Orientierung durch Prinzipien

Helmut Geyer. Bild: hfz
Lokales
Nabburg
06.05.2015
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Kann ich nicht noch ein bisschen länger fernsehen? Nur noch dieses eine Spiel am Computer? Die allermeisten Eltern kennen diese Diskussionen mit ihren Kindern. Medien spielen auch im Leben von Vorschulkindern schon eine große Rolle. Das kam auch in einem Vortrag zum Ausdruck.

Die Elternbeiräte der Kindergärten St. Marien und St. Angelus hatten vor diesem Hintergrund zu einer Informationsveranstaltung zum Thema "Medien in der Familie: Medienaneignung der Drei- bis Sechsjährigen" ins Jugendwerk eingeladen. Referent war der Pädagoge Helmut Geyer, ein Experte des Medienpädagogischen Referentennetzwerks Bayern. Es war ein Angebot der Stiftung Medienpädagogik Bayern und wird vom Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie gefördert.

Die Stiftung hat für die Medienerziehung bei Kindern im Vorschulalter fünf Prinzipien festgelegt, die Eltern eine Orientierungshilfe geben sollen. Demnach lernen Kinder den Umgang mit Medien in erster Linie zu Hause. Deshalb sollten die Eltern ihre eigenen Gewohnheiten immer wieder überprüfen und sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein. "Medienerziehung ist Familiensache. Es wird oft versucht, das in die Kindergärten oder Schulen zu tragen, aber es ist eine Sache in der Familie", erinnerte Geyer die Eltern an ihre Verantwortung. Stärkstes Vorbild für Kinder seien Mama und Papa, das Verhalten der Eltern werde von den Kindern übernommen.

Kurz halten

Eltern sollten ihre Kinder bei der Mediennutzung grundsätzlich begleiten, altersgerechte und kurze Angebote auswählen. Zentrale Gestaltungsmerkmale von geeigneten Sendungen sind laut Geyer eine kurze Geschichte, einfache Erzählstrukturen, ein harmonisches Ende und eindeutige Charaktere. "Der Gute muss der Gute sein und bleiben." Ein Dreijähriger könne den Inhalt eines eineinhalbstündigen Films nicht als zusammenhängende Handlung erkennen, er verstehe nicht einmal, wenn es Werbeunterbrechungen gibt. Gerade mit noch unbekannten (Hör-)Geschichten, TV-Sendungen, Filmen oder Spielen sollten Kinder nicht alleine gelassen werden.

Das Gespräch mit den Kindern über das Gesehene oder Gehörte sei ein wichtiges Element zur Förderung von Medienkompetenz und hilft Eltern bei der Einschätzung, welche Angebote für ihr Kind geeignet sind. Dabei sei es nicht immer vorhersehbar, was welches Kind erschreckt oder überfordert, so Geyer. Gruselige Gestalten können ebenso überfordern wie schnelle Schnitte, laute Musik, lange Spannungsbögen oder drastische Bilder in den Nachrichten. Kinder im Vorschulalter können Fiktion und Realität nicht klar voneinander unterscheiden, gerade wenn eine Geschichte sie in den Bann zieht. Sie empfinden deshalb die im Film gezeigte Gewaltsituation als realistische Bedrohung.

Fernsehen schadet

Den Umgang mit Medien müssen Kinder erst lernen. Deshalb sei es wichtig, den Medienumgang immer wieder in der Familie zu thematisieren und klare Grenzen zu setzen. Auf eine konkrete Zeitangabe, wie lange ein Kind täglich vor dem Fernseher oder PC verbringen darf, verzichtet das Referentennetzwerk dabei ganz bewusst. Aber: "Weniger ist mehr", betonte Helmut Geyer. Denn gerade Fernsehen habe sehr schädliche Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung der Kinder.

Ein Problem sei, dass in den Familien nicht mehr so viel vorgelesen werde. Dabei sei Vorlesen ein stark familienbildendes Tun, es gebe Geborgenheit und Wärme und rege die Fantasie der Kinder an. Medien sollten weder zur Belohnung noch zur Strafe und auch nicht als Babysitter eingesetzt werden. Werden sie als Druck- bzw. Lockmittel eingesetzt, bekommen sie einen höheren Stellenwert als nötig und werden als etwas Besonderes empfunden. Deutlich wurde im Laufe des Abends, dass es zur Medienerziehung keine Patentrezepte gibt. "Wie jede Erziehung ist sie vom ständigen Dialog geprägt", meinte der Referent.
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