Kleine Schritte auf langem Weg

Die Sitzplätze reichten bei weitem nicht aus. Um die 80 Zuhörer fanden sich im Sitzungssaal (hier ein Ausschnitt) des Nabburger Rathauses ein, um die Beschlussfassungen des Wasser-Zweckverbandes der Brudersdorfer Gruppe mitzuverfolgen. Bilder: Amann (2)
Lokales
Nabburg
25.02.2015
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Bei der Sanierung ihres Leitungsnetzes steht die Brudersdorfer Gruppe vor einem Marathon. Der Wasser-Zweckverband entschloss sich nun, heuer nur eine kleine Etappe davon zurückzulegen. Er beschränkt seine Baumaßnahmen auf die Orte Windpaissing und Hohersdorf.

So voll war der Sitzungssaal im Nabburger Rathaus noch selten. Rund 80 Zuhörerer hatten sich am Montagabend eingefunden, um die Sitzung des Zweckverbandes zur Wasserversorgung der Brudersdorfer Gruppe mitzuverfolgen. Der Verbandsrat Florian Burth aus Inzendorf (Gemeinde Schmidgaden) wollte zunächst erreichen, dass sie mehr erfahren als von der Sitzungsleitung geplant. Er beantragte, drei Tagesordnungspunkte aus dem nichtöffentlichen in den öffentlichen Teil zu verlegen, scheiterte damit allerdings mit 2:6-Stimmen.

50 Jahre altes Netz

Der Diplom-Ingenieur Norbert Winter aus dem Amberger Ingenieurbüro Seuss schilderte ausführlich den Stand der Vorplanung für die Sanierung des 34 Kilometer langen Leitungsnetzes, das großteils aus den Jahren 1965/66 stammt. Das Problem liege in einer Vielzahl an Rohrbrüchen und steigender Störanfälligkeit, wofür er eine Materialermüdung verantwortlich machte. Um Trinkwasserbedarf zu decken und Löschwasserversorgung zu sichern, brauche man ein intaktes Rohrnetz ohne Druckschwankungen. Die Speicherkapazitäten und die Verteilung des aus Nabburg bezogenen Wassers über die Hochbehälter in Diepoltshof und am Kulm seien in Ordnung, doch an den Leitungen bestehe dringender Handlungsbedarf. Anhand einer hydraulischen Übersicht zeigte er auf, wo die Schwachstellen liegen.

Verbandsrat Florian Burth zitierte aus einem Buch, wonach Längsrisse in Rohren keine Folge von Verschleiß sondern ein Anzeichen für Überdruck seien. Er regte an, Druckminderer und Einzelpumpwerke einzubauen, um das System besser steuern zu können. "Jeder Betriebspunkt kostet zusätzliches Geld", trat Winter diesem Vorschlag entgegen. Mit 6:2-Stimmen billigte der Zweckverband schließlich die Vorplanung. Die Gegenstimmen kamen, wie bei späteren Entscheidungen, von den Räten Florian Burth und Christian Pröls (beide Gemeinde Schmidgaden).

Warten, was München macht

Nachdem die Sanierungen in Diepoltshof und Passelsdorf im Zuge des Kreisstraßenbaus bereits erledigt worden waren, hatte der Verband zunächst vor, in diesem Jahr weitere acht Ortsteile in Angriff zu nehmen. Dieser Bauabschnitt für Rottendorf, Hohersdorf, Inzendorf, Kadermühle, Obersteinbach, Windpaissing, Ragenhof und Fraunberg war mit etwa 2,8 Millionen Euro veranschlagt worden. Angesichts der ungeklärten Beschlusslage des Landtags - eine Entscheidung über Härtefallregelungen steht noch aus - stellte sich nun allerdings die Frage, ob man zeitnah weiterarbeiten oder doch noch zuwarten solle. "Die Aussichten auf eine Förderung stehen nicht sehr gut", gab Geschäftsführer Hans Werner zu bedenken. Weitere Verzögerungen würden auch die Kosten erhöhen: Der Aufwand für Reparaturen steige, weitere Wasserverluste drohten, die Baukosten erhöhen sich jährlich, und der Ingenieur-Vertrag beinhalte drei Ausschreibungsblöcke, jeder weitere koste zusätzliches Geld. Außerdem sei zu befürchten, dass der Verband im Herbst auch nicht mehr wisse als heute. Hohersdorf und Windpaissing sollten heuer allerdings auf alle Fälle gemacht werden, weil dort auch anderweitige Baumaßnahmen laufen.

Im Wissen, dass die Sanierungen insgesamt sehr wahrscheinlich noch teurer werden, will der Verband abwarten. Er beschloss einstimmig, jetzt nur die Leitungsbauten in Hohersdorf und Windpaissing auszuschreiben. Sie sollen gemeinsam mit Dorferneuerung (Hohersdorf) und Kanalbau (Windpaissing) erledigt werden, um mögliche Synergie-Effekte nutzen zu können. Der Verband beauftragte seinen Vorsitzenden, die Ausführungsplanung bei Vorlage zu genehmigen. (Hintergrund)
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