Mitten aus dem Leben

Lokales
Nabburg
29.11.2014
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Hintersinnig sind sie, immer a bissl gemein, auch wenn sie sanft daherkommen, bisweilen krachert und derb, aber nie verletzend oder vernichtend - und die ganz g'schert'n Gschicht'n hat der Altendorfer Altbürgermeister Georg Killermann einfach weg gelassen. Er schreibt sie nicht, er erzählt sie auch nicht .

Unterhaltsam-heiter ist die Stimmung bei der Lesung aus Killermanns neuestem Buch "Du vielleicht, i niat!", zu der Hildegard Pirzer am Donnerstag in der Buchhandlung Westiner die passende Musik beisteuert. Es sind Wirtshausgeschichten, Anekdoten, wie sie überall auf dem Land vorkommen und langsam in Vergessenheit geraten. So nicht in Altendorf, denn Killermann schreibt sie auf.

Es sind Begebenheiten mitten aus dem Leben, manchmal unfreiwillig komisch, um Originale wie den Zapf, dem Killermann mit seinem ersten Buch "3 Knackwürst' und 3 Semmeln" ein Denkmal gesetzt hat. Eine Welt, die untergeht, weil's keine Originale, dazu zählen auch der "Zehnerl" aus Willhof oder der verstorbene Wirt Robert Schiesl, mehr gibt. Eine Welt, die aber auch ausstirbt, weil auf den Dörfern Schule und Wirtshaus sterben, die Kirch' noch im Dorf ist, der Pfarrer aber oft schon lange nicht mehr.

Die Geschichten drehen sich immer um die essenziellen Dinge des Lebens: Geburt, Heirat, Ehe, Tod und Teufel, um den Herrn Hochwürden und den Herrn Lehrer, ums Erntebier, um den Bauern in der Oper oder die Goldene Hochzeit. In diesem Kaleidoskop des Landlebens haben auch Lumpen und Ehebrecher ihre Daseinsberechtigung.

Um die Protagonisten nicht bloß zu stellen, hat Killermann durchaus Namen geändert, dann kommt der berühmte Huaberbauer ins Spiel. Es ist schon makaber, wenn bei der Goldenen Hochzeit der Ehemann sagt, er habe seine glücklichste Zeit in Stalingrad verbracht, oder die Evolutionstheorie besondere Blüten treibt mit dem Fazit: "Du vielleicht, i niat." Da ist es dann schon besser, keine richtigen Namen zu nennen.

Das Publikum lacht bereits, wenn Killermann den Zapf nur nennt oder sich wieder allzu deutlich von einem Ausdruck distanziert. Manche Erinnerungen, die dem ehemaligen Gemeindeoberhaupt zugetragen werden, sind vielleicht von zweifelhaftem Wahrheitsgehalt, manche Jägerlatein, aber so ist das Leben. Der passende Spruch steckt bei der Lesung im Kartenständer schräg hinter Georg Killermann: "Das Leben ist kein Ponyhof."

Das Buch "Du vielleicht, i niat!" ist für sieben Euro in der Buchhandlung Westiner erhältlich.
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