Mit extremer Stimmungskurve

Tenor Oliver Uden und Gitarrist Achim Langenkaemper trugen an der Rauberweihermühle Schuberts Liederzyklus "Die schöne Müllerin" vor. Bild: tie
Lokales
Nabburg
29.05.2015
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Zwei Musiker widmeten sich eindrucksvoll dem berühmten Liederzyklus "Die schöne Müllerin" von Franz Schubert. Sie spielten im Freilandmuseum und fanden dort einen idealen Schauplatz vor.

Schönes Wetter ermöglichte es dem Tenor Oliver Uden und dem Gitarristen Achim Langenkaemper, hinter der Rauberweihermühle zum Seeufer hin den 1823 entstandenen Liederzyklus "Die schöne Müllerin" von Franz Schubert vorzutragen, so wie es der Komponist mit seinen Freunden schon damals im Freien gerne tat. Störende Geräusche gab es nicht, und wenn eine Ente zuweilen ihre Stimme erhob, dann passte dies in die musikalische Gestaltung der Liederfolge an einer Mühle hinein.

Sie bildet eine punktuelle Erzählungskette, in der jedes einzelne Lied die innere Entwicklung der Liebe eines wandernden Müllergesellen zu einer jungen Müllerin schildert. Dementsprechend weit gefächert sind die jeweiligen Stimmungen, die sein Denken, und damit sein Singen prägen. Deshalb verlangen etliche Strophenlieder bei gleicher Melodie unterschiedliche Phrasierungen, um in jedem Fall den angemessenen Ausdruck zu finden. Und das gelang Oliver Uden tadellos. Ebenso schaffte es Achim Langenkaemper, die Töne des Klavierparts auf seiner Gitarre darzustellen, selbst wenn sein Instrument keinen Ton halten kann.

Auf jeden Fall waren beide Musiker so engagiert bei der Sache, dass man ihnen die Darstellung des schweren Schicksals der männlichen Hauptperson ohne weiteres glaubte. Der Müllergeselle ist, wie damals zwecks Erlernung des Berufs üblich, auf Wanderschaft und voll froher Erwartung, wenn er freudig meint "Das Wandern ist des Müllers Lust". Er "hört ein Bächlein rauschen" und folgt ihm, ohne zu ahnen, dass es sein Schicksal bestimmen wird.

An der Mühle am Bach bekommt er eine neue Arbeitsstelle. Weniger die neue Stelle begeistert ihn, vielmehr ist es die junge Müllerin, die sein Interesse weckt. Er rechnet sich Chancen aus und singt am Höhepunkt seiner Gefühle "Bächlein, lass dein Rauschen sein...die geliebte Müllerin ist mein". Jedoch taucht ein störender Nebenbuhler auf: "Was sucht denn der Jäger am Mühlbach hier?" Seinen Ärger bringt der Müllerbursch in Staccato-Tonfolgen ausdrücklich zu Gehör. Eine Glanzleistung von Oliver Uden!

Der Jäger hat mehr Erfolg bei der Müllerin, diese schreckliche Einsicht verdaut der Geselle nicht. Er kann nicht weiterleben ohne sie, deshalb besingt er die "böse Farbe Grün" des Jägers und stellt fest "Ach Bächlein, du meinst es so gut". Das letzte Lied des Zyklus heißt "Des Baches Wiegenlied" und bedeutet, dass der unglückliche Geselle den Tod im Wasser gesucht und gefunden hat. Das Gewässer versucht das Unsägliche noch abzumildern und meint: "Die Treu ist hier, sollst liegen bei mir. Schlaf aus deine Freude, schlaf aus dein Leid."

Von höchster Liebeserwartung bis zur tödlichen Enttäuschung, so extrem bewegt sich die Stimmungskurve in der Liedfolge. Die klare Stimme des Sängers teilte das Schicksal des Gesellen überzeugend mit, die Gitarre gestaltete taktlich freier als sonst üblich, aber stets der Aussage verpflichtet: So vermittelten beide Künstler ihren Zuhörern einen besonders gelungenen Musikgenuss in schöner Natur.
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