"Sprechstunde" mit Gitarre

Dr. Helmut Ertl in der Aufnahmekabine. Hier sang er teils bis spät in der Nacht seine Tonspuren ein.
Lokales
Nabburg
29.08.2015
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"I mach etz des, wos I ja scho' immer tua wollt'". Diese Textzeile aus dem Lied "Wos I will" ist durchaus autobiografisch zu sehen. Dr. Helmut Ertl tauscht in Zukunft öfters das Stethoskop mit Gitarre und Mikrofon und die Arztpraxis mit der Bühne. Er macht genau das, was er "scho' immer tua wollt'" - und hat mächtig Spaß daran.

"Die Welt ist rund": So lautet der Titel der ersten CD von Helmut Ertl, die er zusammen mit dem "Duo Montana" aufgenommen hat. Vier Songs sind darauf zu hören, allesamt Lieder, "die mein Leben und das Leben der Menschen drumherum beschreiben", sagt der Mediziner. Seine ersten musikalischen Gehversuche macht Ertl 16-jährig in einer Gruppe mit dem Namen "Tronic Smash". Das klingt - bei allem Respekt - ein bisschen nach Krach - und genau das war es auch, wie Dr. Ertl unumwunden einräumt.

Danach wird es etwas geordneter und ruhiger: Tanzmusik steht auf dem Programm. Die "Crazy Four" spielen mehrere Jahre zusammen - bis der angehende Mediziner mit seinem Studium beginnt und die Musik in den Hintergrund tritt. Seitdem greift er ab und an zur Gitarre und widmet sich vor allem seinem Arztberuf. Eine Krankheit und sein 60. Geburtstag sind seine persönlichen Schlüsselerlebnisse: "Ich wollte nicht mehr nur für den Beruf und das Geld leben, sondern für meine Leidenschaft", schildert Ertl: die Musik.

Die musikalische Heimat des 60-Jährigen liegt nach eigenem Bekunden vor allem bei Wolfgang Ambros und Johnny Cash. Daneben gruppieren sich die üblichen Verdächtigen: Rolling Stones, Bruce Springsteen, Beatles oder Bob Dylan. Austro-Pop- und Country-Einschlag mit einer Prise Schlager sind durchaus hörbar, wenn man das Erstlingswerk des Doktors mit dem "Duo Montana" - eine CD mit vier selbstkomponierten Liedern - anhört. "Die Welt ist rund", "Du bist mein Schatz", "Wos I will" und "Wos I net mog": "Bayerisch Pop" nennt der Mediziner seinen Stil. Die Melodien sind eingängig gehalten, nichts für Musik-Abenteuerer auf der Suche nach kompositorischen Wagnissen und ausgefallenen Tonfolgen, sondern eher für jene, für die Musik vor allem Spaß machen soll - und denen es nichts ausmacht, wenn Songs auf der Grundlage von drei Akkorden basieren. Das ist aber allerspätestens seit den "Ramones" salonfähig.

Bis spät in die Nacht

Dafür, dass Dr. Ertls Lieder auf Silberling gepresst gut klingen, sorgt Georg Schmachtel. Er ist eine Hälfte vom "Duo Montana" und hat in seinem Haus in Nabburg ein kleines Tonstudio. Hier arbeiten er und der musizierende Mediziner über Monate hinweg an den Stücken. Auch der andere "Duo Montana"-Part Michael Kugel unterstützt die Produktion. Jede Spur wird so lange aufgenommen, bis sie passt - teils bis spät in die Nacht. Viele Instrumente sowie die Gesangspuren sind selber eingespielt, die Rhythmus-Sektion - also Bass und Schlagzeug - übernimmt der Computer.

Danach mischt Schmachtel die Lieder ab - und fertig ist die CD. 120 bis 130 davon hat Dr. Ertl seinen Angaben zufolge bereits in seiner Praxis verkauft. Erhältlich sind die Songs auch auf den gängigen Download-Portalen. Bei Radio "Ruhrpott Magie" - einem Internetsender - war die Musik aus Nabburg schon zu hören. Der singende Arzt hofft nun, dass auch andere Stationen seine Songs bald in die Playlists aufnehmen.

Zwölf Lieder geschrieben

Etwa zwölf Lieder hat Dr. Ertl in der Zeit nach seinem runden Geburtstag im Februar diesen Jahres geschrieben. Vier weitere davon sollen auf die nächste CD. Daran arbeiten er und Georg Schmachtel derzeit. "Es macht mir einfach Spaß. Keiner von uns glaubt, dass er jetzt ein Schlagerstar wird, aber es ist mein Hobby", schildert der Mediziner. Am 17. Oktober steht er zusammen mit dem "Duo Montana" auf der Bühne im "Theatro" in Nabburg - der singende Arzt bittet wieder zur "Sprechstunde".
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