Natur als Medium für Kunst

Die Ausstellung "Rationalisierung der Landschaftskunst" ist im Schmidt-Haus zu sehen. Bild: aub
Lokales
Nabburg
12.06.2015
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Beide Künstler arbeiten mit der Natur, aber ganz konträr. Sie haben sich nun doch im Schmidt-Haus in einer Ausstellung vereint: "Rationalisierung der Landschaftskunst" lautet das Motto.

Der eine ist Thomas Neumaier, gebürtiger Münchner, jetzt in Ingolstadt lebend. Trotz Studium der Kunstgeschichte und Germanistik wandte er sich erst 1998, nach 20 Jahren als Fabrikarbeiter, der Grafik, dann der Objektgestaltung zu. Mittlerweile sind seine Werke weltweit präsent. Viktor Scheck, Zweiter im Bunde, stellte bereits vor 13 Jahren erstmals in Nabburg aus. Der Schrobenhausener erhielt 1987 den Kulturpreis seiner Heimatstadt, er unterrichtet aktuell als Grafik-Designer, freier Künstler und Zeichner an der Fachoberschule Neuburg an der Donau und leitet in der Region den Berufsverband Bildender Künstler.

Statt einer Laudatio kam Museumsleiterin Christa Haubelt-Schlosser dieses Mal gerne dem gemeinsamen Wunsch nach, ein "Künstlergespräch" zu moderieren. Zunächst galt es, den Basisbegriff "Rationalisierung" - wörtlich "Vernünftig machen", "Sinn geben" oder "Optimieren durch Automatisieren" - zu klären. Nach Viktor Schecks Art "lässt" er die Natur für sich "arbeiten", indem er Leinwände im Boden vergräbt, sie in Wasserlachen taucht, in Höhlen legt, Wind und Wetter aussetzt. Monate später holt er die Resultate aus dem "Forschungslabor" der Natur wieder ans Tageslicht. "Etwa 20 Prozent finde ich nicht wieder", sagt er und erläutert an Beispielen seinen teils erdigen Weg zum erstaunlichen Ziel.

Thomas Neumaiers Intention hinterfragt die Beziehung der heutigen Gesellschaft zur Natur kritisch, indem er sie "ad absurdum" führt. In Zeiten künstlicher Palmen-Biotope an Raststätten bis zu Kunstrasen für Fußballstadien modifiziere man ja die Umwelt. "Sollten die Niederlande untergehen, ziehen die Bewohner bald vielleicht statt Wohnwagen heimische Hügel im Schlepptau nach - Anhängerkupplungen sind ja vorhanden." Mit seinem Baumstammstück samt Griff als Handgepäck oder dem Rasenmäher, der sich selbst genügt, gibt er zugleich einen kleinen Vorgeschmack und Denkanstöße. Nebst einer Videoinstallation sind Neumaiers Exponate auch vor dem Hintergrund der Natur zu sehen: im Zwingerweg hat er kleine Hinweisschilder verteilt, mit "(un)natürlichen" Verhaltensregeln. Ein Grund mehr für einen nachdenklichen Spaziergang, denn "Kunst will", wie es stellvertretender Landrat Arnold Kimmerl gemeinsam mit Bürgermeister Armin Schärtl in seinem Grußwort formulierte, "auch angeschaut werden" - ob draußen im Kontext oder drinnen im Museum, das noch bis 26. Juli dazu geöffnet hat.
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