Mit "Holz vor der Hütt'n" geizen

Musuemsleiterin Dr. Birgit Angerer gelangt der Spagat von der doppeldeutigen Redenart zur Nachhaltigkeit. Bild: hfz
Lokales
Nabburg
23.01.2015
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Die Gästeführer haben sich in einer Arbeitsgemeinschaft organisiert. Bei ihrer Jahreshauptversammlung erfuhren sie, was es mit dem "Holz vor da Hütt'n" auf sich hat.

Der Mitgliederstand der Arbeitsgemeinschaft der Gästeführer hat sich verdoppelt. Nach den Worten der Vorsitzenden Irene Ehemann bei der Jahreshauptversammlung im Schmidt-Haus stieg die Zahl von 13 auf 26. Die neuen Mitglieder kommen aus dem gesamten Landkreis, unter anderem aus Pfreimd, Wackersdorf und Schwandorf. Die Zahl der Gästeführer der Stadt Nabburg ist gleich geblieben. Die Arbeitsgemeinschaft ist laut Ehemann dem Dachverband angegliedert. Die Mitglieder sind bei ihrer Tätigkeit als Gästeführer versichert.

Im Zuge des Leader-Kooperationsprojektes "Gästeführerqualifikation Oberpfälzer Wald" erlangten 2014 auch zahlreiche Teilnehmer aus dem Landkreis ihr Zertifikat. Für das laufende Jahr stehen Fortbildungen und die Kontakte zu den Bereichen Heimatpflege, Archivrecherche, Forschung und Projektplanung an. Ein Ausflug nach Bamberg ist geplant.

Dr. Birgit Angerer lockerte nach den Regularien die Versammlung mit dem Vortrag mit dem zweideutigen Titel "Holz vor da Hütt'n" auf. Die Leiterin des Freilandmuseums Neusath-Perschen stellte jedoch gleich klar, dass sie nicht über die Redensart philosophieren werde, wonach man zum Tragen eines Dirndl ordentlich Holz vor der Hütte haben müsse. Das geschlagene Holz lag vielmehr vor "da Hütt'n" und war Indikator dafür, wie viel verbraucht werden dürfe, damit am Ende des Winters noch Heizmaterial vorhanden sei. Joachim Radkau nennt, so Angerer, das 18. und frühe 19. Jahrhundert das "hölzerne Zeitalter", und tatsächlich spielen Holz und Wasserkraft bis weit in das 19. Jahrhundert eine große Rolle bei der Energieerzeugung. Holz war für die Menschen wichtig, und so war der Zugang zu mehr Holz eine der Kernforderungen der Deutschen Bauernkriege. Holz sparen war für das Überleben wichtig, und es wurde versucht, möglichst am häuslichen Brennholz zu sparen.

Nach der Rußkuchl war der Museumsleiterin zufolge eine großartige Neuerung der Sparherd. Dieser verbrauchte weniger Holz und diente gleichzeitig als Ofen zum Beheizen der Stube. Der Einbau von kleinen Fenstern und niedrigen Türen war ebenfalls eine Maßnahme, um Wärmeverlust zu verhindern. Angerer kam auch auf die Nutzung der fossilen Brennstoffe und die Nachhaltigkeit zu sprechen. Sie wies darauf hin, dass im Freilandmuseum anschaulich vermittelt werde, wie Nachhaltigkeit aussehe: "Es wird jährlich nicht mehr Holz aus dem Wald geschlagen, als in einem Jahr nachwächst."
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