt sich die Landwirtschaft, die in der EU-Förderkulisse zwischen GAP, Greening und Kulap eine Wissenschaft für sich geworden ist, nicht. Er war immerhin Jahrzehnte mit ihr "verbandelt". Der gebürtige Regensburger war zunächst am Tierzuchtamt Regensburg "für die Schweine" zuständig und übernahm später die Abteilung Rinderzucht. Schneider managte unter anderem als Projektleiter den Bau des Tierzuchtzentrums Schwandorf.

1997 begann dann die längste und letzte berufliche Etappe: Die Leitung des Amtes für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten am Doppelstandort Schwandorf/Nabburg. Schon die Namensänderungen, mal mit, mal ohne "Ernährung", dann mit "Forsten" zeigt: "Es war eine Zeit der Umstrukturierungen". In Nabburg mit Schulstandort und dem Bereich "Förderung" mussten die Facetten der EU-Politik mit der Landwirtschaft vor Ort in Einklang gebracht werden. "Es gab viel Neuland", erzählt Schneider. Die 5-b-Stelle managte Projekte im Oberpfälzer Seenland. "Wir haben uns reingehängt", macht er den Kollegen ein Kompliment. Und die Hauswirtschaftabteilung habe mit dem "Lernort Bauernhof" die Landwirtschaft bayernweit ins rechte Licht gesetzt. Schneider freut sich mächtig, wenn er liest, dass die beim Rinderzuchtverband Schwandorf gemeldete "Liberty" "Miss Germany" ist. Um unter der EU-Glocke mitzuhalten, musste die Milchproduktion gesteigert werden. "Dabei durften die Betriebskosten nicht weglaufen". Schneider forcierte die Beratung im Stallbau und bei der Fütterung.

Wo nun Verwaltung und Förderung die Schwerpunkte bilden, lag früher das Hauptaugenmerk auf Beratung. "Meine Leute haben sich schnell in neue Aufgabenfelder eingearbeitet", denkt Schneider an die ersten Biogasanlagen zurück. Das selbe gelte für die Flut an Förderanträgen, die es akribisch zu bearbeiten gab, "damit der Rechnungsprüfungshof nichts findet". Die EU-Politik werde viel geschmäht, "doch wo wären die Alternativen gewesen?" Ohne die Förderprogramme hätte es einen Strukturbruch, unbewirtschaftete Gebiete gegeben. "Es wird nicht einfacher", resümiert er und ist irgendwie auch glücklich, dass er sich anderen Themen widmen kann.

Eintauchen in Geschichte

Im Landkreis Schwandorf ist er dem Rotary-Club sehr verbunden, übernahm auch gerne für ein Jahr das Präsidentenamt und fährt zum wöchentlichen Meeting. Gefragt sind Schneiders geschichtliche Vorträge. Er schwärmt von der letzten Bayerischen Landesausstellung in Regensburg. Nach dem ersten Überblick vertieft er sein Wissen durch Fachlektüre, bis er "absolut sattelfest" ist. Seine Vorträge sind gefragt. Auch wenn eine Erzeugergemeinschaft einen Festvortrag plant und einen fundierten Beitrag braucht, klopft sie nicht vergebens bei Schneider an.

Doch sein Herz gehört der Musik. Begeistert singt der Jazz- und Klassikfreund an seinem Wohnort Kareth auch im Kirchenchor. Die Familie - Schneider hat drei Kinder - macht Hausmusik und seit zwei Jahren hat der 66-Jährige sein Faible für einen Projektchor entdeckt, der sich europäisch-afrikanischer Kirchenmusik widmet. "Für den Katholikentag haben wir die Krönungsmesse und zehn ugandische Kirchenlieder einstudiert", erzählt Schneider vom Benefizkonzert "Himbisa Mukama". Leiter Joseph Wassawa "verlangt uns da ganz schön was ab. Doch wenn dann der Rhythmus auf die Zuhörer überspringt. . . Nächstes Jahr treten wir im Audimax auf." (Hintergrund)
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