Nur scheinbar unbedeutend

Augen zu und durch! Bitte nicht, dann das wäre schade. Ulrike Martens kann über sich selbst und ihre "Komische Kunst" lachen. Das sollen auch die Besucher der Ausstellung im Nabburger Schmidt-Haus tun, aller entlarvenden Wahrheiten, die in den Arbeiten stecken, zum Trotz. Bilder: Götz (2)
Lokales
Nabburg
11.03.2015
42
0

Es sind diese Alltagsbilder und -szenen über die wir gemeinhin hinwegsehen, Ulrike Martens und Angelika Luise Stephan jedoch nicht. Sie treffen mit ihrer Kunst nicht nur den Zeitgeist, sind manchmal der Zeit voraus, mit einem Porträt etwa, das Conchita Wurst verdammt ähnlich sieht.

Dieses Bild aus der Reihe der unbedeutenden Männer von Angelika Luise Stephan ist 2013 entstanden. Die Künstlerin, die seit einigen Jahren in einem Dorf bei Nabburg lebt, muss selbst lachen, wie sie ein Jahr vor dem Sieg von Conchita Wurst den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Allerdings, so ungewöhnlich ist das auch wieder nicht. Die beiden Künstlerinnen aus Gelsenkirchen stammend, die im Nabburger Schmidt-Haus "Komische Kunst" ausstellen, haben sich diesem Genre verschrieben. Sie suchen ihre Motive mitten im Leben, auf der Straße in Moers zum Beispiel, wo Martens heute lebt. Den Künstlerinnen fällt Unauffälliges auf. Die Zeichnungen, Comics und Bilder treffen punktgenau, sind aber nicht böse oder zynisch. "Das ist nicht meine Lebenseinstellung," erzählt Martens, auch wenn sie böse oder tiefschwarze Satire zu schätzen weiß. "Wir können gut über uns selbst lachen", ergänzt Stephan.

Zurück bleibt beim Betrachten ihrer Kunst immer ein Schmunzeln über den großen grauen Alltag, die Ostfriesen, die Teebeutel, den Kohl in all seinen Ausprägungen, wobei der Ausgangspunkt für Martens' Arbeiten natürlich der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl war. "Der Mann und sein Bart" ist eine Serie, mit der Martens wieder Mal vorwegnahm, was heute en vogue ist, der Bart eben. "Wir wollen niemanden bloßstellen", skizziert Angelika Luise Stephan ihre Intension und wirft einen liebevollen Blick auf die unbedeutenden Männer an der Wand. Unscheinbar sind sie nicht. Sie sind Archetypen, wie "Der Mann mit dem Hirschhornknopf" - eine künstlerische Verneigung Stephans vor der bayerischen Heimat ihres Mannes. "All diese Männer haben zwischen Brad Pitt ihre Existenzberechtigung genauso wie kleinen dicken Frauen, die Hormonellas." Während Stephan sich auf wenige Worte zu ihren Arbeiten beschränkt, schreibt Martens viel, oft auch mit Links, dann wirkt die Schrift krakeliger, kindlicher, anders, voll beabsichtigt.
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.