Kurzes Erwachen zu Pfingsten

Diese nachkolorierte Postkarte aus dem Verlag Hermann Leingärtner zeigt die Sternwirtskapelle (im Vordergrund) um 1900. Bild: Archiv Haubelt
Lokales
Nabburg
23.05.2015
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Sie selbst ist wie ihre Geschichte: 150 Jahre alt und meist verschlossen. Nur einmal jährlich, am Pfingstmontag, erwacht die "Sternwirtskapelle" ganz kurz aus ihrem Dornröschenschlaf.

Alle Informationen zu Papier gebracht, würde das kaum jene paar Quadratmeter an Platz bedecken, die das Kapellchen am Roten Bühl für sich selbst und seine zwei "Bewacher" benötigt. Eine der uralten Linden, schon vor Jahrzehnten nicht spurlos "verarztet", musste heuer, ausgerechnet zum Jubiläum in Folge von Kanalarbeiten gefällt werden. Was hätte sie an Geschichte(n) aus ihrer Jugendzeit erzählen können?

Nicht viel da

Nur ein kleines Schriftenbündel kann das Stadtarchiv zur Nachforschung beitragen. Der Inhalt: Zuerst ein Antrag des Maurergesellen Wolfgang Leipold zur Errichtung einer Kapelle, an dem Platz, "wo ein Missionskreuz aufgestellt ist und bei der Prozession um die Felder die Evangelien abgehalten werden". Desweiteren ein Briefwechsel bis zur amtlichen und bischöflichen Baugenehmigung aus Regensburg vom 8. August 1865, die den hiesigen "Tafernwirtseheleuten Katharina und Andreas Sperl" erlaubt, eine "Feldkapelle" auf dem Roten Bühl zu errichten.

Dem Nabburger Magistrat trägt man auf, die Grundstücks- und Unterhaltsfrage sowie private und öffentliche Nutzung zu klären. Rätselhaft bleibt, warum ein später angebrachtes Täfelchen einen "Franz Sperl" als Erbauer nennt. Darüber hinaus wird ein konkreter Anlass bzw. Hintergrund weder schriftlich noch mündlich tradiert.

Nicht mehr verfolgt

Generationen später hätte sich auch der ehemalige Sternwirt Eugen Podlesny für all das interessiert. Doch nach dessen Tod verfolgte die mit der Recherche beauftragte, mittlerweile ebenso verstorbene Heimatkundlerin Dr. Berta Ritscher ihre letzte Spur ins Staatsarchiv Amberg leider nicht mehr weiter.

Äußerlich im bauzeitlich modernen, (neu-)gotischen Stil errichtet, eröffnet die dazu passend verzierte Flügeltür den Blick auf den Altar, der als Andachtsmotiv die Heilige Familie vor der Silhouette Jerusalems auf dem Weg zum Paschafest zeigt. Datiert auf 1865 und signiert mit "K. Ruff - Winklarn" lässt sich das Gemälde eindeutig dem bekannten Risszeichner der dortigen Glasmalschule zuweisen.

Bitten und Danken

Bei hoffentlich passendem Wetter wird die Flurprozession auch heuer wieder hier Station machen - vielleicht 2015 nicht nur zum "Bitten", sondern auch zum "Danken", dem Erbauer vor 150 Jahren.
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