Kunst mit heiterer Note

Lokales
Nabburg
14.03.2015
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"Männer und Frauen und so" sind im Schmidt-Haus zu sehen. Dort stellen zwei Karikaturistinnen aus. Was sie zeigen, wirkt durchaus auch unterhaltsam.

"So etwas hatten wir noch nicht", konstatierte Bürgermeister Armin Schärtl eingangs seiner Grußworte, und auch sein Amtsvorgänger Josef Fischer resümierte später begeistert: "Einfach köstlich!" Zusammen mit den Vernissage-Gästen hatte wohl jeder ein Fünkchen seiner selbst entdeckt angesichts der karikativ-lupenreinen Wesensbilder von "Männern und Frauen und so".

"Fangen wir mit den Frauen an!", schien daher zwangsläufig für Museumsleiterin Christa Haubelt-Schlosser das richtige Entré für ihre Laudatio, ist die aktuelle Ausstellung doch das "Hand-Werk" - und nie war der Begriff wohl zutreffender als hier - der beiden Zeichnerinnen Angelika-Luise Stephan und Ulrike Martens. Denn Letztere entdeckte zufällig beim Aufheben eines zu Boden gefallenen Stiftes ihre Fähigkeit, auch links- und somit sogar beidhändig zu zeichnen. Von diesem "Virus" ließ sich später auch ihre Kollegin anstecken. Obwohl beide als "Kinder des Ruhrpotts" in Gelsenkirchen geboren, lernten sie sich erst 2013 bei der "Caricatura" in Kassel kennen.

Nur das Leben ist ernst

Dabei könnte die Vita der beiden kaum unterschiedlicher sein: Ulrike Martens liebäugelte erst mit Kunstgeschichte und Archäologie, studierte dann aber doch Kunst nebst Pädagogik und Psychologie an der Uni Essen. Die dabei entdeckte Technik perfektionierte sie zum Markenzeichen ihrer "Comic-Karriere", im Zuge einer Dissertation zwangsläufig gepaart mit feinsinniger Beobachtungsgabe. An ihrem Wohnort Moers schreibt sie aktuell an ihrer Doktorarbeit über Kreativitätsforschung und - natürlich - dem Phänomen linkshändigen Zeichnens.

Angelika-Luise Stephan machte sich bereits als Studentin der Kunstakademie Düsseldorf einen Namen mit der Gruppe "The Küchentheater", kam in Kontakt mit Joseph Beuys und verselbständigte sich dann als Malerin und Bildhauerin. Dafür und für ihr Kabarett-Engagement erhielt sie zweimal den Förderpreis ihrer Heimatstadt. Neben Bühnenbildassistenz, digitalem Produkt- und Coverdesign dozierte sie Comiczeichnen, speziell auch für Kinder. Nach ihrem Umzug ins oberpfälzische Wölsendorf bei Nabburg gab "Frau Stephan" zudem ihr eigenes Magazin "Hormonellas" heraus.

Schillers Motto "Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst", besonders die "Komische Kunst" führte dieses kulturelle Genre langer Tradition nun beide Künstlerinnen in Nabburg zusammen. Dank ihnen hängen im Schmidt-Haus nun unter anderem 21 Porträts "unbedeutender Männer", deren pure Existenzberechtigung nicht zuletzt darin besteht, dem "amüsierten, niemals denunzierenden, höchst humorvollen und ironischem augenzwinkerndem" spiegelbildlichen Blick auf uns selbst zu dienen. Oder die dominanten Frauen, stil(l)isiert in "typisch emotionalen Momenten", gegenübergestellt jenen illustrierten Wortspielen aus dem Bereich Politik sowie pointiert bebilderten und lesenswert getexteten Alltags-Geschichten von Menschen - allseits bekannt aus der Familie, dem Freundeskreis, der Nachbarschaft - mit all ihren mit Macken, Träumen und Verirrungen, detailliert beobachtete und reizend-geistreich überzeichnet.

Für einen Selbstversuch zumindest in Sachen Besuch hat die Ausstellung im Schmidt-Haus noch bis 26. April geöffnet.
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